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Marburg Preisträger, "Zaunkönig" und Ehemann
Marburg Preisträger, "Zaunkönig" und Ehemann
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17:00 15.12.2019
Dr. Kornelia Grundmann stellte die Stadtschrift über Emil von Behring im Rathaus vor. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Er ging als „Retter der Kinder“ in die Medizingeschichte ein. Für seine bahnbrechende Entdeckung des Diphtherie-­Heilserums wurde Emil von Behring zudem im Jahr 1901 mit dem ersten Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet. Bei seiner Dankesrede in Stockholm ging es ihm gesundheitlich nicht besonders gut, wie Dr. Kornelia Grundmann bei der Präsentation der von ihr verfassten Stadtschrift über Behring erläuterte.

Doch für einen außenstehenden Beobachter stach Behring im Reigen der Preisträger vor allem durch seine elegante Erscheinung hervor. Den mit der Verleihung verbundenen Nobelpreis-Scheck mit einer Summe, die damals einem Wert von einer Million Euro entsprach, schickte Behring übrigens per Telegramm an seine Schwiegermutter in Berlin.

Die Medizinhistorikerin Dr. Kornelia Grundmann widmete­ sich aber in ihrem jetzt als Marburger Stadtschrift erschienenen Buch vor allem Behrings Marburger Zeit. Der Forscher war nach seiner Berufung als Professor an die Marburger Universität aufgrund des Einsatzes von Friedrich Althoff aus dem preußischen Kultusministerium kurz vor der Jahrhundertwende in die Stadt gekommen.

Zwar war der Mediziner bereits über 40, doch neben seiner wissenschaftlichen Karriere war die Marburger Zeit für ihn auch aus privater Sicht entscheidend. Denn nach seiner Heirat mit ­Else Spinola, der Tochter des Verwaltungsdirektors der weltberühmten Klinik Charité in Berlin, wurden in Marburg Behrings sechs Söhne geboren.

"König von Capri"

Mit Auszügen aus Briefwechseln Behrings gelang es Grundmann, auch den Privatmann plastisch werden zu lassen. So berichtete seine 15 Jahre jüngere Schwester Emma, die ihm vor seiner Heirat den Haushalt führte, von der schlechten Laune des Wissenschaftlers, die dieser auch oft an ihr ausgelassen habe. „Es ist empörend, was der Alte sich alles herausnimmt“, schrieb sie.

Eine ganz andere Seite hingegen zeigte der frisch verliebte­ Behring in den Briefen an seine Ehefrau. Auch wenn es nach den Worten Grundmanns wohl eine arrangierte Ehe gewesen sei, seien die Brautbriefe von tiefer Zuneigung und großem Respekt getragen gewesen, machte Grundmann deutlich.

Vor allem an ein imposantes Gartenfest in dem Wohnhaus Behrings, der heutigen Behring-Villa an der Ketzerbach, erinnerte sich eine ehemalige Hausangestellte im Jahr 1954. Sie ­hatte das Ehepaar Behring auch kurz vor dem Ersten Weltkrieg in ihr Feriendomizil auf der italienischen Insel Capri begleitet, wo er wohl aufgrund seines eindrucksvollen Auftretens als „König von Capri“ bezeichnet worden sei.

Einen ganz anderen Spitznamen gaben ihm die Marburger aufgrund seines Auftretens als Großgrundbesitzer in der Stadt und der damit verbundenen Angewohnheit, seine frisch erworbenen Grundstücke einzuzäunen.
Sogar ein Spottgedicht mit dem Titel „Zaunkönig“ wurde­ dazu anlässlich des 30. Stiftungsfestes des Ärztlichen Vereins dazu veröffentlicht.     

von Manfred Hitzeroth