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Marburg Diskutieren Sie mit!
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17:06 28.05.2021
Auf der Plattform „Marburg spricht“ können sich Interessierte registrieren.
Auf der Plattform „Marburg spricht“ können sich Interessierte registrieren. Quelle: Foto: Birgit Heimrich
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Marburg

Das vom Nachrichtenportal ZEIT ONLINE entwickelte Dialogformat „Deutschland spricht“ findet erstmals in einer Kommune statt – und zwar in Marburg. Seit Ende Mai können sich interessierte Marburgerinnen und Marburger auf der Plattform www.marburgspricht.de registrieren. Die Stadt Marburg und die Oberhessische Presse laden in Kooperation mit ZEIT ONLINE zu „Marburg spricht“ ein.

Grundüberlegung: Die Menschen bewegen sich in Filterblasen. Ob im Berufsleben, am Arbeitsplatz oder im Freundeskreis – die meisten lassen sich nur auf Gespräche und Menschen ein, die eine sehr ähnliche Meinung vertreten wie sie selbst. Denn Menschen tendieren dazu, sich ein Umfeld zu schaffen, in dem sie ihre Meinungen und Werte bestätigt sehen. Das führt häufig dazu, dass sie über andersdenkende Menschen sprechen – und nicht mit ihnen. Das kann Vorurteile bekräftigen und zwischenmenschliche Ausgrenzung fördern.

Die Stadt Marburg möchte genau dagegen etwas unternehmen. Sie will Stereotype und Vorurteile abbauen, Gemeinsamkeiten identifizieren und einen Dialog zwischen Menschen mit unterschiedlichen Standpunkten fördern. „Gegenseitiger Respekt und vorurteilsfreies Zuhören sind Leitplanken der politischen Meinungsfindung. Als erste deutsche Stadt setzt die Universitätsstadt Marburg daher zusammen mit ZEIT ONLINE / My Country Talks und der Oberhessischen Presse das Dialogformat „Deutschland spricht“ auf kommunaler Ebene um. 

Aber wie funktioniert „Marburg spricht“? „Im Grunde handelt es sich dabei um eine politische Partnerschaftsbörse, die Menschen, die politisch unterschiedlich denken, für Gespräche zusammenbringt“, sagt Dr. Griet Newiger-Addy, Leitern des Fachdienstes Bürgerinnenbeteiligung der Stadtverwaltung. Bei dieser besonderen Dating-App „Marburg spricht“ beantworten Interessierte online acht Fragen zu kontroversen Themen mit „Ja“ oder „Nein“, wie beispielsweise: „Werden Autofahrende in Marburg zu sehr benachteiligt?“ oder „Sollten für mehr preiswerten Wohnraum Enteignungen ermöglicht werden?“

Vermittlung zum "Blind Date"

Ein Algorithmus bildet anschließend Paare aus jeweils zwei Teilnehmenden, die die Fragen möglichst unterschiedlich beantwortet hatten. „Marburg spricht“ bietet damit eine Gelegenheit, mit einer Person aus Marburg ins Gespräch zu kommen, mit der man unter normalen Umständen aus unterschiedlichen Gründen wahrscheinlich nicht sprechen würde. Um im Bild zu bleiben, die Personen werden zu einem Blind Date vermittelt. Interessierte können sich auf www.marburgspricht.de registrieren und Fragen beantworten. Dann werden die Gesprächspaare durch die Software miteinander in Kontakt gebracht. Geplant ist, dass sich die Teilnehmenden virtuell oder analog am Sonntag, 4. Juli, ab 16 Uhr, zum Dialog treffen – im Erwin-Piscator-Haus, im Park, in Videokonferenzen, per Smartphone oder an einem anderen Ort. Den Dialogen vorgeschaltet ist eine per Livestream übertragene Auftaktveranstaltung ab 15 Uhr, die von Poetry-Slam-Meister Lars Ruppel moderiert wird. Das Projekt wird von der Universitätsstadt Marburg als Teil ihres Handlungskonzepts „Für Dialog und Vielfalt – Gegen Rassismus, Ausgrenzung und Demokratiefeindlichkeit“ umgesetzt. Kooperationspartner sind ZEIT ONLINE / My Country Talks und die Oberhessische Presse. Die Oberhessische Presse wird von ausgewählten Gesprächen berichten. 

Unterstützt wird das Projekt von der Philipps-Universität Marburg, dem Allgemeinen Student*innenausschuss, der Freiwilligenagentur Marburg-Biedenkopf und der Islamischen Gemeinde.

Von Till Conrad

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