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Marburg Eckart von Hirschhausen ist jetzt Professor in Marburg
Marburg Eckart von Hirschhausen ist jetzt Professor in Marburg
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20:00 11.01.2022
Dr. Eckart von Hirschhausen hielt als neuer Honorarprofessor an der Philipps-Universität gestern seine Antrittsvorlesung im Auditorium am Uniklinikum Marburg (UKGM).
Dr. Eckart von Hirschhausen hielt als neuer Honorarprofessor an der Philipps-Universität gestern seine Antrittsvorlesung im Auditorium am Uniklinikum Marburg (UKGM). Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Prominenter Besuch an der Uni Marburg: Der Mediziner, TV-Moderator und Medizinkabarettist Dr. Eckart von Hirschhausen hielt gestern Nachmittag seine Antrittsvorlesung als neuer Honorarprofessor des Fachbereichs Medizin. Bereits am Morgen stand Deutschlands wohl bekanntester Arzt dem Radiomoderator Thomas Koschwitz in dessen Morning-Show auf hr1 Rede und Antwort zu seinem neuen Titel.

Hirschhausen bejahte unter anderem die Frage von Koschwitz, ob er sich jetzt künftig Professor nennen könne. Das sei zwar ganz schick, aber es komme ihm vor allem darauf an, an der Ausbildung der kommenden Generation von Medizinern mitzuwirken, betonte das neue Mitglied des Lehrkörpers an der Uni Marburg. Und er machte ebenso deutlich, dass er seinen neuen Zusatzjob nicht wegen des Geldes antrete. Honorarprofessor zu sein, sei nicht mit einem Honorar verbunden, erläuterte Hirschhausen den hessischen Radiohörern am frühen Morgen. Stattdessen verweise der Titel vor allem auf die damit verbundene Ehre.

Antrittsvorlesung mit Abstand: Dr. Eckart von Hirschhausen ist neuer Honorarprofessor an der Philipps-Universität. Quelle: Thorsten Richter

Die Verbindung zur Marburger Hochschule hatte Eckart von Hirschhausen zunächst über den Auftritt von Professor Jürgen Schäfer, dem Marburger Medizin-Professor und „deutschen Dr. House“, in „Hirschhausens Quiz des Menschen“ geknüpft. Es folgten zwei Vorlesungen des Medizin-Tausendsassas im jeweils vollbesetzten Marburger Audimax in den Jahren 2017 und 2020.

Die Auftritte in vollen Hallen mit mehreren Tausend Zuhörern sind mittlerweile für Eckart von Hirschhausen Routine. Ein wenig Bammel hatte er hingegen im Vorfeld seiner gestrigen Antrittsvorlesung vor wenigen geladenen Gästen in einem Hörsaal der Uni Marburg. Denn schließlich war die live online abrufbare Veranstaltung eine Vorlesung, bei der ihm der direkte Draht zu einem großen Auditorium fehlte.

Doch das ist genau das Pfund, mit dem die Uni Marburg wuchern kann. Die Hochschule könne dem neuen Honorarprofessor den Zugang zu „wunderbaren, motivierten und lernbegeisterten jungen Menschen“ bieten, sagte Jürgen Schäfer. „Unsere Universität freut sich unglaublich auf dich“, sagte Professor Schäfer in seiner kleinen Laudatio vorab, mit der er den „wissenschaftlichen Zehnkämpfer“ Hirschhausen gestern am Fachbereich Medizin willkommen hieß.

Und nachdem ihn Professor Schäfer in seiner Laudatio vorgestellt hatte, meisterte Hirschhausen die Aufgabe mit Bravour, indem er die Balance zwischen humorvollen Anekdoten und ernsten Aspekten spielerisch schaffte.

„Sprache in der Medizin“ sollte das Hauptthema in der Antrittsvorlesung des 54-Jährigen sein. Doch er nutzte seine Vorlesung auch zu einem generellen Plädoyer für eine „humane Humanmedizin“ und gegen eine „absurde Übermedizin“. Die Kunst der Medizin sei es zunächst einmal, so viel nicht zu tun, wie es irgendwie gehe.

Und schließlich wurde es in dem Vortrag doch noch in Sachen Sprache und Medizin interessant. So fragte der neue Honorarprofessor, warum nicht eine besonders hohe Qualitätsmesslatte für Arzt-Patienten-Gespräche gelten solle. So zeichne sich gute Medizin vor allem erst einmal durch eine körperliche Untersuchung und gute Fragetechniken aus. Als Mediziner müsse man immer darüber nachdenken, ob man etwas nicht gesehen oder gefragt habe. Diese Art des Denkens zu trainieren, sei eines seiner Ziele als neuer Honorarprofessor.

Und mit einer richtigen Frage könne man sogar Leben retten, wie er am Beispiel eines Freundes erläuterte, der mit 30 Jahren an Darmkrebs starb. Er hatte einen Arzt um eine Darmspiegelung gebeten, was ihm aber von dem Mediziner verweigert wurde, weil er angeblich zu jung dafür sei. Wenn er aber gefragt hätte, hätte er vielleicht erfahren, dass es familiäre Vorbelastungen gegeben habe, erklärte Hirschhausen.

Dr. Eckart von Hirschhausen ist neuer Honorarprofessor in Marburg. Quelle: Thorsten Richter

Auch die Koordinierung von wissenschaftlichen Kompetenzen zum Wohle der Patienten beispielsweise in Sachen Digitalisierung der Medizin will Hirschhausen am Uni-Klinikum in Marburg künftig gezielt mit Kollegen angehen, wie beispielsweise bei der möglichen Entwicklung einer personalisierten Frühwarn-App für Patienten.

Gegen Ende ging er auch noch auf die Gesundheitsherausforderungen durch die Klimakrise ein. „Wir können die Gesundheit des Menschen nur schützen, wenn wir wissen, wie es drumherum der Natur und den Tieren geht“, meinte Hirschhausen. So seien die Menschen in der Corona-Pandemie nicht nur Opfer des Virus, sondern auch mitverantwortlich.

Zum Schluss bat Hirschhausen noch zwei Nachwuchsmediziner mit auf die Bühne, die zur Marburger Organisation „Health for Future“ gehören. Die Gründung dieser Gruppe hatte er sogar im Januar 2020 bei seiner Vorlesung im Audimax mit angestoßen.

Nach seiner Rede gab es zwar keinen „Ritterschlag“ für Hirschhausen, wie er zunächst witzelnd vermutet hatte. Doch der designierte Uni-Präsident Professor Thomas Nauss gab ihm eine Urkunde, und die Medizin-Dekanin Professorin Denise Hilfiker-Kleiner überreichte ihm die „Fachbereichs-Krawatte“. Der neue Honorarprofessor war richtig gerührt. „Ich freue mich extrem, und es ist ein großer Tag“, meinte Hirschhausen.

Von Manfred Hitzeroth

Weitere Galerien von Eckart von Hirschhausen in Marburg:

Mit Lebensweisheiten, Kritik an „esoterischem Bullshit“ und dem Gesundheitssystem, Musik und viel Magie hat Dr. Eckart von Hirschhausen sein Marburger Publikum verzaubert – und ein bisschen gesünder gemacht. Zuerst hielt der vielseitige Entertainer einen Hörsaal-Vortrag an der Uni. Direkt im anschluss ging es in die Stadthalle.