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Marburg Treppensteigen soll mehr Spaß machen
Marburg Treppensteigen soll mehr Spaß machen
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08:00 25.09.2019
Die Mauern und Wände der Treppenanlage am Oberstadtaufzug sind durch viele Schmierereien verunstaltet. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Die beiden Oberstadtaufzüge bieten die ­direkteste Möglichkeit, innerhalb kurzer Zeit vom Pilgrimstein nach oben zu gelangen. Doch wenn die Aufzüge kaputt sind oder sich davor an Wochenenden oder bei Festen Schlangen bilden, bietet auch die ­parallel dazu verlaufende Treppenanlage am Aufzug eine Möglichkeit, den Höhenunterschied zu überwinden.

Doch besonders die Wände an den steilen Treppenaufgängen befinden sich in einem verwahrlosten Zustand. „Das sieht nicht allzu schön aus“, sagte Christian Schmidt (Grüne) bei der Begründung des Antrags seiner Fraktion, in dem der Magistrat gebeten wird, zu prüfen, inwieweit die Treppenaufstiege rund um die Oberstadtaufzüge attraktiver gemacht werden können.

Die im Antrag gestellte Diagnose trifft nach Recherchen der OP vor Ort zu: So sind fast alle­ Wände, die ursprünglich mit dekorativen farbigen Mustern geschmückt waren, mit hässlichen Schriftzügen übersprüht. „Die Wände und Mauern sollten wieder ansprechend gestaltet werden“, meint Christian Schmidt. Neu zu schaffende Graffiti-Kunstwerke, Begrünungen oder Gedichte könnten ­beispielsweise mit dazu ­beitragen, den Auf- oder Abstieg etwas angenehmer zu gestalten.

"Schon 50 Stufen geschafft"

Zusätzlich schlagen die Grünen weitere Motivationshilfen für die Treppenbegehung vor. So ­könne man beispielsweise die Treppenstufen mit Aufschriften versehen wie dem Hinweis „Schon 50 Stufen geschafft“. Prinzipiell ist der Antrag auch als ein Beitrag für die Gesundheit der Marburger und Touristen gedacht. „Treppensteigen ist eine ideale­ Möglichkeit, um im Alltag fit zu bleiben“, heißt es dazu in der Antragsbegründung.

Eine weitere Idee des Antrags ist es, Rastmöglichkeiten beispielsweise in Form von Sitzbänken zu schaffen. „Das klingt charmant, aber das Treppenhaus ist sehr beengt. Wo könnte man denn da sitzen?“, fragte Schaker Hussein (SPD). Auch Baudezernent Wieland Stötzel­ (CDU) sagte dazu, dass in den engen Aufgängen für Bänke wohl kein Platz sei.

Nach Recherchen der OP gibt es aber ungefähr auf halber Höhe ein Plateau, auf dem es ausreichend Platz geben könne, Bänke aufzustellen. Die Treppenanlage am Aufzug besteht in der unteren Hälfte aus zwei parallel angelegten Treppen, die dann in einen gemeinsamen „Treppenturm“ münden. Stötzel betonte, dass diese Treppenanlage ursprünglich gar nicht als Alternativ-Wegstrecke zum Aufzug geplant worden sei.

Prüfantrag wurde angenommen

Vielmehr sei sie als eine Art Erschließungstreppe für die Büros des Einzelhandelsverbands gedacht gewesen, eine Funktion, die sie auch jetzt noch erfüllt. Die eigentliche Treppe in die Oberstadt solle in diesem Umfeld die Mühltreppe darstellen.

Das möge schon so sein, aber 90 Prozent der Passanten würden wohl momentan trotzdem im Bedarfsfall eher die Treppenanlage direkt am Doppelaufzug benutzen, meinte Jens Seipp (CDU). „Öffentliche ­
Räume müssen nicht immer karg und abweisend gestaltet sein“, plädierte auch Renate Bastian (Marburger Linke) für eine ­ansprechendere Gestaltung der Anlage. Für ­
Christoph Ditschler (FDP) ging der Antrag nicht weit genug.

„Es wäre erst einmal schön, wenn alle Treppenanlagen in Marburg gut in Schuss wären“, warf er ein. Erst danach könne man sich dann ansprechenden ästhetischen Gestaltungen zuwenden. So seien­ beispielsweise die Treppen im Heugäßchen teilweise schief und voller Stolperfallen. Der Prüfantrag wurde aber trotz der Gegenstimme der FDP mit Ja-Stimmen aller anderen Fraktionen angenommen.     

von Manfred Hitzeroth