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Marburg „Die Spritpreise sind tödlich für unser Gewerbe“
Marburg „Die Spritpreise sind tödlich für unser Gewerbe“
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09:31 22.03.2022
Ralf Kalabis-Schick zeigt’s an: Mit gelber Warnweste protestieren die Trucker gegen die  hohen Spritpreise. Mit der Aktion wollen sie auf die prekäre Lage in ihrer Branche aufmerksam machen.
Ralf Kalabis-Schick zeigt’s an: Mit gelber Warnweste protestieren die Trucker gegen die  hohen Spritpreise. Mit der Aktion wollen sie auf die prekäre Lage in ihrer Branche aufmerksam machen. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Für Spediteure sind die hohen Spritpreise existenzbedrohend. Aus diesem Grund protestieren Trucker seit gestern (21. März) bundesweit mit „Schneckentempo“ gegen die Kraftstoffpreise. Initiiert hat die Aktion der Verein „Bundesverband Logistik & Verkehr pro“ gemeinsam mit weiteren Akteuren. Mitten drin: Hessens wohl bekanntester Trucker, der Mardorfer Ralf Kalabis-Schick, der unter anderem zahlreiche Sammelaktionen für die Flutopfer im Ahrtal mit organisiert hat.

Er sagt im Gespräch mit der OP: „Wir werden diese Woche darauf hinweisen, dass unter anderem auch die Spritpreise tödlich für unser Gewerbe sind.“ Daher würden die Lkw-Fahrer, die sich mit der Aktion solidarisierten, auf der Landstraße diese Woche „zwischen 40 und 60 und auf der Autobahn zwischen 60 und 80 Stundenkilometer fahren“, sagt Kalabis-Schick. Wer sich mit der Aktion solidarisiere, habe als Erkennungszeichen eine gelbe Warnweste vorne links am Fahrzeug. „Auch Autofahrer dürfen mitmachen.“

Das Problem: „Wir bekommen je Kilometer nur einen gewissen Betrag“ – jedoch seien „die Frachtpreise unten, die Spritpreise oben – und die Mautgebühr kommt auch noch dazu“. Dazu kämen ja auch noch beispielsweise Personalkosten – „wir brauchen also einen gewissen Betrag, den wir aber aufgrund der Spritpreise nicht erwirtschaften können“. Kalabis-Schick wünscht sich eine breite Solidarität der Menschen, so wie 2006 für die Nationalmannschaft – als „alle die Fähnchen ans Auto“ gehängt hätten. Das sollten die Bürger nun mit Warnwesten am Auto tun. Denn, so der Herzblut-Trucker: „Es betrifft ja nicht nur uns Lkw-Fahrer, sondern auch Pendler. Und vor allem betrifft es die Liefersicherheit für die Geschäfte. Irgendwann wird es nichts mehr geben in den Regalen, es kann auch nicht mehr produziert werden – das müsste eigentlich jeden wachrütteln.“

Was wäre die Lösung? „Abschaffung der Energiesteuer, Deckelung der Spritpreise und die Einführung eines Gewerbediesels“, so Ralf Kalabis-Schick. Der von der Politik ins Spiel gebrachte Tankrabatt sei seiner Meinung nach zwar „schön für die Pendler und alle anderen Autofahrer“ – bringe den Speditionen jedoch nichts.

Nicht überall stieß der Protest auf Verständnis – vor allen in den sozialen Netzwerken wurde sie kritisiert, hauptsächlich auf das Gefährdungspotenzial von langsam fahrenden Lastwagen hingewiesen. Dazu äußerte Kalabis-Schick sich am Nachmittag ebenfalls auf Facebook – nachdem der Protest 15 Stunden alt war. „Macht euch bitte mal in Ruhe Gedanken darüber, was das Zahnrad Lkw – neben den vielen anderen wichtigen Zahnrädern in diesem Land – für einen Stellenwert hat.“ Er werde den Protest weiter durchziehen und sei überzeugt, dass sich noch wesentlich mehr Brummi-Fahrer ebenso, wie Autofahrer, in den kommenden Tagen beteiligen werden. Sollte sich nichts ändern, „dann werden die Lkw über kurz oder lang auf dem Hof bleiben“, sagt Kalabis-Schick – die Auswirkungen wären für die gesamte Wirtschaft fatal.

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Von Andreas Schmidt

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