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Marburg „Wir brauchen neue Spielregeln“
Marburg „Wir brauchen neue Spielregeln“
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20:13 23.09.2020
Dr. Andreas Ritzenhoff im OP-Gespräch. Quelle: Andreas Schmidt
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Marburg

Am Mittwochabend, 23. September, wird sich nicht nur Dr. Stefan Heck dem Votum der heimischen CDU stellen, um als Kandidat für den Bundestag nominiert zu werden: Auch der Unternehmer Dr. Andreas Ritzenhoff, geschäftsführender Inhaber der Firma Seidel, stellt sich zur Wahl. Dass der CDU-Stadtverband Marburg bereits eine Empfehlung für Heck ausgesprochen hat lasse sich nicht ändern. „Aber ich kämpfe für meine Überzeugung. Denn es steht für Deutschland viel auf dem Spiel“, sagt Ritzenhoff im Gespräch mit der OP. Sein Credo: Im Bundestag müsse eine Mischung herrschen aus Berufspolitikern – und „Praktikern mit einer Hands-on-Mentalität“, wie er einer sei.

Was treibt den Unternehmer in die Politik? Rückblick: 2014 eröffnete Ritzenhoff in Fronhausen eine hochmoderne Fabrik für LED-Leuchtmittel. „Bis auf die Platine, die wir importieren mussten, waren die Leuchten made in Germany“, sagt Ritzenhoff. Hoch automatisiert lief die Fabrik, mit einem geringen Personalkostenaufwand – und somit absolut konkurrenzfähig, um auch auf dem internationalen Markt zu bestehen. Und zwar so konkurrenzfähig, dass die Möbelhauskette IKEA die Carus-LED-Lampen verkaufte. Es folgten zahlreiche Auszeichnungen.

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Chinesischer Staat subventioniert seine Firmen massiv

Doch 2017 dann der Schock: Der Großkunde sprang ab, weil es ein günstigeres Angebot gab – aus China. Die Fronhäuser Lampenfabrik war – trotz effizientester Ressourcennutzung – nicht mehr wirtschaftlich genug. „Wie kann es sein, dass die Chinesen komplette Leuchtmittel zu einem Preis anbieten können, der unter dem Materialwert liegt?“, fragt der Marburger Unternehmer – und sagt: „Das geht nur dadurch, dass die Unternehmen massiv vom Staat subventioniert werden.“ Schon vorher war Andreas Ritzenhoff klar, dass China „mit Macht in die Märkte drängt“ – zu sehen beispielsweise am Thema Photovoltaik. „In dieser Branche haben wir bereits zehntausende Arbeitsplätze und jede Menge Know-how verloren. Wir haben uns diese Zukunftstechnologie aus der Hand nehmen lassen.“ Dass es auch ihn mit seinen LED-Lampen trifft, das hätte er nicht vermutet. Doch als es so kam, setzte er sich intensiver mit dem „aggressiven Markteindringen Chinas“ auseinander – und war entsetzt.

Ritzenhoff beschloss zu handeln. Jahrelange intensive Gespräche in Berlin und Brüssel liefen ins Leere. Um das Thema öffentlich zu machen, beschloss er, sich für den CDU-Vorsitz zu bewerben. Das Medieninteresse war zwar groß, doch letztlich kam es nicht zur Kandidatur. Entmutigen ließ sich Ritzenhoff dadurch nicht, „denn es steht zu viel auf dem Spiel“. Auch, wenn er noch keine lange Parteikarriere hinter sich hat, ist für ihn klar: „Es sollte doch wichtig sein, welche inhaltlichen Akzente ich setze, was ich zu sagen habe – und nicht, wie lange ich schon ein Parteibuch besitze. Dafür habe ich in der Region für Arbeitsplätze gesorgt und nicht, wie viele andere, im Osten.“ Gänzlich politikfern ist seine Mitarbeit in verschiedenen Gremien nicht: Ritzenhoff ist unter anderem Mitglied der Atlantikbrücke, arbeitet in Unternehmerverbänden oder engagiert sich bei „Global Bridges“. Als Unternehmer sei er zudem „täglich von den Auswirkungen der Politik betroffen“.

