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Marburg Dagobertshäuser klagen über Lärmbelästigung
Marburg Dagobertshäuser klagen über Lärmbelästigung
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00:18 23.06.2018
Gregor Meyle und Band traten im Mai 2016 im Hofgut Dagobertshausen auf. Am 12. Juli ist der Singersongwriter dort erneut zu Gast. Dagobertshäuser Bürger bangen um ihre Nachtruhe. Archivfoto: Miriam Prüßner
Gregor Meyle und Band traten im Mai 2016 im Hofgut Dagobertshausen auf. Am 12. Juli ist der Singersongwriter dort erneut zu Gast. Dagobertshäuser Bürger bangen um ihre Nachtruhe. Quelle: Miriam Prüßner
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Dagobertshausen

Viele Besucher der Ortsbeiratssitzung im Hofgut waren überrascht, dass insgesamt etwa 45 Bürger des Dorfes anwesend waren – in einem Ort mit 400 Einwohnern eine ungewohnt hohe Zahl. Dies wurde jedoch als Zeichen gewertet, dass dieses Thema vielen Bewohnern besonders am Herzen läge, wie aus Kommentaren der Anwesenden deutlich wurde.

Den Anstoß zu dieser Veranstaltung hatte eine E-Mail einiger Dagobertshausener Bürger gegeben, die an den Ortsbeirat geschrieben wurde.

Darin hatten diese sich beschwert, dass es vom Hofgut und der nebenan liegenden Reitsportanlage immer wieder bei Veranstaltungen zu erheblichen Lärmbelästigungen käme. Teils seien sie an Feiertagen schon um 7.30 Uhr morgens von Gongtönen bei Turnieren auf der Reitsportanlage geweckt worden, und bei Veranstaltungen im Hofgut und der Kulturscheune würde bis tief in die Nacht hinein, manchmal 
bis 1 Uhr, laute Musik gespielt.

Hitzige Debatte dauerte zwei Stunden

Bei der Ortsbeiratssitzung waren neben den Bürgern, die das Schreiben verfasst hatten, auch der Geschäftsführer des Hofguts, Michael Hamann, und Martin Kaufmann als Vertreter der Eigentümer des Hofguts und der Reitanlage zugegen.

Nachdem zuerst die Sicht der Bürger und dann die der Verantwortlichen dargestellt worden war, begann eine Debatte, die sich hitzig über zwei Stunden hinzog. Die Bürger befürchteten, dass die Veranstaltungen im Hofgut in Zukunft noch größer und damit belästigender für die Anwohner würden.

Als Beispiel wurde unter anderem ein Open-Air-Konzert mit Gregor Meyle am 12. Juli­ genannt. Dadurch, dass dieses unter freiem Himmel stattfindet, würde die Lärmbelästigung noch höher. Hierzu versuchte Hamann einzuwenden, dass Meyle ein Singersongwriter sei und „keine Remmi-Demmi-Band wie die Toten Hosen“.

Seine Worte zeigten jedoch bei den Bürgern wenig Wirkung, da die Sorge um die Ruhe im Ort tief sitzt. Neben Großveranstaltungen wie dem Konzert und dem Erdbeerfest, das am vergangenen Sonntag stattfand, gebe es inzwischen zunehmend mehr kleinere Veranstaltungen wie Hochzeitsfeiern im Hofgut, die vor allem für die direkten Anwohner des Hofguts eine ständige Störung der nächtlichen Ruhe bedeuten.

Betreiber räumen Fehler ein

Die Verantwortlichen räumten ihrerseits ein, dass Fehler begangen worden seien. Die „Beschallung“, wie es in der E-Mail hieß, während des Reitturniers am 1. Mai sei unverhältnismäßig gewesen und würde so nicht mehr vorkommen. Auch, dass bei privaten Feiern im Hofgut oder der Kulturscheune bis spät in die Nacht bei offenen Fenstern Musik gespielt würde, sei inakzeptabel.

Die Bürger wurden mehrfach dazu angehalten, in solchen Fällen sich vor Ort zu beschweren oder das Ordnungsamt zu rufen, das jetzt für solche Fälle bis 1 Uhr nachts unter der Telefonnummer 0 64  21 / 20 10 erreichbar ist. Aber, so die Rückmeldung der Bürger, wenn sich die Fälle häufen und zu oft Beschwerde eingelegt werden müsste, „resigniert man auch irgendwann“.

Lautsprecheranlage bereits überarbeitet

Ein Beschluss wurde während der Sitzung nicht gefasst. Die Verantwortlichen der Lokalitäten gelobten Besserung und riefen die Bewohner von Dagobertshausen auf, nicht zu resignieren, sondern ihr Recht auf Ruhe einzufordern. Die Lautsprecheranlage am Reitplatz sei schon überarbeitet worden, und auch während Feiern solle in Zukunft vermehrt darauf geachtet werden, dass die Lautstärke in einem angemessenen Rahmen gehalten wird.

Wirklich zufrieden zeigten sich die Dagobertshäuser mit dem Versammlungsergebnis nicht, jedoch mussten sie letztlich einsehen, dass es kaum rechtliche Möglichkeiten gibt, die Lage zu verändern. Somit blieb ihnen nur das Versprechen der Betreiber, aus den Beschwerden zu lernen und zukünftig in Kommunikation mit den Bürgern des Dorfes zu bleiben.

von Victoria Hauck