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Marburg Die letzten Zeugen sagen aus
Marburg Die letzten Zeugen sagen aus
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07:57 07.11.2019
Vor dem Landgericht Marburg geht am Donnerstag die Verhandlung gegen eine Kinderkrankenschwester weiter. Quelle: Thorsten Richter/Archiv
Marburg

Die Richter um den Vorsitzenden Dr. Frank Oehm untersuchten am Mittwoch ein wohl letztes Mal vor allem jene Nacht Anfang Februar 2016, in der Johanna – das am schwersten mit den Medikamenten Midazolam und Ketamin vergiftete Kind – mehrfach wiederbelebt werden musste.

Mehrere Krankenschwestern, Ex-Kolleginnen der Angeklagten sollten erklären, wie eine dritte,­ nach Vermutung der Verteidigung von einem Unbekannten verunreinigte Infusion namens Meronem am Uni-Klinikum hergestellt wird.

Einheitliche Aussage: Diese Antibiotika-Infusion, die bei Johanna von Ärzten verordnet wurde, muss kurz vor der Vergabe von der diensthabenden Krankenschwester hergestellt und Patienten gegeben worden sein.

Richter spricht von dramatischer Nacht

Nur in Ausnahmefällen werde das an eine Kollegin abgegeben, keinesfalls werde die Arznei Stunden vorher, etwa in einer früheren Schicht für spätere Verwendung vorbereitet. „Eben wegen der Verunreinigungsgefahr und gerade bei sensiblen Patienten wie Frühchen werden Antibiotika bei uns grundsätzlich nicht lange vor der Verabreichung aufgezogen“, sagte auch ein Kinderarzt, der Johanna in der Wiederbelebungsnacht behandelte.

Mit diesen Aussagen scheint die Theorie, dass die Infusion­ vor Elena W.s Dienstbeginn mit Ketamin – laut toxikologischer Einschätzung war es 
eine „massive Dosis“ – gemischt worden sein könnte, widerlegt. Es erhärtet sich die These, dass das Gift in Milchfläschchen war. Nach dem Fokus auf die auch von Richter Oehm als „dramatische Nacht“ bezeichnete Tatzeit, bahnt sich das Ende der Beweisaufnahme in der Hauptverhandlung an.

Fortsetzung am Donnerstag

In dem seit Jahresbeginn laufenden Prozess wird der Ex-Krankenschwester Elena W. von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, zwischen Dezember 2015 und Februar 2016 drei frühgeborene Mädchen mit Narkosemitteln vergiftet, verletzt, fast getötet zu haben. Das ohnehin kranke Frühchen Leni starb – laut medizinischem Gutachter aber nicht unmittelbar wegen der Vergiftung, sondern an der angeborenen Herzerkrankung.

  • Fortsetzung: Donnerstag, 7. November, um 9 Uhr in Saal 101.

von Björn Wisker

Rückblick auf die vergangenen Prozesstage

Hier können Sie die bisherigen Berichte zu den vergangenen Verhandlungstagen im Frühchen-Prozess lesen.

31. Januar 2019: So war der erste Prozesstag.

6. Februar 2019: Am zweiten Prozesstag erklärte ein Gutachter die Wirkung der Medikamente.

7. Februar 2019: Gutachter ringen mit Unklarheiten

9. Februar: Bedrohliche Dosis Narkosemittel in Blutproben der Frühchen

14. Februar: Das sagen die Eltern des toten Frühchens

20. Februar: Mia lag da "wie eine Puppe"

21. Februar: "Als wäre kein Leben in ihr drin“

28. Februar: Kind wirkte wie narkotisiert

1. März: Chefarzt sagt aus: Rätsel um Narkosemittel für Babys

4. März: Angeklagte bricht in Tränen aus

5. März: Pflegedienstleitung sagt aus: "Es hat immer ein bisschen geknirscht"

7. März: Leitende Ermittlerin sagt aus: "DNA der Angeklagten gefunden"

13. März: Erstmals kamen Aussagen der Angeklagten zur Sprache.

15. März: Kooperativ gegenüber Kripo

17. März: Elena W. reagierte mit Tränen auf Haar-Analyse

27. März: Verdacht erhärtet sich

28. März: Ärzte haben unterschiedliche Ansichten

28. März: Wurde Frühchen Leni falsch behandelt?

3. April: Arzt sieht kein Mobbing bei Elena W.

4. April: Krisenstab beschloss, Kripo zu rufen

10. April: Kinderärztin hält Kinderkardiologen für "absolut zuverlässig"

11. April: Medikamente werden von Schwestern bestellt

8. Mai: Aussagen des Ex-Freundes verwirren

10. Mai: Arzt schildert Reanimation

17. Mai: Kinderarzt sagt aus

18. Mai: „Sie verzettelt sich halt gerne“

20. Mai: Experte: Es gibt keine Erfahrungen

8. Juni: Kollegin beschreibt Elena W. als freundlich

12. Juni: Hat Klinikangestellte Zeugen beeinflusst?

18. Juni: Jungschwester hatte schweren Stand

7. Juli: Elena W. war „eine schwache Schülerin“

1. August: Zeugen: „Nett“ oder „hinterhältig“

2. August: DNA von Elena W. auf Dormicum-Verpackung

15. August: Toxikologe äußert sich zu Ketaminspuren

16. August: „Ein totales Chaos“

28. August: Leni galt als „Hochrisikofrühchen“

30. August: Gutachter sieht Symptome von Narkosemittel

5. September: Experte nennt Daten zu Gift-Dosis

6. September: LKA-Experte findet neue DNA-Spur

19. September: "Ohne ärztliches Eingreifen wäre sie gestorben"

25. September: "Frühchengutachter weist extreme Gift-Dosis nach"

25. Oktober: Urteil verzögert sich

31. Oktober: Mediziner erteilt Absage an eine Gift-Gemisch-Theorie