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Marburg Neuer „Regionalbischof“ will sich in den interreligiösen Dialog einbringen
Marburg Neuer „Regionalbischof“ will sich in den interreligiösen Dialog einbringen
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20:47 19.11.2021
Bischöfin Dr. Beate Hofmann (links), Pröbstin Katrin Wienold-Hocke und Pfarrer Achim Ludwig führen Dr. Volker Mantey in sein Amt ein.
Bischöfin Dr. Beate Hofmann (links), Pröbstin Katrin Wienold-Hocke und Pfarrer Achim Ludwig führen Dr. Volker Mantey in sein Amt ein. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Dr. Volker Mantey ist neuer Propst des Sprengels Marburg. Er übernimmt damit den Posten von Helmut Wöllenstein, der zwölf Jahre als Propst aktiv war (die OP berichtete). In seiner Predigt zur offiziellen Einführung in das Amt am Freitag, die er gemeinsam mit sechs Schülern hielt, ging es um das Thema „Was trage ich zu dieser Welt bei“.

„Die Schülerinnen und Schüler haben sich Gedanken zu Corona und zu den Folgen für die Gesellschaft gemacht“, erklärt der Propst. Bischöfin Dr. Beate Hofmann ging in ihrer Ansprache darauf ein, wozu es einen Propst brauche. „Ein Propst ist das große Ohr, das zuhört, hinhört und auch der große Mund, der erklärt, vermittelt, moderiert.“

Austausch mit den Religionen

Vor der offiziellen Einführung sprach die OP mit dem neuen Propst in seiner Dienstwohnung am Ortenberg. Der gebürtige Flensburger bringt für das Amt als Propst viel Erfahrung mit.

Er war 17 Jahre als Pfarrer in Spangenberg im Schwalm-Eder-Kreis tätig. In seiner Kindheit hatte er auch viel mit der Kirche zu tun. „Ich komme aus einer kirchlichen Familie“, erzählt Mantey, dessen Eltern immer in der Gemeinde aktiv waren. „Meine erste Gemeindeerfahrung war in den 80er-Jahren“, erinnert er sich. Es hätten so viele Menschen im Ort in die Kirche gewollt, doch „die Kirche war zu klein“, sagt er.

Später „war ich in der Jugendarbeit aktiv und das hat mich dazu bewogen, Theologie zu studieren“. Bei seiner Arbeit wolle er „komplexe theologische Themen in einfache Sprache übersetzen“, erklärt Mantey. Er versuche „möglichst Fremdwort-frei zu sprechen“.

Im Juni dieses Jahres wurde der 49-Jährige vom Rat der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck in das neue Amt berufen. „Ich fand die Aufgaben interessant. Dazu gehört die Seelsorge für rund 250 Pfarrerinnen und Pfarrer“, die im Sprengel Marburg, der im Gebiet der Landkreise Marburg-Biedenkopf, Schwalm-Eder und Waldeck-Frankenberg liegt, tätig sind.

Man könne das Amt als Propst auch mit dem eines „Regionalbischofs“ vergleichen. Zudem „bin ich Teil der Kirchenleitung“ und er nehme eine Mittlerfunktion zwischen Leitungsspitze und kirchlicher Basis ein. „Wir reden und diskutieren viel. Das, was in der Kirche wichtig ist, muss auch oben ankommen“, meint der Propst. Die Gemeinwesenarbeit finde Mantey spannend. „Wir haben zum Beispiel ein Fachwerkhaus restauriert. Das war eine Truppe, die was bewegen möchte. Da ist viel Energie drin“, erinnert er sich an seine Arbeit als Pfarrer zurück. Während der Pandemie habe man zudem auf verschiedene Formen des Gottesdienstes gesetzt und sei an unterschiedlichen Orten und Uhrzeiten zusammengekommen. Dabei sei eine Frage immer wichtig: „Wie kriegen wir das, was wir von Jesus Christus haben, so transportiert, dass die Menschen etwas davon haben“, erklärt Mantey.

Auch in Marburg möchte der Propst mit anpacken. „Es gibt unglaublich viele Glaubensgemeinschaften“ und es sei spannend zu sehen, wer was macht. Mantey möchte die Ökumene und das Interreligiöse weiter vorantreiben. „Die erste Wahrnehmung ist, dass es ein gutes Netzwerk und kurze Drähte zueinander gibt. Marburg ist beispielhaft für das ökumenische und interreligiöse Gespräch. Ich möchte mich darin engagieren“, sagt er.

Auch wenn ihm und seiner Familie der Weggang aus Spangenberg und von den dortigen Freunden sicherlich nicht leicht fiel, „erleichtern mir die Marburgerinnen und Marburger das mit dem Heimweh. Sie sind nett und aufgeschlossen“, sagt Mantey. In seiner Freizeit „hat das meiste mit der Natur zu tun“, erzählt der zweifache Familienvater. Er wandere gerne und sei häufig im Gemüsegarten. Zudem höre er gerne klassische Musik und singe in der Kantorei.

Von Lucas Heinisch

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