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Marburg Das „Gesicht der Marburger CDU“
Marburg Das „Gesicht der Marburger CDU“
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11:58 03.02.2021
Dirk Bamberger (CDU) will Oberbürgermeister in Marburg werden.
Dirk Bamberger (CDU) will Oberbürgermeister in Marburg werden. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

„Doch, doch, es gibt einen Wahlkampf“, bekräftigt Dirk Bamberger und winkt einem Passanten zu, der am Wahl-Laden der Marburger CDU am Pilgrimstein vorbeiläuft und durchs Fenster den Oberbürgermeisterkandidaten gegrüßt hat. Außer solchen zufälligen, kontaktlosen Begegnungen läuft alles ein wenig anders in diesem Jahr, doch zumindest der digitale Wahlkampf brummt – Corona hin, Corona her – bei Bamberger. Und das scheint ihm richtig Spaß zu machen.

Zweimal täglich gibt’s Livestreams: Um „10 vor 9“ liest der Christdemokrat bei einer Tasse Kaffee Zeitung, plaudert über seine Familie, aktuelle Themen wie den Marburger Klimaaktionsplan oder den Amtsantritt Joe Bidens. Seinen Nachmittags-Stream von 15 bis 15.20 Uhr nennt Bamberger einen „Kessel Buntes“. Ab und zu muss da die Kamera schnell noch um 90 Grad gedreht werden, damit der Kandidat nicht in Schieflage zu seinen Followern spricht.

Das Gesicht der Marburger CDU

Die kleinen technischen Tücken scheinen ihm seine Zuschauerinnen und Zuschauer offenbar nicht krummzunehmen, schon beim ersten Livestream sei eine vierstellige Zahl von Nutzern zu verzeichnen gewesen. „Ich hatte gedacht, dass ich es eher mit sehr kritischen Usern zu tun habe – das Gegenteil ist der Fall, bis jetzt gibt es nur Lob und Zustimmung“, erzählt jener Dirk Bamberger, der bereits 2015 gegen den jetzigen Amtsinhaber Dr. Thomas Spies ins Rennen gegangen war und sich damals dem Sozialdemokraten erst in der Stichwahl geschlagen geben musste. Dieses Ergebnis verbucht der heute 48-Jährige jedoch nicht als Niederlage, die ihm beim zweiten Anlauf schaden könnte: „Die Marburger CDU hat aus dem damaligen Ergebnis Schwung für die Kommunalwahl mitgenommen.“ Seit 2019 bewegt sich Bamberger auf dem politischen Parkett des Hessischen Landtags, doch die Erfahrungen, die er dort bisher hat sammeln können, sind nicht das einzige Pfund, mit dem der Abgeordnete im OB-Wahlkampf wuchern will: „Ich mache daraus keinen Hehl, stelle es aber auch nicht in den Vordergrund.“

Vielmehr sei er das „Gesicht der Marburger CDU“, die Signale der Partei, er solle erneut antreten, seien eindeutig gewesen. Realistisch will Bamberger seine Chancen beim Urnengang am 14. März einschätzen, möglichst nicht hinter sein Abschneiden im Jahr 2015 zurückfallen. Für den Fall einer neuerlichen Niederlage sieht er seine Zukunft weiter in der Landespolitik, und Bamberger ist davon überzeugt, auch in der nächsten Legislaturperiode sein Mandat verteidigen zu können.

In Wiesbaden scheint es dem Christdemokraten so gut zu gefallen, dass er eine Rückkehr in seinen „von der Pike auf erlernten“ Bankberuf zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht als Option auf dem Zettel stehen hat: „Die Frage stellt sich derzeit nicht.“ Dabei begann Dirk Bambergers politische Karriere im Vergleich zu vielen seiner Wiesbadener Fraktionskollegen eher spät. Als die sich bereits in der Schüler- oder Jungen Union profilierten, war der Marburger in der Hauptsache Feuerwehrmann mit Leib und Seele. „Mir hat damals Dietrich Möller imponiert“, erzählt Bamberger und erinnert sich, wie der damalige CDU-Oberbürgermeister die Brandschützer der Ketzerbach ab und an besuchte, ihnen ein Bier ausgab und sich mit ihnen unterhielt: „Da begann ich, mich für Politik zu interessieren – ich weiß gar nicht, ob ich das Möller je erzählt habe.“

Konservativ, aber unkonventionell

Jeans, bunte Socken, dazu das dunkelblaue Plenarsaal-Sakko mit Einstecktuch, und ein Gesicht, das in fast jeder Situation exakt so aussieht wie auf Wahlplakaten und Flyern – der Kandidat Dirk Bamberger verkörpert äußerlich, was programmatisch in ihm steckt: in Teilen konservativ, an anderer Stelle gepflegt unkonventionell. Und es fällt ihm schwer, sich im gesamten ideologischen Spektrum seiner eigenen Partei exakt einzuordnen: „Im politisch linken Lager, also außerhalb der CDU, werde ich als konservativ wahrgenommen. Ich sehe mich selbst allerdings in der Mitte meiner Partei und bei sozialpolitischen Themen stehe ich eher beim linken Flügel der CDU.“

Doch es scheint Dirk Bamberger auch gar nicht wichtig zu sein, wohin man ihn steckt, wenn er „Bodenständigkeit“ als Alleinstellungsmerkmal in der Riege der OB-Kandidatinnen und -Kandidaten nennt. Und er sagt auch Sätze wie „da kommt der Spießbürger Bamberger durch“, wenn er über die Lebens- und Aufenthaltsqualität in der Oberstadt redet: „Das sind beispielsweise die Blumenkästen an den Fenstern. Wir müssen was für die Attraktivität unserer Innenstadt tun.“

Von Carsten Beckmann