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Marburg So geht digitaler Unterricht
Marburg So geht digitaler Unterricht
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19:59 22.03.2022
Noor und Marlon bauen im „DigitalTruck“ einen kleinen Roboter zusammen, der dann per Tablet gesteuert werden kann.
Noor und Marlon bauen im „DigitalTruck“ einen kleinen Roboter zusammen, der dann per Tablet gesteuert werden kann. Quelle: Ina Tannert
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Mardorf

Er piept, er muht, miaut, er leuchtet und dreht sogar den Kopf – einen richtigen kleinen Roboter haben Maria und Leander ganz alleine zusammengebaut und zum Laufen gebracht. Die Viertklässler platzen fast vor Stolz und Begeisterung über diese ganz besondere Klassenstunde. „Das ist so cool, unser eigener Roboter“, freut sich Maria, während sie weiter auf dem Tablet herumtippt, um dem kleinen Gerät alle möglichen Tierstimmen zu entlocken.

Stifte, Hefte aus Papier oder eine Tafel gibt es hier nicht, stattdessen wird am Bildschirm, am Ersatzteil-Kasten oder eben Laptop gelernt und erforscht, was die Technik hergibt. Wir sind beim Roboter-Workshop im „DigitalTruck“ des Landes Hessen, eine Art kleine mobile Digitalschule, die seit Montag Station an der St. Martin Grundschule in Mardorf macht.

Positive Resonanz

Und das ist etwas ganz Besonderes für die Schülerinnen und Schüler der vierten Klassen. So viel Technik hatten sie auch noch nicht an der Schule zur Verfügung, erzählen die Schüler begeistert, die sich zwischen Roboter-Tüftelei, kreativem Malen oder digitalem Schreiben austoben. Hinter Spaß und Spiel steht der pädagogische Teil des Projekts, das Neugierde und Lust auf moderne Unterrichtsformen machen soll. Es geht um Medienkompetenz und die Vorbereitung auf die Technologien der Zukunft.

Schließlich ist die Digitalisierung und moderne Technik längst im Alltag angekommen, auch in dem von Kindern, die immer früher mit technischem Gerät in Kontakt kommen. Das muss man erst einmal verstehen und richtig nutzen lernen. Zeit also, dass das Thema verstärkt auch in die Klassenzimmer einzieht. Und das gilt heute schon für die Grundschule, gerade wenn der Übergang zur weiterführenden Schule ansteht.

Vernetzte Medien und digitale Möglichkeiten sind auch bereits Teil des Schulkonzepts der St. Martin Schule, „es ist ein wichtiger Baustein, bisher waren die Grundschulen digital ja noch nicht so gut aufgestellt“, sagt Schulleiterin Elisabeth Schäfer. Das aber soll sich ändern, die Schulen wollen Schritt halten, „wir entwickeln uns weiter – die Digitalisierung wird auch in die Grundschulen einziehen“.

Die Kinder machen es längst vor, begreifen auf Anhieb, was die Medienpädagogen rund um Nick Könekamp ihnen kurz im „DigitalTruck“ erklären, wie der Roboter aufgebaut wird, wo die Kontakte angebracht werden müssen und wo sie was auf dem Tablet finden. Eine kurze Einführung reicht und schon wird ausprobiert, bis es an jedem der Tische piept, bellt und gackert, jede programmierte Funktion wird direkt ausprobiert.

Die Technik folgt der Pädagogik

Das Angebot der Landesregierung tourt derzeit durch alle hessischen Schulamtsbezirke und macht in dieser Woche in Mardorf und in der kommenden in Marburg Station. Mehrere Grundschulen aus dem Landkreis nutzen die beiden mobilen Technik-Klassenzimmer, die unter anderem mit Robotern und KI-Tools ausgestattet sind. Die Schüler können an verschiedenen Workshops teilnehmen, für die Lehrkräfte gibt es Fortbildungsveranstaltungen und Einblicke in digitale Chancen für den Unterricht.

Hals über Kopf kann der Grundschulalltag aber auch nicht einfach auf digital umgestellt werden, das brauche Zeit und müsse fachlich ausgearbeitet sein – „wir hetzen keinem Trend hinterher, die Technik folgt der Pädagogik und nicht umgekehrt“, betont der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow bei einem Rundgang mit Vertretern von Schulen, Kommunen und des Landtags.

Als Schulträger könne der Kreis die Technik und schnelles Internet bereitstellen, die Schulen dann auf dieser Grundlage aufbauen. Am Ende stehe „der digitale Alltag“, der nach und nach auch in den Schulen zur Selbstverständlichkeit werden wird.

Von Ina Tannert