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Marburg Drei Premieren fallen (vorerst) aus
Marburg Drei Premieren fallen (vorerst) aus
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11:57 05.11.2020
Das Foto zeigt eine Szene aus „Ronja Räubertochter“, dem Familienstück zur Weihnachtszeit der Spielzeit 2018/19. Jedes Jahr zieht das Weihnachtsstück besonders viele Besucher an. Quelle: Hessisches Landestheater Marburg
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Marburg

Für das Hessische Landestheater bedeutet dies: Drei Premieren fallen aus. Die Boulevard-Komödie „Der nackte Wahnsinn“, die Uraufführung „Hannah! Das Erwachen eines politischen Bewusstseins“ und – besonders tragisch für viele Familien – das Weihnachtsstück „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Gerade das Familienstück zur Weihnachtszeit ist für Theater landauf. landab enorm wichtig – zum einen für die Besucherbilanz einer Spielzeit, zum anderen, weil hier Kinder oft erstmals ein echtes Theatererlebnis haben. Welche Bedeutung ein Weihnachtsstück hat, mögen zwei Zahlen verdeutlichen: „Schneewittchen“ sahen im vergangenen Winter allein im Marburg rund 12 000 Zuschauer, inklusive der vielen verkauften Gastspiele waren es sogar 17 100 Besucher.

Umso trauriger ist man am Landestheater, dass der Corona-Lockdown die am 15. November geplante Premiere stoppt. „Es ist sehr sinnvoll, was die Regierung beschlossen hat“, meint Intendantin Carola Unser. „Ich hoffe, dass der Lockdown etwas bringt.“ Und so auch die Theater bald wieder geöffnet werden können, „damit die Leute noch etwas anderes erleben als Konsum, denn shoppen dürfen wir ja noch“. Sie ergänzt: „Was wäre das für eine Gesellschaft, ohne Kultur?“

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Ziel des Theaters sei es, alle drei Premieren nachzuholen, sofern dies angesichts der Corona-Pandemie und der steigenden Infektionszahlen möglich sei. „Wir dürfen weiter proben und das Weihnachtsstück wollen wir auf keinen Fall streichen“, sagte sie der OP. Zumal die Nachfrage bei Schulen einmal mehr groß war.

Allerdings sind Proben in Corona-Zeiten an einem Theater nicht einfach, denn im Ensemble und in den anderen Abteilungen gibt es viele Mitarbeiter, die Risikogruppen angehören. Alle drei genannten Produktionen sollen „premierenreif“ geprobt werden – aber der Probenbetrieb ist durch Corona erheblich eingeschränkt. „Es kann sein, dass wir es unter diesen Bedingungen auch nicht schaffen“, so die Intendantin.

Neuer Probenraum im Kaufpark Wehrda

Einen neuen Probenraum hat das Landestheater unterdessen gefunden: den ehemaligen Elektrofachmarkt „Expert Medialand“ im Kaufpark Wehrda. Die Intendantinnen Carola Unser und Eva Lange waren lange Zeit händeringend auf der Suche nach großzügigen Räumen, in denen unter Corona-Abstandsbedingungen geprobt werden kann. Sie wandten sich an den Marburger Geschäftsmann Wolfram Kühn und einigten sich schnell. In dem ehemaligen Fachmarkt wird derzeit das Weihnachtsstück geprobt. „Die Miete liegt bei einem Bruchteil der im Kaufpark Wehrda üblichen Beträge und deckt die notwendigen Raum- und Energiekosten“, so Kühn.

Von Uwe Badouin