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Marburg Alte Aula erstrahlt im neuen Glanz
Marburg Alte Aula erstrahlt im neuen Glanz
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19:58 02.04.2021
Die Alte Aula wurde für insgesamt 100 000 Euro renoviert und erstrahlt jetzt in neuem Glanz.
Die Alte Aula wurde für insgesamt 100 000 Euro renoviert und erstrahlt jetzt in neuem Glanz. Quelle: Markus Farnung
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Marburg

Wo vor wenigen Wochen noch Gerüste standen, Staubtücher hingen und Plastikplanen die Sicht versperrten, strahlen nun restaurierte Wandmalereien und Gemälde sowie Parkett und Maßwerkfenster um die Wette. Im Auftrag des Uni-Präsidiums ist die Aula in der Alten Universität monatelang denkmalgetreu renoviert worden, die letzten Arbeiten wurden in diesen Tagen abgeschlossen. Das teilte jetzt die Marburger Uni-Pressestelle mit.

Erste Veranstaltungen sind fraglich

Den Anlass, die Renovierung in Angriff zu nehmen, bot die private Spende einer Marburger Familie. „Meine Frau und ich haben bei diversen Veranstaltungen in der Alten Aula immer wieder den schlechten Erhaltungszustand der Wandmalereien bemerkt. Insbesondere störte uns der große Wasserschaden, der sich über der Orgel direkt unterhalb der Decke befand“, erzählt der Marburger Zellbiologe Professor Roland Lill. „Irgendwann war dann die Idee geboren, dass wir in der Familie sammeln könnten, um etwas zur Restaurierung beizusteuern.“

Jetzt erstrahlt die gute Stube der Philipps-Universität zwar im neuen Glanz, doch wann dort wieder die erste Uni-Veranstaltung stattfinden kann, das steht wegen der Corona-Krise noch in den Sternen. „Wenn ich das wüsste …“, sagte auf die diesbezügliche Frage der OP die Marburger Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause.

Eine unzureichende Lüftungsanlage

Denn wie in den meisten historischen Räumen der Marburger Hochschule ist das größte Hindernis für eine Raumnutzung in Corona-Zeiten eine unzureichende Lüftungsanlage. „Und zudem können die Fenster der Alten Universität nicht geöffnet werden“, sagte die Marburger Uni-Präsidentin.

Deswegen sei das Thema „Veranstaltungen in der Alten Aula“ derzeit vor allem ein Sicherheits- und Hygienethema, sagte die Präsidentin. Frühestens wenn es universitätsweit wieder normale Präsenzveranstaltungen geben werde, könne es auch in dem 1891 eingeweihten Herzstück der Alten Universität wieder Veranstaltungen geben. Das bedeutet aber wohl auch, dass die für Ende dieses Sommersemesters angesetzte Präsidentschaftswahl nicht wie sonst üblich in der Alten Aula stattfinden wird.

Verlegung des Behring-Preises

Und auch die für den Herbst geplante Verleihung des Behring-Preises wurde vorsorglich schon einmal in den moderneren Saal der neuen Uni-Bibliothek verlegt.

Im Sommer vergangenen Jahres hatte die fränkische Restaurationswerkstatt George Hille mit der Arbeit in der Aula begonnen. Die wegen extremer Wetterverhältnisse vor mehr als zehn Jahren durch Nässe und Salz zum Teil stark beschädigten Wandabschnitte wurden entsalzt, trockengelegt und zweifach verputzt, bevor schließlich die Malereien originalgetreu wieder aufgetragen wurden.

Kleinere Schäden sind entdeckt worden

Für die Arbeiten in rund achteinhalb Metern Höhe mussten Gerüste gestellt werden (die OP berichtete). „Wir konnten dadurch Bereiche in Augenschein nehmen, die bislang für uns nicht erreichbar waren“, sagt der zuständige Projektleiter der Philipps-Universität, Jörn Eigmüller. Dabei zeigte sich, dass auch die Leinwandgemälde und die Maßwerkfenster kleinere Schäden aufwiesen.

Die Corona-Zwangspause wurde für weitere Renovierungsarbeiten genutzt, erklärt Maja Turba, Leiterin der universitären Bauabteilung und Sicherheitstechnik. Ein Steinmetz restaurierte das schadhafte Maßwerk der Fenster, das Parkett wurde abgeschliffen und versiegelt, die Wandgemälde an einzelnen Stellen restauriert und in Gänze gereinigt. Dabei befreiten die Restauratorinnen die Gemälde mit einem kleinen Schwamm und destilliertem Wasser Stück für Stück vom Staub der vergangenen Jahrzehnte.

 Restaurierung kostete rund 100.000 Euro

Insgesamt hat die Restaurierung rund 100.000 Euro gekostet, davon konnten 60.000 Euro durch die private Spende finanziert werden. Die Mühe hat sich gelohnt, findet jedenfalls Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause, die als eine von ganz wenigen Marburgern das Ergebnis der Sanierung bereits besichtigen konnte.

„Es ist schön, diesen Raum wieder in seiner früheren Pracht erleben zu können“, freut sie sich. Insbesondere die neue Farbintensität der vom Staub befreiten großformatigen Wandgemälde hat die Präsidentin beeindruckt. „Es ist alles viel prächtiger“, sagte Krause im Gespräch mit der OP. Dass in der Alten Aula wegen Corona auch keine Führungen stattfinden, bedauert sie.

Alte Aula

Die Alte Aula ist das Herzstück der Alten Universität und war der Ort für zahlreiche festliche Veranstaltungen der Philipps-Universität. Eingeweiht wurde sie vor 130 Jahren, am 26. Juni 1891. Die Feier fand damals in einem Saal statt, in dem wesentliche Teile der Ausstattung noch fehlten. Der Entwurf für die Inneneinrichtung stammte von dem Frankfurter Architekten und Glasmaler Alexander Linnemann. Von seiner Freude am Ornamentalen zeugen die reich bemalte, freitragende Holzbalkendecke, die Wandtäfelung und zwei prächtige Kronleuchter sowie das geschnitzte Professorengestühl und die in Grisaille-Technik bemalten Fenster.

Die Stühle für das Publikum im Saal sind leider verloren. Die Alte Aula wird an drei Seiten von Wandmalereien und großformatigen Gemälden gerahmt, die Szenen aus der Geschichte der Stadt Marburg und der Marburger Universität nachzeichnen. Der Maler Johann Peter Theodor Jansen hatte die Leinwandgemälde zwischen 1900 und 1903 angefertigt. Im Zentrum stehen unterschiedliche Themen, wie etwa die Heilige Elisabeth bei der Krankenpflege, der Einzug der Reformatoren zum Marburger Religionsgespräch oder auch der begeisterte Empfang des Philosophen Christian Wolff durch Studenten. Die Gemälde werden von ornamentalen Wandmalereien eingefasst, die an Brokatstoffe erinnern.

Von Manfred Hitzeroth

02.04.2021
02.04.2021
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