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Marburg Gänsehaut-Feeling mit Warnblinker
Marburg Gänsehaut-Feeling mit Warnblinker
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09:37 18.05.2020
DJ G-Star legte in der Drive-in-Disco im Marburger Autokino auf dem Messeplatz auf. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

„Wahnsinn! Ich habe Gänsehaut!“, sagte Tobias Quentin, alias DJ Quentin, als die 200 Autos vor ihm ihre Scheinwerfer gleichzeitig anmachten und mit ihren Handytaschenlampen aus dem Fenster winkten.

„Daran werde ich mich noch jahrelang erinnern“, sagte der Marburger, der immerhin schon 25 Jahre im Geschäft ist. Am Mittwoch, 13. Mai, war er dabei, als der erste Drive-in-Club Hessens im Autokino auf dem Messeplatz an den Start ging.

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Gemeinsam mit den Marburger DJ’s Ochs & Klick, Luke van Lem, G-Star und Matt-C sorgte er für super Stimmung im Autokino. Höhepunkt war der Auftritt von DJ-Star Woody van Eyden aus den Niederlanden, der mit seinen fast 60 Jahren wohl der Älteste an diesem Abend war.

Die Musik hallte aus den Autos, die zeitweise stark wankten – mit den bunten Warnwesten zeigten die Insassen wie gut die Stimmung bei ihnen ist. „Echt cool“, resümierte Linus Luther, der gemeinsam mit seiner Schwester Milena und seinem Kumpel Samuel Ruff feierte. „Das ist eine schöne Ablenkung zum Corona-Alltag“, fand die Studentin.

Abifeier im Auto

Weiter vorne parkte ein weißer SUV mit Lichterkette über der Frontscheibe und LED-Kerzen auf der Motorhaube. Drinnen saßen Lene Traxel und Victoria Sander, die in ihren 26. Geburtstag reinfeierte. „Das passte perfekt, um das Beste aus der derzeitigen Situation zu machen“, lachte die Angestellte aus Marburg. „Eine willkommene Abwechslung“, meinte ihre Freundin, die aus Hanau angereist war.

Nebenan gab auch etwas zu feiern. Smilla Westerberger und Julia Schünemann hatten nur Stunden vorher die Ergebnisse ihrer Abiturprüfung erhalten. „Bestanden!“, riefen sie aus einem Mund. „Megacool“, beschrieben sie die Stimmung, obwohl die elektronischen Beats nicht zu ihrer Lieblingsmusik gehören.

„Egal, wir machen trotzdem Party“, sagten die beiden ehemaligen Schülerinnen der Elisabethschule und lachten sogar weiter, als auf einmal die Batterie von ihrem Auto versagte. Die Autokino-Ordner organisierten gleich Hilfe, so dass die beiden weiterfeiern konnten.

Als eine „neue Erfahrung“ beschrieb Matthias Schulze seinen Auftritt vor der großen Leinwand. Als DJ Matt-C war er der Opener bei Hessens Drive-in-Club-Premiere. „Wenn mir einer vor zehn Wochen gesagt hätte, dass ich mal vor 200 Autos auflege, den hätte ich für verrückt erklärt“, so der Betreiber des Marburger Nachtsalons im OP-Gespräch. „Anfangs war es sehr skurril“, gab er zu. „Aber auch wenn ich keine Gesichter sehen konnte, so konnte ich irgendwie doch spüren, dass die Leute in den Autos Spaß hatten“, ergänzte er noch.

Ähnlich erging es auch Jörg Hallenberger alias DJ G-Star. „Musik zu spielen ohne Feedback ist wirklich schwierig. Das war eine neue Erfahrung, eine andere Erfahrung“, berichtete er nach seinem Auftritt. Allerdings sei es ihm beim wöchentlichen Live-Stream der „Marburger Clubs united“ schwerer gefallen vor einer einzigen Kamera aufzulegen. „Hier hat man wenigstens die Arme gesehen, die die Leute aus den Fenstern streckten“, sagte er lachend.

Kurzer technischer Blackout

Die Veranstalter Depro, Cineplex und Goldfisch Art zogen indes ein positives Fazit. „Es ist zwar aus der Not geboren, aber es macht trotzdem sehr viel Spaß, die Stimmung hier mitzuerleben“, so das Resümee von Marion Closmann. Auch wenn die Corona-Pandemie für die vielen Kulturschaffenden die „größtmögliche Katastrophe“ ist, so „sind auch die Chancen plötzlich da“, sagte sie und musste feststellen: „Wir arbeiten jetzt mit zwei Firmen zusammen, die ich vorher gar nicht kannte und es funktioniert.“

Fazit: Premiere geglückt, trotz kurzem technischen Blackout beim anschließenden Film „Berlin Calling“ mit Paul Kalkbrenner in der Hauptrolle. Eine Wiederholung ist geplant am Freitag, 12. Juni, (21 Uhr) mit dem DJ-Duo „Gestört aber geil“.

Von Katja Peters

18.05.2020
18.05.2020