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Marburg Draußen statt drinnen: Lernen Schüler bald auf Schulhöfen?
Marburg Draußen statt drinnen: Lernen Schüler bald auf Schulhöfen?
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09:58 15.06.2021
Wald statt Schulgebäude, laufen statt stillsitzen, entdecken statt pauken: Solche pädagogischen Ansätze gibt es, doch feste Natur-Klassenzimmer einrichten? Das könnte in Marburg bald passieren
Wald statt Schulgebäude, laufen statt stillsitzen, entdecken statt pauken: Solche pädagogischen Ansätze gibt es, doch feste Natur-Klassenzimmer einrichten? Das könnte in Marburg bald passieren Quelle: Archiv
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Marburg

Raus aus den Klassenzimmern, ran an die frische Luft – und das nicht nur wegen des Corona-Infektionsschutzes: In Marburg soll es künftig „Grüne Klassenzimmer“ geben, die Voraussetzung für deren flächendeckenden Aufbau an Schulen und Kitas soll jedenfalls nach einer Parlaments-Initiative durch den Magistrat geprüft werden.

„Die Raumsituation ist nicht erst unter Pandemie-Bedingungen ein Problem und es braucht nicht nur neue, sondern für die jungen Menschen auch motivierende Lern- und Begegnungsorte“, sagt Michael Selinka (CDU-FDP), Initiator des Antrags.

Das Frischluft-Lernen soll demnach langfristig genutzt werden, speziell in Hitze-Monaten, wenn heiße Temperaturen – Stichwort Klimakrise – den Aufenthalt samt Konzentration in Räumen massiv erschweren. „Austausch, Bewegung, Lernen: Alles fällt leichter, wenn die Umgebung passt“, sagt Selinka. Und die Schulhöfe für Unterricht zu nutzen, könne mitunter schon jetzt existierende Raumprobleme mildern. Ganz abgesehen von den geringeren Kosten im Vergleich zum Einbau Dutzender Corona-Luftfilter in allen Schulen.

Eigentlich ist diese Art Klassenzimmer tatsächlich im Grünen, die Idee ist praktisch bei den auch in Marburg boomenden Waldkindergärten abgeschaut. Denn es sind Plätze in der Natur, die für den Unterricht optimiert sind. Als Stühle oder Tische dienen Baumstümpfe, Felsen umrahmen den Öko-Lernraum, wetterfeste, abwaschbare Tafeln sind etwa inmitten von Baumstämmen und Ästen fest verbaut.

In Marburg, so der Antrags-Tenor, soll sich das Konzept aber nicht im Wald, sondern auf den Schul- und Kita-Außengeländen abspielen; eben mit dem Einsatz von Naturmaterialien.

In wenigen deutschen Städten gibt es bereits solche „Outdoor-Klassenzimmer“, die aber nicht nur für Biologie- oder Naturkunde-Unterricht, sondern für alle Unterrichtsfächer dienen. Einige Schulen nutzen sie auch für außerschulische Veranstaltungen zu Umwelt- und Naturthemen, so dass zu jeder Jahreszeit etwa mit Vereinen Veranstaltungsreihen durchgeführt werden können.

Ein Problem: Der Einsatz digitaler, technischer Lernmittel wie etwa Whiteboards ist mitunter, wegen möglicher Freiluft-Beschädigung etwa durch Regen oder Vandalismus kaum möglich.

So oder so: Der Magistrat signalisiert Umsetzungsbereitschaft, Kommunalpolitiker anderer Fraktionen wie etwa der Grünen regen die konzeptionelle Mitarbeiter von freien Trägern, speziell den BSJ an.

Von Björn Wisker

14.06.2021