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Marburg Drogendealer zeigt sich reumütig
Marburg Drogendealer zeigt sich reumütig
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10:58 11.01.2020
Ein Mann raucht eine Haschzigarette. Haschisch in der sogenannten „nicht geringen Menge“ versuchte auch ein junger Dealer aus dem Nordkreis zu verkaufen und wurde erwischt. Quelle: Kay Nietfeld/dpa/Archivfoto
Marburg

Die Staatsanwaltschaft warf dem 24-Jährigen aus dem Nordkreis vor, Falschgeld in Umlauf bringen zu wollen, sowie mit illegalen Betäubungsmitteln gehandelt zu haben.

Bei einer Durchsuchung fand die Polizei bei ihm 87 Gramm netto an Haschisch – gewonnen aus dem Harz der weiblichen Hanfpflanze – außerdem zwei Ecstasy-Pillen plus eine Waage, wie sie üblicherweise zum Abmessen der Drogenmenge verwendet wird.

Den Prozess am Marburger Amtsgericht verkürzte der ertappte Angeklagte deutlich durch ein umfassendes Geständnis zum Drogen-Vorwurf: Ja, er habe die Substanzen dabei gehabt, um sie zu verkaufen, gab er zu.

Falschgeld fliegt schnell auf

Den Vorwurf bezüglich des Falschgelds wies der junge Mann aus dem Nordkreis jedoch von sich: Er habe am Marburger Südbahnhof ein Tütchen mit drei 50-Euro-Scheinen gefunden. Als er das Geld herausgenommen hatte, sei ihm schnell aufgefallen, dass es sich um Imitationen gehandelt habe. Denn das Papier habe sich anders, fremd in der Hand angefühlt. Zudem meinte er sich zu erinnern, dass auch das Wasserzeichen gefehlt habe.

„Ich wollte es vernichten, da ich gemerkt hatte, dass es Falschgeld war“, beteuerte er vor Gericht. Daher habe er die Scheine auch nicht mit seinem echten Bargeld vermischt, sondern zunächst getrennt aufbewahrt.

Minderschwerer Fall

Seine Erklärung verwunderte die Prozessbeteiligten: „Es fällt mir natürlich schwer, das zu glauben“, sagte­ der Staatsanwalt. Dennoch­ ­könne das Gegenteil nicht bewiesen werden, „diese Einlassung ist aus meiner Sicht schwer zu widerlegen.“ Auf den Antrag der Staatsanwaltschaft hin stellte das Gericht das Verfahren zum Falschgeld vorläufig ein.

In seinem Plädoyer verwies der Staatsanwalt auf das glaubhafte Geständnis, das die Straftat – unerlaubtes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht unerheblicher Menge – belege. Dennoch geht er von einem minderschweren Fall aus, eben aufgrund des offenen ­Geständnisses des Dealers.

Alle Seiten akzeptieren das Urteil

Als ­Antrag nannte er eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten, welche zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Die Verteidigung schloss sich dem Antrag an. „Sie sind offenbar auf dem richtigen Weg“, äußerte auch Richter Thomas Rohner in Richtung des Angeklagten.

Das Urteil lautete zehn Monate auf Bewährung. Als Auflage hat der Mann 800 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zu zahlen. Eine Summe von 850 Euro als Gewinn aus dem Drogenverkauf unterliegt der Einziehung. Das Urteil ist bereits 
rechtskräftig.

von Beatrix Achinger