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Marburg Experten befürchten Rekordwerte
Marburg Experten befürchten Rekordwerte
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07:58 09.04.2021
Ab März und April ist Vorsicht vor Zecken geboten. Der Landkreis Marburg Biedenkopf ist als FSME-Risikogebiet eingestuft. Außerdem können Zecken Borreliose verursachen.
Ab März und April ist Vorsicht vor Zecken geboten. Der Landkreis Marburg Biedenkopf ist als FSME-Risikogebiet eingestuft. Außerdem können Zecken Borreliose verursachen. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Marburg

Sie lauern auf Gräsern und Sträuchern und warten. Streift ein Tier oder ein Mensch durchs Gras, krabbeln sie auf ihren Wirt, suchen sich eine günstige Stelle, beißen sich fest und saugen Blut. Die Rede ist von Zecken, sehr unangenehmen Parasiten, die bei vielen Menschen Ekel und oft auch Panik auslösen. Zurecht, denn die Tiere sind ebenso winzig wie gefährlich.

Zecken sind Krankheitsüberträger – etwa von der Lyme-Borreliose oder der weit gefährlicheren Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME. FSME ist ein durch ein Virus ausgelöste Erkrankung der Hirnhaut und des zentralen Nervensystems, die nicht mit Medikamenten heilbar ist. FSME kann einen lebensgefährlichen Verlauf nehmen und schwere gesundheitliche Folgen wie dauerhafte Lähmungen sowie Schluck- und Sprechstörungen nach sich ziehen.

Kein Impfschutz gegen Lyme-Borreliose

Gegen FSME aber kann man sich impfen lassen, gegen die weit häufigere Lyme-Borreliose, die von Bakterien verursacht wird, gibt es dagegen keinen Impfschutz. Eine Infektion wird mit Antibiotika behandelt – wird die Erkrankung jedoch erst spät diagnostiziert, können die Borrelien ebenfalls schwerwiegende bleibende Schäden verursachen.

Experten befürchten in diesem Jahr einen Rekordwert bei den von Zecken übertragenen Krankheiten. Genannt werden zwei Gründe: Zum einen sorgt die durch den Klimawandel bedingte Erwärmung für bessere Lebens-Bedingungen bei Zecken, zum anderen zieht es wegen der Corona-Pandemie mehr Menschen hinaus in die Natur.

900 Zeckenarten auf der ganzen Welt

Weltweit gibt es rund 900 Zeckenarten. Die zur Familie der Spinnentiere gehörenden Zecken kommen – außer in arktischen Regionen – auf allen Kontinenten vor, weil sie extrem robust sind. In Deutschland ist der Gemeine Holzbock die häufigste Zeckenart. Ausgewachsene Weibchen sind vor dem Saugen nur etwa 3 bis 4 Millimeter groß und am Körper entsprechend schwer zu finden. Mit Blut vollgesogen erreichen sie eine Größe von etwa einem Zentimeter. Nymphen, also die „Jugendform“ der Zecken, sind noch kleiner.

Aktiv werden Zecken bereits ab einer Temperatur von etwa 7 Grad. Ab März und April ist also Vorsicht geboten. Nach Informationen des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration kommen Zecken, die die Borreliose-Erreger in sich tragen, überall in Hessen vor. Zu den FSME-Risikogebieten zählt auch der Landkreis Marburg-Biedenkopf, neben dem Odenwald, der Bergstraße, dem Landkreis Darmstadt-Dieburg und seit diesem Jahr auch Fulda. Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) wurden im vergangenen Jahr bundesweit 704 FSME-Erkrankungen gemeldet, so viele wie nie zuvor seit der Erfassung dieser Krankheit im Jahr 2001.

Sechs FSME-Fälle im Landkreis

Im Landkreis Marburg-Biedenkopf wurden in den vergangenen fünf Jahren sechs FSME-Fälle gemeldet. Die Borreliose wird dagegen in Hessen im Gegensatz zu den östlichen Bundesländern sowie Bayern, Rheinland-Pfalz und Saarland nicht erfasst und an das RKI gemeldet.

Im Zuge des Klimawandels wandern zudem neue Zeckenarten ein. Parasitologen der Universität Hohenheim sowie Virologen des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr und der Universität Leipzig entdeckten 2016 das FSME-Virus zum ersten Mal in der Auwaldzecke. Ebenfalls 2016 entdeckte nach Informationen des Bayerischen Rundfunks das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr die in Deutschland bis dahin unbekannte Zeckenart Ixodes inopinatus, die vermutlich aus dem Mittelmeerraum eingewandert ist.

Neu ist tropische Riesenzecke

Neu in Deutschland ist außerdem eine tropische Riesenzecke: Die Hyalomma-Zecke ist eigentlich in Afrika, Asien und im Mittelmeerraum beheimatet, wurde 2018 mehr als 30 Mal in Deutschland gesichtet. Sie ist etwa fünfmal so groß wie der Gemeine Holzbock – und geht, anders als ihr heimischer Verwandter, selbstständig auf die Jagd. Eingeschleppt wurde sie vermutlich mit Zugvögeln. Wie verbreitet die neuen Zeckenarten in Hessen sind, ist nicht bekannt.

Auch wenn es im Sommer lästig sein kann: Bei Spaziergängen durch Wiesen, Auen und Wälder hilft geschlossene Kleidung mit langen Ärmeln und Hosenbeinen. Je heller die Kleidung ist, desto schneller kann man Zecken erkennen. Vorsichtige Menschen ziehen die Socken über die Hosenbeine, damit Zecken nicht so schnell unbemerkt unter die Kleidung kriechen können. Hilfreich sind auch Insekten abwehrende Mittel, die etwa eine bis drei Stunden wirken. Danach sollte man sie neu auftragen.

Nach Zecken absuchen

Nach einer Wanderung oder einem Spaziergang im Wald sollte man sich zu Hause nach Zecken absuchen. Zecken bevorzugen dünne, warme und feuchte Hautstellen – Arme, Kniekehlen, Hals, Kopf und die Intimstellen.

Sollte sich eine Zecke festgesaugt haben, sollte man sie so bald wie möglich entfernen. Wer keine Zeckenpinzette hat, packt die Zecke zwischen den Fingernägeln und zieht sie senkrecht aus der Haut. Vorsicht: Man sollte die Zecke dabei nicht quetschen.

Von Uwe Badouin

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