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Marburg Organspende rettet Leben
Marburg Organspende rettet Leben
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20:21 13.05.2022
Konrad Keßler (links), Klaus Zinnecker und Monika Bäcker sind startklar. Sie machen am 2. Juli bei der Radtour für Organspende auf die Bedeutung von Organtransplantationen aufmerksam.
Konrad Keßler (links), Klaus Zinnecker und Monika Bäcker sind startklar. Sie machen am 2. Juli bei der Radtour für Organspende auf die Bedeutung von Organtransplantationen aufmerksam. Quelle: Ina Tannert
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Marburg

Ein neues Organ zu erhalten, ist für schwer kranke Menschen ein Start in ein zweites Leben, ein Grund, zwei Mal im Jahr Geburtstag zu feiern. Um auf die Bedeutung des Themas aufmerksam zu machen, findet am 2. Juli wieder die Radtour für Organspende statt. Im Vorfeld macht der Vorstand des Fördervereins Organspende Marburg auf eine drastische Entwicklung aufmerksam – die Transplantationszahlen sind in diesem Jahr massiv eingebrochen.

Das zeigt die aktuelle Bilanz der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO): Demnach gingen die Zahlen im ersten Quartal 2022 plötzlich um 29 Prozent gegenüber des Vorjahreszeitraums zurück. Die Anzahl der Organspender ist damit bundesweit in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres auf 176 gesunken (im Vergleichszeitraum 2021 waren es 249).

Gleichzeitig ging die Anzahl der in Deutschland postmortal entnommenen Organe um 28 Prozent auf 562 Organe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück. In deutschen Transplantationszentren konnten 600 Organe an Patienten übertragen werden – ein Rückgang um 194 Transplantationen oder 24 Prozent. Eine dramatische Entwicklung für rund 8.500 Patienten auf den Wartelisten.

Pandemie beeinflusst Organspendezahlen

Ein Grund für die Abwärtsentwicklung sieht die DSO in der Corona-Pandemie. Die Zahl der Fälle, bei denen der Organspendeprozess wegen einer Infektion abgebrochen wurde, habe sich nahezu verdoppelt. Hinzu kommt die Arbeitsüberlastung in den Kliniken: Es bestehe „eine hohe Wahrscheinlichkeit“, dass hierdurch weniger Organspenden realisiert werden konnten. Zudem sei insgesamt die Ablehnung gegenüber einer Organspende um 11 Prozent gestiegen.

Der Vorstand des Fördervereins Organspende Marburg sieht diese Entwicklung mit großer Besorgnis. Dabei gab es bereits vor der Pandemie klaffende Lücken, „die Zahlen sinken schon länger, in Deutschland ist das einfach schwierig, in anderen Ländern ist es anders“, bedauert Klaus Zinnecker.

Umso wichtiger sei es, auf die Situation aufmerksam zu machen, und dazu dient die Radtour für Organspende, die zum siebten Mal stattfindet. Am 2. Juli radeln die Teilnehmer von Marburg aus über Wehrda bis nach Kirchhain und informieren an mehreren Stationen zum Thema. In jedem Jahr nehmen zwischen 40 und 100 Radler teil. Die Teilnehmer zeigen nicht nur, dass auch Transplantierte sportlich unterwegs sein können, ihnen ist es wichtig aufzuklären, über Dialyse, Organspende und Transplantation. Sie werben für den Organspendeausweis, der denkbar einfach zu erhalten und auszufüllen ist.

Die Rückseite eines Organspendeausweises: Dort kann genau ausgewählt werden, ob und welche Organe im Todesfall gespendet werden sollen. Quelle: Ina Tannert

Man kann per Kreuz bestimmen, ob man im Todesfall Organe generell spenden will oder eine Ausnahme für gewisse Organe bestimmen möchte. Oder man kann sich auf dem Ausweis klar gegen eine Entnahme von Organen oder Gewebe aussprechen. Auch darauf weist der Vorstand bewusst hin. Denn ihnen liege daran, dass sich jeder mit dem Thema auseinandersetzt, dieses auch in der eigenen Familie bespricht: „Es ist wichtig, dass die Menschen zu einer Entscheidungsfindung in Bezug auf die Organspende kommen und dies durch das Ausfüllen des Organspendeausweises bekunden“, sagt Monika Bäcker.

Dabei seien 70 bis 80 Prozent der Deutschen für eine Organspende, jedoch hätten nur rund 20 Prozent einen Organspendeausweis. Und der kann Leben retten, „gerade für junge Leute ist eine Organtransplantation eine echte Perspektive, für ein neues Leben und mehr Lebensqualität“, betont Konrad Keßler.

Die Anmeldefrist für die Tour läuft bis zum 10. Juni: Anmeldungen bei Klaus Zinnecker unter 06423/963990 oder an klaus.zinnecker@web.de.

Ein Organspendeausweis kann auch online ausgefüllt und ausgedruckt werden, weitere Informationen unter www.organspende-info.de. Weitere Informationen unter www.organspendetag.de

Radtour für Organspende

Die knapp 30 Kilometer lange Tour findet am 2. Juli statt und beginnt am PHV-Dialysezentrum in Cappel (Schubertstraße 8), wo sich die Teilnehmer um 10 Uhr versammeln und auf der Fahrt verschiedene Stationen ansteuern.

11 Uhr: Start der Tour, unter anderem über Marburger Straße, Cappeler Straße, Schwanallee, Barfüßertor

12 Uhr: Station Marburger Marktplatz. Weiterfahrt über Barfüßerstraße, Am Plan, Biegenstraße, Bahnhofstraße, Afföllerwiesen

13 Uhr: Begro in Wehrda. Weiterfahrt über Radweg im Wehrdaer Feld bis Cölbe, Alsfelder Straße, Niederrheinische Straße

15 Uhr: Kirchhain/Dialysepraxis Dr. Küllmer/Trebst: Abschlussveranstaltung

Rückfahrt möglich im Begleitfahrzeug der Tour (Anfrage bei Anmeldung), privat oder mit der Bahn.

Organspenden am UKGM

Organspenden: Am Marburger Standort des Universitätsklinikums Gießen und Marburg gab es im Jahr 2021 insgesamt sieben Organspender. Folgende 19 Organe wurden postmortal entnommen und anschließend bundesweit sowie im Ausland transplantiert: Herz: 3; Lunge: 2; Niere: 8; Leber: 6.

Transplantationen: Am UKGM Marburg werden ausschließlich Nieren und Pankreas transplantiert: Im vergangenen Jahr wurden 20 Nieren entnommen, vier davon als Lebendspende. Bei den Pankreastransplantationen lag die Fallzahl unter 4.

Von Ina Tannert