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Marburg Die neue Lust am Wandern
Marburg Die neue Lust am Wandern
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13:00 30.04.2022
Kinder lesen während einer Wanderung in einem Buch. Wandern ist schon lange keine Seniorensport mehr. Immer mehr junge Menschen entdecken die Natur zu Fuß.
Kinder lesen während einer Wanderung in einem Buch. Wandern ist schon lange keine Seniorensport mehr. Immer mehr junge Menschen entdecken die Natur zu Fuß. Quelle: djd/Touristikverband Siegerland-Wittgenstein/Michael Bahr
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Marburg

Nein, schmeichelhaft war das Image vom Wandern lange nicht wirklich. Besonders bei jungen Menschen. Wandern wurde bespöttelt als langweilig, als Seniorensport. Geschadet hat es nicht, gewandert wird trotzdem. Überall in Deutschland. An der Küste, in den Bergen, an Flüssen, in Wäldern. Gern auch mal in der wunderschönen grünen Hügellandschaft rund um Marburg.

Wichtige Tipps

Bevor es in die Natur geht, gibt es einige Dinge, die Wanderer beachten sollten, um den Trip später nicht zu bereuen. So überschätzt so mancher etwa schon mal sein Leistungsvermögen, entsprechend sollten Anfänger nicht gleich zu lange Touren wählen. „In unserer Region sind sechs bis acht Kilometer für jeden mit Grundfitness nicht besonders anstrengend“, sagt Rosemarie Langefeld, Vorsitzende des Oberhessischen Gebirgsvereins (OHGV). Auch wer mit Kindern loszieht, sollte nicht zu weite Wege gehen, dafür lieber mehr Pausen einlegen. Und: „Es ist sinnvoll, Strecken zu gehen, bei denen man zum Beispiel an einem Tierpark, Wildgehege oder Spielplatz vorbeikommt“, rät Langefeld, denn: „Kinder laufen nicht gerne von A nach B.“ Auch das Wetter sollten Wanderer im Blick behalten. Gerade im Hochgebirge kann dies schnell umschlagen. Entsprechend ist Wechselkleidung bei längeren Wanderungen ratsam. Wer seinen Hund auf die Wanderung mitnimmt, sollte sicherstellen, dass der Vierbeiner unterwegs trinken kann – etwa durch mitgeführtes Leitungswasser. 

Dass mit dem angestaubten Image hat sich übrigens erledigt. Wandern liegt voll im Trend. Auch immer mehr junge Leute zieht es in die Natur. Ein Grund für den Hype ist die Corona-Pandemie, raus aus der Stadt, endlich wieder durchatmen, die Natur spüren, den Alltagsstress vergessen. Allein, mit Freunden, mit der Familie. Wie auch immer. Fakt ist: Jährlich schnüren mittlerweile weit mehr als 30 Millionen Deutsche die Wanderstiefel, mehr als sieben Millionen sogar regelmäßig. Damit ist das Wandern beliebter als Radfahren, eine echte Massenbewegung.

Wandern ist gesund

Nicht nur für Geist und Seele, sondern auch für den Körper ist Wandern gut. „Je nach Ausgestaltung bietet das Wandern zum einen die Möglichkeit der Entspannung und Stressbewältigung und zum anderen des nachhaltigen Trainings mit Erlebnischarakter“, sagt Professor Dr. Ralph Beneke, Leiter der Abteilung Medizin, Training und Gesundheit am Institut für Sportwissenschaft und Motologie der Philipps-Universität Marburg. Laut dem Sportmediziner entspanne es, „in die Weite zu gucken“. Die Bewegung an der frischen Luft führe zudem dazu, dass die Abwehrkräfte des Körpers gestärkt werden. Dass der Körper im Freien mehr Licht ausgesetzt ist, wirke sich „hervorragend“ auf den Vitamin-D-Haushalt und die Psyche aus. „Zudem ist die Belastung beim Wandern super dosierbar. Eigentlich handelt es sich dabei um eine unterschwellige Belastung, beim Bergwandern etwa absolviert man aber ein richtiges Konditionsprogramm“, sagt der Sportwissenschaftler.

Warum das so ist, ist einfach erklärt. Wandern ist nicht nur die natürlichste und umweltfreundlichste Art der Bewegung, es verbindet Erholung und Sport so gut wie kaum eine andere sportliche Aktivität. Es hält den Körper fit und ist auch gut für die Seele. Beim Wandern werden viele unterschiedliche Muskelgruppen gleichzeitig trainiert, zudem das Herz-Kreislauf-System gestärkt. Wandern beugt Übergewicht und Diabetes vor, reguliert außerdem den Blutdruck. Und Wandern macht gute Laune. Nebenwirkungen? Risiken? Die gibt es bei diesem Outdoor-Sport kaum, sieht man mal von einem kleinen Muskelkater nach einer langen Wanderung ab. Wer bislang noch nicht auf den Geschmack gekommen ist, der Mai ist der perfekte Monat zum Wandern. Genau der richtige Zeitpunkt für eine Frühlingswanderung. Glücksgefühle garantiert.

Was man beim Wandern dabeihaben sollte

Eine kleine Notfalltasche mit Heft- und Blasenpflastern und einer Mullbinde gehört genauso in einen Wanderrucksack wie ein Regenschutz und ein Handy. Um sich vor äußeren Einflüssen zu schützen, rät Rosemarie Langefeld zudem, gerade an wärmeren Tagen Sonnencreme sowie Zecken- und Mückenspray einzupacken.
Eine Wanderung ohne Proviant – fast undenkbar: Je nach Länge der Tour und der Temperatur sollte man mindestens einen halben Liter Wasser pro Person mitnehmen, auch leichte Snacks wie Obst oder Müsli zur Stärkung sind ratsam. Hinsichtlich der Ausstattung ist ein Wanderschuh erste Wahl, gerade wenn es ins bergige Terrain geht. „Man sollte darauf achten, dass er nicht zu schwer ist und eine gute Sohle hat“, rät Langefeld. Ihr Tipp: Den Schuh zunächst zu Hause einlaufen, denn: „Wenn der Fuß sich noch nicht an den Schuh gewöhnt hat, ist eine Blase vorprogrammiert.“
Als Kleidungsstücke empfiehlt die OHGV-Vorsitzende spezielle Wanderhosen aus dem Fachhandel, seien diese doch luftdurchlässiger und leichter, zudem trockneten sie schneller. Auch eine Kopfbedeckung sollte man dabeihaben, um sich vor Sonnenstrahlen zu schützen.

Von Alfred Hermsdörfer und Marcello Di Cicco