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Marburg Digitale Tafeln sind noch nicht in Sicht
Marburg Digitale Tafeln sind noch nicht in Sicht
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15:00 15.11.2020
Mathelehrer Andreas Turek unterrichtet trotz Ferien an der MLS.
Mathelehrer Andreas Turek unterrichtet trotz Ferien an der MLS. Quelle: Katja Peters
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Marburg

Ebenso wenig erfreut wie die Vertreter des Schulelternbeirates ist Michael Pichl über den Zielhorizont, den die Martin-Luther-Schule (MLS) für die Ausstattung aus dem Digitalpakt des Landes genannt bekam. „Es wird länger dauern“, kommentiert der stellvertretende Schulleiter Pichl die Aussichten mit Bedauern. Bis zum Jahr 2024, also praktisch dem Auslaufen des Ausstattungsprogramms, könne es dauern, bevor die rund 1 000 Schüler in jedem Klassenraum von solchen modernen Projektionsmedien wie Beamer oder großflächigen digitalen Tafeln für den Präsenzunterricht oder Webcams für den Distanzunterricht profitieren können.

Dabei wähnte sich die MLS gut im digitalen Rennen, in das man vor zehn Jahren anfangs noch zu zweit einstieg, war gar Pilotschule für den Aufbau eines Netzwerkes. Während das kabelgebundene Netzwerk bereits steht, wird das WLAN seit Jahren erweitert. Nach und nach sollte das Nutzen der digitalen Möglichkeiten nicht nur an der MLS erweitert werden, doch dann kam das Coronavirus, welches im Schulwesen wie ein Brandbeschleuniger wirkt.

Es fehlt an Geld und Ausstattung

Plötzlich wollen eine Vielzahl von Schulen den Präsenzunterricht ersetzen, zum Beispiel durch Videoübertragung ins Elternhaus. Doch dazu fehlt es an Geld für die Ausstattung und auch an Personal wie IT-Fachkräften, die die Infrastruktur betreuen. Erschwerend kommt für eine Schule wie die MLS hinzu, dass die Wünsche der Größe der Schule entsprechen. Zudem kommen auch die Anbieter derzeit mit dem Angebot nicht nach. Verwaltbare Tablets zum Beispiel, bei denen die Software zentral aufgespielt und gepflegt werden kann, sind auf ein halbes Jahr ausverkauft, musste Pichl erfahren.

Hocherfreut ist der stellvertretende Schulleiter deshalb, dass der Elternverein zehn Webcams zur Verfügung stellt und auch die Lehrkräfte Ideen für den Distanzunterricht entwickeln. Deshalb wäre, da der „große Schub“ noch einige Zeit auf sich warten lässt, „ein erster Schritt ganz nett“, meint Pichl. Zum Beispiel durch die Ertüchtigung der Ausstattung, denn ein Glasfaserkabel liegt schon, doch fehlt immer noch die dadurch mögliche Bandbreite. Die wäre wichtig, damit im Zusammenspiel mit einem „flotten WLAN ganze Klassen zusammenarbeiten können“.

Rund 800 Schüler nutzen digitale Möglichkeiten

Die Affinität der Schüler ist vorhanden, es scheitert auch nicht an der Ausstattung mit Endgeräten. Während des Lockdowns hätten nur rund drei Prozent der Schüler ab Mai von der Stadt ein Gerät zur Verfügung gestellt bekommen. Ursache waren in fast allen Fällen Kapazitätsengpässe für die Nutzung in den Familien. Mit der ersten Welle stieg auch die Anmeldezahl an der Lernplattform Moodle. Rund 800 der 1 000 MLS-Schüler nutzen mittlerweile diese digitale Lern- und Informationsmöglichkeit, können Stundenpläne einsehen oder Aufgaben bis hin zu Testsituationen absolvieren.

von Gianfranco Fain