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Marburg Gaspreis steigt, Strompreis bleibt stabil
Marburg Gaspreis steigt, Strompreis bleibt stabil
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00:19 16.04.2019
Während Versorger bundesweit den Gaspreis im Schnitt um zehn Prozent angehoben haben, erhöhen die Stadtwerke Marburg den Preis zum 1. Juni um drei Prozent. Quelle: Karl-Josef Hildenbrand
Marburg

Laut den Vergleichsportalen Verivox und Check24 ist der durchschnittliche Gaspreis für private Haushalte auf den höchsten Stand seit drei Jahren geklettert (die OP berichtete). Demnach seien bei einem Musterhaushalt von drei bis vier Personen mit einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden im März 1 263 Euro fällig, teilte das Vergleichsportal Check24 in München mit.

Eine ähnliche Rechnung des Portals Verivox in Heidelberg kommt auf 1.220 Euro. Damit seien die Gaspreise innerhalb eines halben Jahres um fast zehn Prozent gestiegen. Einen ähnlich raschen Preisanstieg habe es zuletzt vor elf Jahren gegeben. Hintergrund der Preiserhöhungen sind vor allem die gestiegenen Beschaffungspreise der Gasversorger. Sie hätten im vergangenen Jahr im Mittel um rund 28 Prozent über dem Vorjahr gelegen.

Auch für die Kunden der Marburger Stadtwerke wird der Gasbezug künftig teurer: Zum 1. Juni werden die Stadtwerke den Arbeitspreis um 0,17 Cent brutto je Kilowattstunde Gas erhöhen. „Für einen Haushalt mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 20 000 Kilowattstunden bedeutet das eine Erhöhung von 34 Euro brutto im Jahr oder 2,83 Euro brutto im Monat“, rechnet Holger Armbrüster vor.

Grund dafür seien jedoch nicht die gestiegenen Beschaffungspreise. Vielmehr seien beispielsweise Netzentgelte und Umlagen gestiegen – daher müsse man den Preis im Gegensatz zum Bundestrend nur moderat anheben. Grund dafür sei die auf Langfristigkeit ausgelegte Beschaffungsstrategie.

Strompreise mindestens bis Jahresende stabil

Man habe bereits vor drei Jahren damit begonnen, Teilmengen an Erdgas für das Jahr 2019 einzukaufen – so, wie man bereits jetzt Gas für die kommenden Jahre gekauft habe. „Durch den Einkauf zum richtigen Zeitpunkt konnten sich die Stadtwerke gute Preise sichern“, so Armbrüster.

„Wir haben unsere Preise vor zwei Jahren gesenkt, haben sie seither stabil gehalten – und haben den Gaspreis auch über den Winter stabil gehalten, um unsere Kunden nicht über Gebühr mit dem höheren Gaspreis zu belasten“, so Armbrüster.

Geschäftsführer Norbert Schüren verdeutlicht in diesem Zusammenhang, dass die Stadtwerke die Strompreise stabil halten. „Da gibt es bei uns keine Bewegung. Wir garantieren den Strompreis bis zum 31. Dezember.“ Denn: Auch beim Strom gebe es eine entsprechende Eindeckungsstrategie.

„Ausgenommen davon sind jedoch Faktoren, auf die wir keinen Einfluss haben“, so Schüren – etwa eine Mehrwertsteuererhöhung oder ähnliche regulatorische Faktoren. Und: „Auch für das Jahr 2020 haben wir uns bereits zu 79 Prozent eingedeckt – das gibt uns auch schon eine gewisse Sicherheit.“

Ein Viertel der Kunden bleibt in Grundversorgung

Was Schüren beim Thema Gas- und auch Stromtarif verblüfft, sei der Verbleib von fast einem Viertel aller Kunden in der teureren Grundversorgung. „Würden die Kunden in einen anderen Tarif wechseln, könnten sie deutlich sparen“, sagt er.

Armbrüster wirbt in diesem Zusammenhang dafür, die Energieberatung der Stadtwerke in Anspruch zu nehmen. Dort würden speziell geschulte Mitarbeiter eingesetzt, die zu vielen Themengebieten beraten könnten – „und zwar herstellerunabhängig“.

Die einfachste Möglichkeit, mit dem Stromsparen anzufangen, sei, „unser kostenloses Strommessgerät auszuleihen und so Stromfressern auf die Spur zu kommen“, zeigt Armbrüster auf. Und: Stadtwerke-Kunden könnten zudem von zahlreichen Förderprogrammen profitieren.

Auch wenn die Gaspreise für die Verbraucher wieder steigen, liegen sie noch immer deutlich unter ihren früheren Höchstständen. Vor gut zehn Jahren, im Januar 2009, mussten die Verbraucher für 20.000 Kilowattstunden 1.597 Euro bezahlen, also gut 300 Euro mehr als heute. Besonders in den vergangenen fünf Jahren sei der Gaspreis kontinuierlich gefallen und habe zeitweise den vergleichbaren Preis für Heizöl unterschritten.

von Andreas Schmidt