Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Digitalisierung: 540 Euro pro Schüler
Marburg Digitalisierung: 540 Euro pro Schüler
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:06 08.10.2019
Schüler einer 5. Klasse nutzen iPads im Englischunterricht. In Hessen fließt nun Geld in die technische Ausstattung, die pädagogische Unterstützung, die Qualifizierung von Lehrern und den Ausbau der Medienkompetenz der Schüler. Quelle: Julian Stratenschulte
Marburg

Von den insgesamt 500 Millionen Euro, die in Hessen zur Verfügung stehen, fließen 15,5 Millionen Euro in Schulen in Marburg-Biedenkopf – genauer gesagt: 9,4 Millionen in Schule im Landkreis und 6,1 Millionen Euro in Schulen in der Stadt Marburg. „Für jede Schülerin und jeden Schüler im Landkreis stehen (…) damit 540 Euro zur Verfügung – von den Grundschulen über die weiterführenden Schulen bis hin zu den Pflege- und Berufsschulen“, betonte der aus Biedenkopf stammenden Finanzminister Dr. Thomas Schäfer, der das Programm „Digitale Schule Hessen“ gemeinsam mit Ministerpräsident Volker Bouffier vorgestellt hatte, und später Zahlen für seinen Heimatkreis präsentierte.

Geplant ist, dass alle Schulen profitieren – und dass erste Förderzusagen für die Verbesserung der IT-Infrastruktur an Schulen auf den Weg gebracht werden. „Jetzt geht es darum, den Schulen so zügig wie möglich die Mittel aus dem Förderprogramm zur Verfügung zu stellen. Entscheidend ist deshalb, dass Schulen und Schulträger bald ihre Anträge einreichen und klarmachen, wo Schwerpunkte gelegt werden sollen“, hebt Landtagsabgeordneter Dirk Bamberger (CDU) hervor und ergänzt: „Wir investieren kräftig in eine topmoderne und hochqualifizierte Ausbildung unserer Kinder, damit sie sich in einer von intelligenten Technologien durchdrungenen Gesellschaft erfolgreich entwickeln können.“

„Insbesondere berufliche Bildung ist in hohem Maß von der Digitalisierung und deren Rückwirkung auf Arbeits-, Produk­tions- und Geschäftsabläufe betroffen. Deshalb ist es ein Unterrichtsziel, die Kompetenz bei der Nutzung digitaler Arbeitsmittel und -techniken auszubauen“, erläutert Schäfer und begründet, warum in Hessen zusätzlich zu den Mitteln des Bundes Geld fließt: „Wir machen das aus der tiefen Überzeugung, dass das Geld in die Digitalisierung der Schulen und damit in unsere Zukunft gut investiert ist.“ In diesem Zusammenhang erinnert er daran, dass das Land schon bei den Kommunalinvestitionsprogrammen „KIP“ und „KIP macht Schule!“ eigene Mittel beigesteuert habe. Schüler müssten schließlich „fit für die digitale Welt sein“.

Vier Säulen benennt Bamberger bei der Umsetzung des „Digitalpaktes“: technische Ausstattung, pädagogische Unterstützung, Qualifizierungsoffensive bei den Lehrkräften und Ausbau der Medienkompetenz beziehungsweise des Jugendmedienschutzes. „Wir ergreifen die Chancen der Digitalisierung, ohne auf Bücher und bewährte Lernmethoden zu verzichten, hatte Bouffier bei der Vorstellung des Programms gesagt, während Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz erklärte: „Jetzt verleihen wir der Entwicklung an den Schulen zusätzlichen Schwung, denn die Digitalisierung soll zur bestmöglichen individuellen Förderung aller Schülerinnen und Schüler beitragen.“ Es gehe darum, mit neuen Lernformen und digitalen Methoden den Unterricht zu bereichern, ihn aber nicht zu bestimmen.

Und so ist geplant, die Fortbildungsangebote Lehrer „massiv“ zu verstärken und Schulen bei der Erstellung und Weiterentwicklung von Medienbildungskonzepten zu beraten.

Außerdem wird ein „Schulportal geschaffen – eine sichere Lernplattform im Internet. Vor allem müssen Schüler aber auch lernen, besser mit den neuen Medien umzugehen, damit sie mögliche Hürden oder Gefahren medialer Inhalte schnell erkennen. Dafür strebt das Land weitere Kooperationen an und will ein Konzept zur Ausbildung „digitaler Schülerlotsen“ beziehungsweise „Medienscouts“ entwickeln. Um die technischen Voraussetzungen zu verbessern, will das Land mehr Schulen mit einem Glasfaser-Anschluss versorgen. Für knapp 1 500 Schulen ist dies schon projektiert, beantragt oder umgesetzt. 22,7 Millionen Euro sind dafür vorgesehen, sagt Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus.

von Florian Lerchbacher