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Marburg Die Schokosünde im Adventskalender bekommt Konkurrenz
Marburg Die Schokosünde im Adventskalender bekommt Konkurrenz
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22:30 30.11.2012
Von Sabine Nagel-Horn
Heute darf das erste Türchen geöffnet werden. In der neuen OP-Serie „Bitte eintreten“ blicken wir hinter verschiedene Türchen und erzählen Geschichten, die sich dahinter verbergen. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Irgendwo im Hinterkopf wartet sie - die nostalgische Erinnerung an die Adventszeit. 24 Tage voller kindlicher Neugier und Aufregung. Was wird wohl hinter dem nächsten Türchen warten?

Hoffentlich nicht viel Süßkram - dafür plädieren die Ernährungsberaterinnen Ines Ortner-Hümüller und Helga Dörr. Sie wissen: Adventszeit bedeutet auch Naschzeit. Morgens hinter das Adventstürchen gelugt und schnell ein Stückchen Schokolade aus der Packung gepult. Mittags ein paar Plätzchen, abends eine Bratwurst und ein Schluck Kakao. Alles lecker - alles kalorienreich. „Alles prinzipiell kein Problem. Wenn Maß gehalten wird“, ermahnt Helga Dörr. Sie will nicht den Zeigefinger heben und für Verzicht werben. Vielmehr für bewussten Genuss. Und das, so sagt sie, können schon Kinder lernen.

Aber wie einen Adventskalender für die lieben Kleinen bestücken, wenn Schokolade und andere Leckereien tabu sind? Ines Ortner-Hümüller widerspricht. „Hier geht es nicht um Verzicht. Sind wir mal ehrlich. Bei Nüssen und Mandarinen freut sich doch kein Kind. Aber wer beispielsweise bis Weihnachten 24 Überraschungs-Eier isst, der hat schon eine ganze Menge zu sich genommen.“

Sie weiß: „Ernährung erfordert immer auch Kreativität“ - und Zeit. Die Expertinnen empfehlen kleine Gutscheine hinter den Türchen zu verstecken. „Wieso nicht mal einen Spiele-nachmittag verschenken?“, fragt Helga Dörr. Das, so sagt sie, komme dem Sinn der Adventszeit näher, als die kleinen Zuckerbomben. Sich Zeit füreinander nehmen. Gemeinsam etwas erleben. Von diesen verbindenden Ereignissen können alle länger zehren als von Lebkuchen und Co. Frei nach dem Motto: Jedes nicht gegessene Stückchen Schokolade ist ein gutes Stücken Schokolade.

Dörr selbst ist Mutter einer erwachsenen Tochter und kann sich noch gut an die kleinen und großen Adventskalenderdiskussionen erinnern. Denn meist sei es nicht bei einem Kalender geblieben. Oma und Opa, Nachbarn, Freunde - sie alle wollten die Adventszeit versüßen. Aus einem Türchen, das es täglich zu öffnen galt, wurden zwei, dann drei, dann zu viele.

„Ich bin immer dafür, die Adventskalenderbestückung selbst zu steuern“, erklärt Dörr. So sei zumindest ein bisschen Kontrolle gegeben. Weihnachtszeit - Zeit der Versuchungen. „Das Süßempfinden der Menschen hat sich über die Jahre verändert“, hat Ines Ortner-Hümüller während ihrer Arbeit festgestellt. Das, was noch vor 20 Jahren als zuckersüß wahrgenommen wurde, erhält heute lediglich die Auszeichnung „leicht süßlich.“ Die Industrie hat auf diese Veränderung reagiert - und kräftig nachgezuckert. Deshalb der Tipp der Ernährungsexpertinnen: „Keine Plätzchen kaufen. Lieber selber backen. Da hat man es in der Hand und kann auch mal von dem Rezept abweichen.“

Tipps, sich auch in der Vorweihnachtszeit gesund zu ernähren, haben die beiden Ernährungsberaterinnen viele.Nüsse knacken statt Plätzchen naschen, Mandarine pellen statt Printen kauen. Beim Backen Weißmehl durch Vollkornmehl ersetzen. „Aber in der Weihnachtszeit, und vor allem beim Thema Plätzchen, kommen diese Tipps einfach nicht an. Die meisten mögen eben die Rezepte aus Omas Zeiten“, so Helga Dörr. Und irgendwie, räumt sie ein, sei das auch gut so. Tradition muss eben sein. Naschen auch. „Aber mit Maß“ - wiederholen beide Damen und heben doch ihre Zeigefinger. Unbewusst.

Die Mütter, Väter, Omas und Opas, die in diesen Tagen in das Spielzeuggeschäft „Kinderkiste“ eilen, haben andere Sorgen im Kopf, als die Kalorienanzahl des Weihnachtsgebäcks. Sie sind auf der Suche nach Geschenken für die Adventskalender. Klein und günstig sollen sie sein. Kein Schnickschnack. Aber auch nichts, was die Messlatte für das nächste Jahr zu hoch legt. Nicht nur der industrielle, auch der individuelle Adventskalender kann schnell ein kleines Vermögen kosten. Die Geschenke - sie summieren sich auf. Für viele aber ist der selbst gebastelte Kalender in diesem Jahr die einzige Option. Berichte der Stiftung Warentest, nach denen in 20 getesteten Kalendern Reste von Mineralöl und verschiedenen Schadstoffen zu finden waren, sorgten in den vergangenen Tagen für Verunsicherung. „Den wenigsten reicht heutzutage sowieso ein normaler Schokoladenkalender“ beobachtet Spielekiste-Mitarbeiterin Manuela Karras. Persönlich soll es sein. Eine Wertschätzung. Und nicht nur Kinder werden beschenkt. Auch zahlreiche Erwachsene halten die Tradition hoch. Für Vorfreude gibt es eben keine Altersgrenze.

Und wie sieht er nun aus, der sinnvoll bestückte Adventskalender? Unberechenbar, ohne die Rechnung zu sprengen, voller süßer Überraschungen, ohne zuckerlastig zu sein. 24 kleine Herausforderungen eben.

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