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Marburg Digitalunterricht: Fünftklässler lernen mit Tablets
Marburg Digitalunterricht: Fünftklässler lernen mit Tablets
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16:55 19.02.2020
Statt Frontalunterricht können Fünftklässler der Richtsberg-Gesamtschule mit Videos und Barcodes eigenständig lernen. Die Schule nennt den Lernort „Perlenkette“.  Quelle: Laura Katenhusen
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Marburg

Keine Klassen, kein Unterricht. Stattdessen gibt es seit Sommer 2019 spezielle Lernräume, in denen Schüler der Gesamtschule am Richtsberg zu gewissen Uhrzeiten mit einem iPad lernen können. Dabei haben sie die Möglichkeit, sich Themen ihrer Wahl zu einer selbstbestimmten Unterrichtszeit eigenständig durch das technische Hilfsmittel näher zu bringen.

„Perlenwerk“ wird der aus zwei Räumen bestehende Lernort benannt, in dem sich 130 Kinder der 5. Klasse durch Videos oder Barcodes spielerisch an den Lernstoff herantasten.

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Die Lernkontrolle erfolgt dabei einmal in der Woche durch ein sogenanntes „Coachinggespräch“ mit einer Lehrperson, die kontrolliert, ob der Lerninhalt effektiv und sinnvoll erarbeitet wurde. Dabei wird gesondert auf Stärken und Schwächen eines Schülers eingegangen. Um den Kindern die Angst vor Klausuren zu nehmen, werden sie nicht mehr benotet, sondern bekommen die Leistungsergebnisse in Prozentzahlen.

Das Projekt wird die nächsten drei Jahre andauern und somit auch die Klassenstufen fünf bis acht betreffen.

„Die Kinder sind auf einem anderem Wissensstand als beim Frontalunterricht. Durch die eigenständige Wahl des Lerntempos spielt der Aspekt der Individualität eine wichtige Rolle“, erläutert Diana Kokesch, Lehrerin an der Gesamtschule.
Anlässlich eines Kongresses über die Digitalisierung an der Schule am Richtsberg sprach der Literaturwissenschaftler Professor Frank Thissen vergangen Donnerstag in einem Vortrag über die Komfortzone des standardisierten Lernens.
Thissen sieht es nur als eine Frage der Zeit, bis die Schulen als Teil der Gesellschaft das digitale Lernen in das Bildungssystem integrieren: „Technologien haben uns verändert, haben was mit uns gemacht und uns beeinflusst.“

Engagement der Schüler hat massiv zugenommen

In seinem Vortrag spricht der Professor der Hochschule für Medien in Stuttgart die Vorteile der Nutzung von neuen technischen Inventionen in Bildungsstätten an. Durch die Einführung des digitalisierten Lernens wird unter anderem die Kreativität der Schüler gesteigert, sie erlernen Problemlösungskompetenzen und Verantwortungsübernahme, ergreifen Eigeninitiative und lernen das Konzept des selbstständigen Lernens kennen. Der Computer oder das iPad dient dabei als Denkwerkzeug.

Noch wichtiger als das Herantasten an digitale Medien seien die pädagogischen Konzepte. „Die Schüler nehmen die Lehrer ganz anders wahr und haben bessere Beziehung zueinander“, meint Wiebke Struckmeier und verweist auf die pädagogische Unterstützung der Lehrkräfte.

Durch das Einführen der neuen Konzepte hat das Engagement der Schüler an der Gesamtschule massiv zugenommen. Frank Thissen sieht die Schule als Lernorganisation, die sich an die wachsende Komplexität der Welt anpassen muss. Das digitale Lernen bietet die Möglichkeit der Vernetzung und des Zugriffs auf Informationen und stellt eine Bereicherung für Bildungsstätten dar.

von Laura Katenhusen

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