Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Digital-Branche erholt sich vom Corona-Schock
Marburg Digital-Branche erholt sich vom Corona-Schock
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:00 17.01.2021
Die Digitalbranche wächst – auch wegen des erhöhten Absatzes von Tablets.
Die Digitalbranche wächst – auch wegen des erhöhten Absatzes von Tablets. Quelle: Foto: Uli Deck/dpa
Anzeige
Berlin

Nein, um den digitalen Ausbau ist es in Deutschland immer noch nicht bestens bestellt. Da passt es ins Bild, dass Achim Berg, Präsident des Branchenverbands Bitkom, während einer Online-Pressekonferenz zur Bilanz der Branche gleich mehrfach mit starken Video-Aussetzern zu kämpfen hatte. Er nahm’s gelassen: „Vielleicht unterhalten wir uns ja nachher noch über den Breitband-Ausbau“, scherzte er.

Auch, wenn es auf der „Daten-Autobahn“ mitunter noch Staus gibt, hatte Berg dennoch Grund zur Zuversicht. Denn die Digital-Branche ist bisher besser durch die Corona-Krise gekommen, als andere Wirtschaftssektoren. So schrumpfte der Umsatz mit Produkten und Dienstleitungen der ITK-Unternehmen vergangenes Jahr um lediglich 0,6 Prozent auf knapp 170 Milliarden Euro, während andere Branchen teilweise zweistellige Verluste zu beklagen hatten. Für das laufende Jahr rechnet Berg mit einem „robusten Wachstum“ in Höhe von 2,7 Prozent. Dafür gebe es jedoch eine grundlegende Voraussetzung: „Die Digitalwirtschaft ist auch darauf angewiesen, dass die gesamtwirtschaftliche Entwicklung keinen zu großen Schaden nimmt“ – das sei in die Zahlen eingerechnet.

Die Zahl der Arbeitsplätze in diesem Segment werde 2021 um 20 000 steigen, derzeit seien etwa 1,2 Millionen Menschen in der Branche beschäftigt.

Berg verdeutlichte jedoch, dass die Branche immens unter Fachkräftemangel leide: „Selbst im Krisenjahr 2020 blieben 86 000 Jobs vakant.“ Das bremse auch die Digitalisierung aus und behindere im globalen Wettbewerb. Ein Grund dafür sei auch, dass Informatik kein Pflichtfach in den Schulen sei.

Achim Berg war dennoch positiv gestimmt: „Die Corona-Krise hat die Digitalisierung in vielen Bereichen beschleunigt. Wirtschaft, Staat und Verbraucher investieren in digitale Technologien, auch zwischenzeitlich aufgeschobene Investitionen werden jetzt nachgeholt.“ Vor einem Dreivierteljahr habe die Branche mit deutlich schlechteren Zahlen gerechnet.

Als größten Umsatztreiber sieht Bitkom die IT-Hardware – etwa, weil viele Firmen ihre technische Infrastruktur für das Thema Homeoffice aufrüsten müssen. Der Umsatz mit Computern, Servern und Peripheriegeräten soll stark um 8,6 Prozent auf 31,6 Milliarden Euro steigen. Eine gesteigerte Nachfrage gebe es auch beispielsweise durch Schulen. Und natürlich auch durch Eltern, die für das Thema Homeschooling Geräte anschafften: So ist der Tablet-Markt vergangenes Jahr um 15 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro gewachsen, der für Notebooks um 33 Prozent auf 6,3 Milliarden Euro. Der Bitkom-Präsident erwartet ein Wachstum der Tablet-Umsätze auf Vorjahresniveau, der Notebook-Markt soll demnach um 10 Prozent wachsen.

Und: Im Bereich Hardware müsste eigentlich noch mehr gehen. Denn der Bitkom-Präsident versteht nicht, warum aus dem Digitalpakt Schulen, der mit 6,5 Milliarden Euro ausgestattet sei, nicht mehr Mittel abgerufen würden. „Ich höre da Zahlen zwischen 100 und 200 Millionen Euro, die abgerufen worden sind. Selbst, wenn wir das verdoppeln, ist es nicht akzeptabel, dass wir uns da selbst im Weg stehen.“ Notwendig sei es offenbar, wenn man sich anschaue, vor welchen Problemen Schulen jetzt wieder stünden. Zuwächse erwartet der Bitkom-Präsident auch im Software-Markt, der um 4,1 Prozent auf 27,0 Milliarden Euro zulegen soll – „stärker als der Branchendurchschnitt“, so Berg. Gut im Geschäft sind auch IT-Berater: Der Umsatz mit IT-Services soll 2021 um 1,1 Prozent auf 40,0 Milliarden Euro wachsen.

Bei der Telekommunikation treiben vor allem der Glasfaser-Ausbau und die Einführung von 5G das Geschäft voran. Ein harter Wettbewerb in diesem Bereich verhindert dabei aber sehr große Umsatzsprünge. So soll das Segment 2021 nach zwei Jahren der Konsolidierung um 1,0 Prozent auf 67,4 Milliarden Euro zulegen. „Die Netzbetreiber investieren massiv in die Zukunft von Festnetz und Mobilfunk“, sagte Berg. Dies sei ein wichtiger Beitrag, um den kontinuierlich steigenden Anforderungen an Geschwindigkeit und Verfügbarkeit der Netze gerecht zu werden. Die Refinanzierung bleibe angesichts nur geringer Umsatzzuwächse aufgrund des hohen Wettbewerbsdrucks eine große Herausforderung für die Unternehmen.

Unterhaltungs-Segment schrumpft seit Jahren

Das einzige Segment, das 2021 wohl schrumpfen wird, ist die Unterhaltungselektronik. „Das ist nicht neu, das geht seit Jahren so – aber das Minus von zwei Prozent fällt etwas moderater aus als in den Vorjahren“, so Berg. Damit liege der Umsatz im kleinsten ITK-Teilmarkt bei 8,3 Milliarden Euro. Gerade bei Fernsehgeräten mache sich bemerkbar, dass es keine großen Sportereignisse wie Fußball-EM oder Olympische Spiele gegeben habe – „das sind sonst Wachstumstreiber“. Und: „Die Corona-Sonderkonjunktur für Spielekonsolen, Wearables und Headsets kann den Abwärtstrend nicht aufhalten. Die gute Nachricht ist: Die Rückgänge verlangsamen sich“, so Berg.

Von Andreas Schmidt

17.01.2021
Marburg Corona-Schutzimpfung - So funktioniert die Impfung
17.01.2021
17.01.2021