Bedrohung für Freiheit und Wohlstand

Was Ritzenhoff umtreibt ist „der Fakt, dass eine ausländische Macht namens China – und das ist nicht die einzige –, die Freiheit in unserem Land in einer Weise nutzt, die einfach schädlich ist“. Und das nicht nur für ein einzelnes Unternehmen. „Das stellt für die gesamte Gesellschaft eine Herausforderung dar – und ist auch ein Vertragsbruch mit den Verträgen der Welthandelsorganisation von 2001“, sagt der 63-Jährige. Ja, man könne und müsse natürlich weiterhin mit China Handel treiben. „Aber wir brauchen neue Spielregeln. Denn sonst sind unsere Freiheit und unser Wohlstand bedroht.“

Für den Unternehmer ist es beispielsweise „unverantwortlich, dass wir Teile unserer Telekommunikationsnetze verkaufen. Kritische Infrastruktur muss weiterhin in unserer Hand bleiben“. Ein weiteres Beispiel sei der Chinesische Telekommunikations-Konzern Huawei, auf dessen Hardware auch in der Bundesrepublik beim Ausbau des 5G-Netzes gesetzt werde: „Wir holen uns damit potenziell den Spion ins Unternehmen“, befürchtet Andreas Ritzenhoff. Auch dort müsste die Regierung eingreifen – mit dem Setzen auf die Hardware von Huawei „wird damit weiterhin das unfaire Subventionsverhalten der chinesischen ­Regierung gestützt“.

Immobilien-Preise trotz Corona auf Rekord-Niveau

Fakt sei auch, dass sich „trotz der Corona-Krise die Immobilien-Preise weiterhin auf einem Rekordniveau bewegen – weil ausländische Investoren in Deutschland auf Einkaufstour gehen. Das führt dazu, dass sich Familien keinen Wohnraum mehr leisten können“, sagt Ritzenhoff. Auch dort müsse die Politik gegensteuern. Ebenso wichtig sei es, „dass wir wieder selbst Antibiotika und blutdrucksenkende Mittel herstellen, um der Abhängigkeit von China zu entkommen“.

Der Umweltschutz treibt ihn ebenfalls um – nicht umsonst versucht er, die energieintensive Produktion seiner Werke immer effizienter zu machen, wofür es auch schon Auszeichnungen gab. „Doch viele Kleinigkeiten, in die wir uns in Deutschland gerne verlieren, sind leider nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, weiß er. Und nimmt als Beispiel die Landwirtschaft: „Die Landwirte verlieren Ackerland, weil sie etwa Blühstreifen anlegen müssen. Wir aber importieren Fleisch und Billig-Soja aus Brasilien und sorgen so dafür, dass der brasilianische Regenwald, die grüne Lunge unseres Planeten, weiter abgeholzt wird. Das sind die falschen Akzente.“ Vielmehr müsse mit einer internationalen Allianz dafür gesorgt werden, dass das Abholzen aufhört. Aus diesem Grund ist Ritzenhoff auch ein Freund der „vereinigten Staaten von Europa“ – mit einer echten Solidargemeinschaft ebenso, wie beispielsweise einer gemeinsamen Armee. Denn die Vielstaaterei innerhalb der EU mit all ihren Partikularinteressen führe dazu, dass man sich nicht den großen Themen widme.

„Diese müssen wir aber endlich angehen. Der Staat muss dafür sorgen, dass unser Land, das ich sehr liebe, lebenswert und sicher bleibt. Dafür möchte ich mich einsetzen“, sagt Ritzenhoff. Und hofft heute Abend auf die Stimmen der heimischen Unionsmitglieder.

Von Andreas Schmidt

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