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Marburg Digitalisierung des Alltags im Forscher-Fokus
Marburg Digitalisierung des Alltags im Forscher-Fokus
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20:58 12.06.2021
Ein Staubsauger-Roboter bei der Arbeit.
Ein Staubsauger-Roboter bei der Arbeit. Quelle: Manfred Hitzeroth
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Marburg

Intelligente Zahnbürsten schlagen Alarm, wenn wir nicht korrekt die Zähne putzen. Staubsaugerroboter saugen für uns, während wir im Büro sind. Bestimmen die digitalen Helfer über kurz oder lang uneingeschränkt den Alltag der Menschen? Steht die Diktatur der Maschinen kurz bevor, oder kommt die Vielzahl der technologischen Hilfsmittel doch vor allem dem Wohl der Menschen zugute? In diesem Spannungsfeld ist ein Forschungsvorhaben angesiedelt, an dem auch der Marburger Theologe Professor Marcel Saß beteiligt ist.

Dabei geht es vor allem darum, dass die Digitalisierung in alle Lebensbereiche vordringt und Menschen immer früher den kompetenten und souveränen Umgang mit digitaler Technik erlernen. Im Forschungsprojekt sind nicht nur technische Fragen relevant – auch ethische, rechtliche und soziale Aspekte sollten mitgedacht werden.

Eine Erleichterung für den Alltag

Auch wenn die intelligenten maschinellen Helfer vordergründig erst einmal unseren Alltag erleichtern, könnten sie auch ungeahnte Veränderungen mit sich bringen. So gibt es nach Darstellung von Saß bereits Segensroboter, die Menschen segnen, oder Pflegeroboter, die Aufgaben der Pflege übernehmen könnten. „Wir geben viele Informationen über uns, Aufgaben und Strategien zur Lösungsfindung aus der Hand – und es gibt kaum noch Lebensbereiche, die von der Digitalisierung unberührt bleiben“, meint der Marburger Wissenschaftler.

So könnten beispielsweise die intelligenten Zahnbürsten Informationen über das Zahnpflegeverhalten der Kunden an die Herstellerfirmen übermitteln. Und in Bezug auf Staubsauger-Roboter sei auch die Zukunftsvision denkbar, dass diese verbunden mit einem Tool wie „Alexa“ aufgrund ihrer Expertise selbstständig Pflegeprodukte bestellen, mit denen man im Haushalt besonders staubigen Ecken zu Leibe rücken könnte.

Wenig erforscht

In digitalisierten Lebenswelten sei damit zu rechnen, dass sich die Möglichkeit des Einzelnen zu souveränem Verhalten verändern werde, meint der Forscher. Wie souverän im Umgang mit der Digitalisierung sind eigentlich die „Digital Natives“ – also diejenigen, die mit Apps, Smartphone und Co. aufgewachsen sind? Dieser Frage will Saß zusammen mit einer für das Forschungsprojekt eingestellten Mitarbeiterin auf den Grund gehen.

Anhand von Gruppen-Diskussionen mit Gesamtschülern wird unter anderem erfragt, wie diese untereinander über die moderne Digital-Technologie reden. Denn im Gegensatz zu der Einstellung der „Silver Surfer“ zur Digitalisierung ist der Umgang der jüngeren Generation damit vergleichsweise wenig erforscht.

Eine Leitfrage für die Forschung

Verändert die Digitalisierung unser Menschenbild? Das ist die Leitfrage für das Forschungsvorhaben, an dem Marcel Saß zusammen mit Forschern aus acht anderen Hochschulen und Instituten beteiligt ist. Er interessiert sich als Vertreter des Fachs Praktische Theologie an der Schnittstelle zur religiösen Bildung weniger für eine moralische Bewertung als vielmehr dafür, welche Folgen neu entstehende Mensch-Technik-Interaktionen für das Menschenbild haben könnten. „Es gilt, diese sowohl aus Sicht von Individuen als auch in struktureller Technik-Perspektive zu rekonstruieren“, sagt Saß.

Geplant sind auch disziplin- und hochschulübergreifende, experimentelle Lehrveranstaltungen an der Uni Marburg. Die Philipps-Universität ist mit dem Teilprojekt „Souveränität in digitalisierten Lebenswelten“ beteiligt, das der Fachbereich Theologie gemeinsam mit dem Fachbereich Wirtschaft der Fachhochschule Bielefeld in den kommenden drei Jahren umsetzen will. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Gesamtprojekt „Integrierte Forschung“ im Rahmen der Hightech-Strategie mit 2,7 Millionen Euro, davon gehen knapp 160.000 Euro nach Marburg.

Von Manfred Hitzeroth

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