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Marburg EHEC oder Corona: „Schließen war keine Option“
Marburg EHEC oder Corona: „Schließen war keine Option“
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08:00 06.04.2022
Frank Heinz und Claudia Gerdes vor ihrem Feinkostladen „Heinzelmännchen“, der seit 25 Jahren besteht.
Frank Heinz und Claudia Gerdes vor ihrem Feinkostladen „Heinzelmännchen“, der seit 25 Jahren besteht. Quelle: Andreas Schmidt
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Marburg

Eine Kunsthistorikerin und ein BWLer eröffnen direkt nach ihrem Studium in der Marburger Oberstadt einen Laden mit Obst und Gemüse. Nicht erst jetzt – 25 Jahre und zwei Umzüge später – ist klar: „Heinzelmännchen“ ist eine feste Größe für die Versorgung in „Marburgs Schatzkästchen“ ebenso, wie auch als Großhändler für die Gastronomie oder beispielsweise zahlreiche städtische Kindergärten.

Angefangen hat alles direkt neben der „Kostbar“ am Beginn der Fußgängerzone – gerade einmal ein Dutzend Quadratmeter hatte „Heinzelmännchen“ zur Verfügung. Nur wenige Jahre später ging es ein Haus weiter – der Laden erstreckte sich über zwei Etagen. Und vor 17 Jahren hat „Heinzelmännchen“ das Brüder-Grimm-Haus bezogen, ist seither nicht nur Feinkostladen, „sondern auch Kontaktstelle. Eltern geben hier die Schlüssel ab, die die Kinder nach der Schule bei uns abholen“, sagt Claudia Gerdes.

Für ihren Ehemann Frank Heinz stand direkt nach dem BWL-Studium fest: „Ich will mich selbstständig machen.“ Direkt nach der Prüfung hatte er einen Zettel an der Eingangstür der Barfüßerstraße 7 gesehen – „Laden zu vermieten“. Sofort habe es in seinem Kopf angefangen zu rattern. Heinz analysierte die Situation in Marburg und war fest davon überzeugt, dass ein Obst- und Gemüse-Angebot abseits von Supermarkt und Discountern fehlt. „Es gab zwar den Wochenmarkt“, weiß Heinz, „aber der war schon ein wenig auf dem absteigenden Ast. Das Konsumentenverhalten hat sich damals schon ganz gewaltig im Wandel befunden.“

Eigenmarke bei den Gewürzen

Schon recht früh hat das Unternehmen beispielsweise bei den Gewürzen auf die „Heinzelmännchen“-Eigenmarke gesetzt. „Und seit gut 20 Jahren haben wir auch einen Großhandel-Lieferdienst für Obst, Gemüse, Trüffel, Essig und Öle, Gewürze und alles, was in diesen Bereich mit hineingeht. Das Geschäft wird aus dem Lager in Cappel abgewickelt. Rund ein Dutzend Menschen hat „Heinzelmännchen“ beschäftigt. Und die sorgen dafür, „dass unser Name Programm ist – er gibt nämlich wieder, wie wir uns sehen: als Dienstleister unter den Händlern“.

Die Heinzelmännchen lieben die Oberstadt, „wir haben so liebe Kunden, die uns schon seit vielen Jahren treu sind“, sagt Claudia Gerdes. Dass es dort „immer mal einen Branchenwandel gibt, das ist normal“, so ihr Mann. Damit einher gehe eine gewisse Fluktuation. Doch der Standort habe sich in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten bewährt.

2011 EHEC-Krise, 2020 Corona

Dabei gab es durchaus Krisen zu bewältigen: 2011 „stand Gemüse von jetzt auf gleich im Verdacht, für EHEC verantwortlich zu sein“. Die große Oberstadt-Baustelle ist ebenfalls im Gedächtnis der beiden immer noch präsent. Und auch Corona hat „Heinzelmännchen“ erwischt – nämlich den Großhandel. „Binnen eines Tages fielen 80 Prozent des Geschäfts weg“, sagt Heinz.

Doch der Laden durfte weiter offen bleiben – Gerdes und Heinz jonglierten mit dem Personal, um es zu halten, passten die Arbeitszeiten an, „und wir sind vergleichsweise gut durch die Krise gekommen“. Auch deshalb, weil man beispielsweise Privatkunden beliefert habe. „Wir haben uns immer der Situation angepasst und probiert, das Beste draus zu machen – obwohl natürlich das Kopfkino lief.“ Doch sei für das Unternehmer-Ehepaar immer klar gewesen: „Schließen war keine Option.“

Von Andreas Schmidt