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Marburg Kein totes Bambi in diesem Jahr
Marburg Kein totes Bambi in diesem Jahr
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17:00 26.07.2020
Mähschutz für Rehkitze - Carol Grieger demonstriert den Einsatz einer Drohne über die Wiese. Quelle: Thorsten Richter
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Elnhausen

Hundegebell und das leise Surren in der Luft kündigen es an. Ruhig und konzentriert gehen Menschen in Gummistiefeln in den frühen Morgenstunden wie in einem Labyrinth durch die Wiesen, über ihnen jenes leise Surren. So spielte es sich kürzlich zum Auftakt der Mahd, also der Ernte von Grassilage und Heu, auf den Wiesen in und um Elnhausen ab.

Die Mahd ist Auftakt zur Erntesaison und zugleich die Zeit unsäglichen Tierleids. Bodenbrüter, Hasen und Rehe haben ihre Jungen gesetzt und diese zum Schutz vor Fressfeinden im hohen Gras abgelegt.

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Kreiselmäher mit dreifacher Schlepperbreite

„Anders als viele andere Wildtiere“, so Jagdpächter Dieter Preis, „gehören diese zu den Nesthockern. Das heißt, sie machen sich klein, ducken sich, in der Hoffnung nicht gesehen zu werden und fliehen nicht bei Gefahr. Die Natur hat sogar dafür gesorgt, dass der Eigengeruch von Kitz und Junghase selbst für gute Spürnasen kaum wahrnehmbar ist.“ Gleichzeitig müssen aber die Landwirte in den wenigen Phasen der Trockenheit in kurzer Zeit das Gras mähen und es als Silage, Heulage oder Heu zur Fütterung von Rindern und Pferden einholen. Hierfür werden sogenannte Kreiselmäher, teilweise mit dreifacher Schlepperbreite, also mit mehr als 7,5 Meter Breite, genutzt, die es ermöglichen, in kurzer Zeit auch größere Flächen mit wenig Personal zu mähen.

Was wirtschaftlich und hocheffizient ist, überfordert aber die hier lebenden Wildtiere. Jedes Jahr werden hierbei bundesweit ungewollt zahlreiche Jungtiere direkt getötet oder – noch schlimmer – Gliedmaßen abgetrennt, sodass sie manchmal erst nach Tagen jämmerlich verenden. Daher ist es langjährige Tradition und vorgeschriebene Praxis, dass sich die Landwirte und ansässigen Jäger vor der Mahd verabreden und auch kurzfristig mit hohem persönlichen Engagement und unter Zuhilfenahme ihrer ausgebildeten Jagdhunde im Morgengrauen durch die noch feuchten Wiesen streifen, auf der Suche nach abgelegten Kitzen. Oft geschieht dies jedoch unter großem Zeitdruck sowie zwischen Engagement für die Wildtiere und den Verpflichtungen des Arbeitsalltags.

Das wollten die Jäger nicht mehr länger so praktizieren. In diesem Jahr ist es nun gelungen, durch Unterstützung der Elnhäuser Jagdgenossenschaft, eine Drohne für diese wichtige Aufgabe anzuschaffen. „Der Einsatz der Drohne mit Wärmebildtechnik ermöglicht ein systematisches Absuchen großer Freiflächen nach Säugetieren“, so Drohnenpilot Sergej Schirling. Die Suche mit dem Hund kann sich damit auf die Randstreifen und unübersichtliches Gelände, beispielsweise mit Bewuchs, konzentrieren.

Alle Beteiligten sind sich einig und auch stolz, dass es sich trotz des erheblichen zeitlichen und finanziellen Aufwandes gelohnt hat.

Erfahrungen werden weitergetragen

„Während der diesjährigen Mahd ist es durch den gemeinsamen Einsatz von Jägern und Jagdgenossenschaft gelungen, den Verlust von Kitzen durch Kreiselmäher auf null zu reduzieren“, berichtet Günther Schöne, Vorsitzender der Jagdgenossenschaft, sichtlich zufrieden. Die diesjährigen Erfahrungen in Elnhausen werden über die Jägervereinigung Marburg in angrenzende Jagdbezirke und Reviere des Hegeringes weiter getragen, um für die Zukunft die Verluste an Rehkitzen weiter zu reduzieren.

Von Anna Scholz