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Marburg Die marodesten Straßen in Marburg
Marburg Die marodesten Straßen in Marburg
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13:59 09.06.2020
Auch in der Straße Am Grün müssen Straßenschäden repariert werden. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Mit der Abschaffung der Straßenbeiträge verbunden ist die Erstellung einer Prioritätenliste, welche Straßen in Marburg wie marode sind und in welcher Reihenfolge sie dann repariert werden sollen. Die OP hat den Ist-Stand abgefragt – und so soll es nach Angaben der Stadtverwaltung planmäßig weitergehen.

Ockershäuser Allee, Frankfurter Straße, Am Grün: Für eine flächendeckende Erfassung des städtischen Straßenraumes wurden in den vergangenen Wochen Fotos gemacht – Spezialfahrzeuge mit aufmontierten Kameras fuhren deshalb durch die Stadt. Im Lauf dieses Monats sollen dann alle Bilder vorliegen, um eine Zustandsbewertung vornehmen zu können.

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Aus den dann bis Ende dieses Jahres vorliegenden Ergebnissen, der Einteilung von Zustands-Klassen werde dann die Prioritätenliste erstellt. Der Fachdienst Tiefbau ging zuletzt davon aus, dass diese Liste im Frühjahr 2021 fertig ist.

Die wichtigsten Faktoren für die Aufnahme einer Straße in die Prioritätenliste sind demnach der Zustand sowie die Bedeutung der Straße für den Verkehr. Sprich: Ist es eine Hauptverkehrs- oder Dorfstraße, rollen viele Fahrzeuge oder wenige über den Asphalt?

Auch Radwege im Blick

Die Vorauswahl durch Bilder würden dahingehend von Vor-Ort-Erkundungen ergänzt, um auch das Wie und Wann einer Sanierung festzulegen. Welche Straßen hat die Stadt bereits im Fokus? Antwort: Man gehe davon aus, dass alle Hauptverkehrsstraßen „immer einen Platz auf der Prioritätenliste haben werden“ – je nach Schädigungsgrat eben.

Im laufenden Jahr sind neben dem Großprojekt Gutenbergstraße vor allem Bauarbeiten entlang der Großseelheimer Straße und Frauenbergstraße – entlang derer auch Radwege geplant sind – vorgesehen.

„In der Gemoll“ in Ockershausen soll weitergearbeitet, auch das Barfüßertor, der Weg zur Oberstadt, soll repariert werden. Rund 1,25 Millionen Euro stehen in diesem Jahr laut Haushaltsplan für Straßenbauarbeiten zur Verfügung.

Sanierungsquote bleibt hinter Bedarf zurück

Die Universitätsstadt unterhält rund 285 Kilometer Straßen. Die Kosten für die Sanierung von einem Kilometer bewegen sich laut Bauamt zwischen 200.000 und einer Million Euro. Die grundhafte Erneuerung von einem Kilometer Straße innerorts liegen hingegen bei bis zu drei Millionen Euro plus Kosten für Leitungsbau.

Doch im Gegensatz zu anderen mittelhessischen Städten wie etwa Wetzlar, ist in Marburg die Straßenbeitragsgebührs-Abschaffung nicht mit Steuererhöhungen auf anderen Gebieten einhergegangen. Das heißt: Die kommunalen Einnahme-Ausfälle werden nicht etwa durch höhere Grund- oder Gewerbesteuern kompensiert. Einige Marburger fürchten daher, dass die ohnehin geringe Straßensanierungs-Quote in der Stadt noch weiter sinkt, also wegen Geldmangels faktisch weniger Straßen repariert werden.

Einige Großprojekte auf der Liste

Zwar investierte die öffentliche Hand in den vergangenen Jahren Millionenbeträge – größtes Projekt war der Umbau samt Sperrung des Bahnhofsvorplatzes – jedoch bleibt die Sanierungsquote selbst nach Einschätzung der Verwaltungsfachleute weit hinter dem eigentlichen Bedarf zurück.

Denn, um nach 50 Jahren die gesamte Asphaltdecke einmal ausgebessert zu haben, müsste die Stadt rechnerisch sechs Kilometer pro Jahr modernisieren – tatsächlich wird auch nach Stadtangaben aus der Vergangenheit nur ein Bruchteil repariert.

Laut der von 2017 bis 2022 geltenden kommunalen Investitionsliste würden eigentlich weitere Großprojekte anstehen – vor allem der Umbau des Wehrdaer Kaufpark-Knotenpunkts rund um die Tom-Mutters-Straße, für den es immer wieder Kreisverkehr-Ideen gibt, die aber ebenso oft verworfen wurden.

Reparaturen sollen laut des Plans auch an der Konrad-Adenauer-, Kurt-Schumacher- und Wolfgang-Abendroth-Brücke (Mensasteg) anstehen.

Von Björn Wisker

09.06.2020
09.06.2020