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Marburg Drei Millionen Euro für viereinhalb Jahre
Marburg Drei Millionen Euro für viereinhalb Jahre
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12:58 16.05.2021
Mithilfe von sogenannten sprachlichen Repräsentationen lassen sich Wörter der eigenen Sprachgemeinschaft verstehen, auch wenn es sich dabei beispielsweise um Dialekt handelt. In einem neuen Graduiertenkolleg an der Philipps-Uni sollen sie näher erforscht werden.
Mithilfe von sogenannten sprachlichen Repräsentationen lassen sich Wörter der eigenen Sprachgemeinschaft verstehen, auch wenn es sich dabei beispielsweise um Dialekt handelt. In einem neuen Graduiertenkolleg an der Philipps-Uni sollen sie näher erforscht werden.  Quelle: Alexander Heinl/dpa,
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Marburg

Die Sprach- und Kognitionswissenschaft erklärt dies mit sogenannten sprachlichen Repräsentationen. Dabei handelt es sich um mentale Konzepte, die eine Zuordnung von Wörtern zu ihren Bedeutungen ermöglichen, trotz Mehrsprachigkeit, Varietäten und Dialekten. Doch auch sprachliche Repräsentationen unterliegen einem Wechselspiel aus Flexibilität und Kontinuität.

In einem neuen Graduiertenkolleg (GRK) an der Philipps-Universität Marburg sollen sie nun genauer erforscht werden. Das GRK „Dynamik und Stabilität sprachlicher Repräsentationen“ vereint innovative Herangehensweisen der Variations-, Psycho- und Neurolinguistik. Damit bietet es Promovierenden der Germanistik, Linguistik sowie Psychologie, Biologie und Neurowissenschaften ein einzigartiges Forschungsumfeld.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das GRK mit knapp 3 Millionen Euro über zunächst viereinhalb Jahre. Die Sprecherrolle für das neue GRK teilen sich Professor Mathias Scharinger und Professorin Christina Kauschke.

„Damit innerhalb einer Sprachgemeinschaft sprachliche Kommunikation gelingen kann, muss es unter den Sprecherinnen und Sprechern gewissermaßen Konsens über linguistische Basiskategorien und ihre Realisierungen geben. Allerdings sind die tatsächlichen Realisierungen sehr heterogen, schon allein in der individuellen Aussprache von Sprachlauten“, sagt Scharinger. Ein Beispiel ist der Vergleich zwischen dem niederdeutschen Wort „Appel“ und dem standarddeutschen Wort „Apfel“.

14 Forschendesind beteiligt

Für das Sprachverständnis müssen Sprecherinnen und Sprecher in der Lage sein, die beiden unterschiedlichen Wörter auf das gleiche Konzept (Obstsorte) abzubilden. In diesem Fall müssen sie also zwischen unterschiedlichen Lauten eine systematische Beziehung herstellen. Dies geschieht über sprachliche Repräsentationen, die essenziell für die Prozesse des Sprachverstehens und der Sprachproduktion sind.

„Repräsentationen sind feste mentale Einheiten, die gleichzeitig flexibel sein müssen. Damit ist dies ein sehr spannendes Forschungsfeld für die sprachwissenschaftliche Forschung und angrenzende kognitionswissenschaftliche Disziplinen“, sagt Kauschke.

Am GRK sollen in verschiedenen Teilbereichen nun bisherige Annahmen und Theorien vereint und empirisch fundiert werden. Zum einen sollen neurolinguistische Erkenntnisse gewonnen werden, die ein besseres Verständnis darüber ermöglichen, wie sprachliche Repräsentationen auf Gedächtnisinhalte abgebildet werden und auf welchen Ebenen sie sich dynamisch verändern. Außerdem soll der Erwerb derartiger Repräsentationen unter verschiedenen Erwerbsbedingungen (zum Beispiel kindlicher Spracherwerb oder Zweitspracherwerb) untersucht werden. Darüber hinaus soll es um die Möglichkeiten der Veränderbarkeit von Repräsentationen, zum Beispiel durch gezielte Interventionen, gehen.

Schließlich spielen die Variabilität und die Veränderung von sprachlichen Repräsentationen, auch und gerade im Vergleich zu unterschiedlichen Dialekten des Deutschen, eine wichtige Rolle. Dieser Vergleich wird durch die Dialektdokumentation des Forschungszentrums Deutscher Sprachatlas der Universität Marburg wesentlich gestützt.

Alle Teilbereiche sollen über eine theoretische Modellierung verbunden werden. „Denn dass trotz aller Variation ein stabiler Bezug auf die mit der Wortform verbundenen Konzepte möglich ist und eine Verständigung in der Regel gelingt“, so Mathias Scharinger, „verlangt nach einem plausiblen Erklärungsmodell. Dieses Modell wird in unserem GRK angestrebt“.

Am GRK werden initial 14 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beteiligt sein. Mit dem Institut für Germanistische Sprachwissenschaft und dem Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas bildet die Philipps-Universität Marburg ein breites Spektrum linguistischer Disziplinen ab – von germanistischer Sprachwissenschaft über Phonetik und Spracherwerbforschung bis zur Neurolinguistik und Klinischen Linguistik. Durch die direkte Anbindung des neuen GRK an das Center for Mind, Brain, and Behavior (CMBB) wird zudem der Zugang zu einem sehr guten neurowissenschaftlichen Netzwerk in Mittelhessen gewährleistet. „Die synergetischen Effekte der unterschiedlichen Expertisen kommen hier gezielt der akademischen Ausbildung der Promovierenden zugute“, hebt Kauschke hervor.

Von unseren Redakteuren