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Marburg Partnerschaft besteht seit 50 Jahren
Marburg Partnerschaft besteht seit 50 Jahren
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13:00 15.08.2019
Eine Fähre fährt über die Drau, den großen Fluss in Marburgs Partnerstadt Maribor. Quelle: Antonio Bat
Marburg

Im Nachhinein gesehen ist die Partnerschaft beider Städte eigentlich folgerichtig. Es dauerte dennoch bis zum Jahr 1969, dass Marburg an der Lahn mit der slowenischen Stadt Marburg an der Drau (Maribor) zusammenkam.

Das war unter anderem deswegen gar nicht so einfach, weil Maribor damals noch fester Bestandteil des Vielvölkerstaats Jugoslawien war, der als sogenannter „blockfreier Staat“ damals auch noch eine spezielle Rolle im Ostblock einnahm.

Persönliche Erinnerungen und Presseberichte aus 50 Jahren

Die Festschrift, die Reinhold Drusel jetzt im Auftrag des Freundeskreises Marburg-Maribor zusammengestellt hat, blickt zurück auf die Partnerschaft zwischen den beiden Städten. „Sie beschreibt noch einmal die Zeilen eines stürmischen Aufbruchs in der Verbindung zwischen den beiden Städten, die 1969 unterschiedlichen gesellschaftlichen Systemen angehörten“, erläutert Freundeskreis-Vorsitzender Bernd Drusel im Vorwort des Erinnerungsbuchs.

„Es war die Zeit des Kalten Krieges und des Wettbewerbs zwischen der westlichen, kapitalistisch geprägten und der kommunistischen Welt. Und in dem „kommunistischen Einparteienstaat“ sei Maribor damals ­eine führende Industriestadt gewesen.

Bernd Drusels Vater Reinhold hat persönliche Erinnerungen und Presseberichte aus 50 Jahren zusammengetragen, um die Partnerschaft lebendig werden zu lassen. „Im Mittelpunkt steht die Begegnung von Menschen, die in einer weltpolitisch ‚eisigen Zeit‘ in friedlicher Absicht freundschaftliche Verbindungen eingegangen sind“, so Reinhold Drusel.

Die tragenden Säulen der Städtepartnerschaft sind laut Reinhold Drusel die zahlreichen Beteiligten aus den Musikvereinen, der Feuerwehr, des Sports“ und weiterer Verbände sowie Künstler und Touristen, die die jeweilige Partnerstadt besuchen. 

Hintergrund

Seit 50 Jahren gibt es die Städtepartnerschaft zwischen Marburg und der slowenischen Stadt Maribor. Das wird im September dieses Jahres mit offiziellen Veranstaltungen in beiden Städten gefeiert. Den Auftakt macht ein Festwochenende in Marburg vom 13. bis zum 15. September. In diesem Zeitraum besucht eine Delegation aus Maribor die Stadt Marburg, wie die Marburger Pressestelle der OP auf Anfrage mitteilte. Zudem wird eine Delegation der Feuerwehr Maribor Mesto erwartet.
Außerdem gibt es einen Austausch mit dem Freundeskreis Marburg-Maribor. Der Festakt der Stadt Marburg mit den Gästen aus Maribor findet am Samstag, 14. September, ab 13.30 Uhr mit Reden, Musik und Einträgen in das Goldene Buch im Marburger Rathaus statt. Der Gegenbesuch in Maribor ist schon für das ­Wochenende vom 20. bis 22. September geplant. Reisen werden eine städtische Delegation, der Freundeskreis Marburg-Maribor sowie ­Mitglieder der Feuerwehr Marburg.

Ausführlich zeichnet Drusel in dem Buch zunächst die ersten Treffen der Partnerschaft nach, die von den jeweiligen Stadtoberhäuptern, Oberbürgermeister Georg Gaßmann (Marburg) und Bürgermeister Dr. Mirko Zlender (Maribor) im Jahr 1969 unterzeichnet wurde.­ Sie kamen auf die Idee bei ­einem internationalen Bürgermeister­treffen im Frühjahr 1969 in Mannheim.

In Maribor gab es Ende Juni 1969 einen großen­ Bahnhof für die Marburger ­Delegation. Zufälligerweise wurde damals in der slowenischen Stadt gerade eine Brauerei eröffnet. Außerdem gab es ein Partnerschaftstreffen auf dem Mariborer Hausberg Pohorje in ­einem eleganten Hotel. Der Gegenbesuch der Delegation aus Maribor erfolgte dann im September 1969 in Marburg.

Bereits auf das Jahr 1970 zurück datiert die Freundschaft des Männerchores „Slava Klavora“ mit den Sängern aus dem Marburger Stadtteil Ockershausen. Seitdem begleiteten die Sänger aus beiden Städten viele Partnerschaftsfeiern musikalisch. Auch der Austausch der Feuerwehren aus Marburg und Maribor startete bereits 1970.

Kulturwochen, Schriftsteller-Austausch, Jugendbegegnungen, Kontakte zwischen beiden Universitäten: Es gab eine ganze Menge Anknüpfungspunkte für den Austausch, wie Reinhold Drusel in dem Partnerschaftsbuch deutlich macht. Und auch den Zusammenbruch des Tito-­Regimes und des Ostblocks überstand die Städtepartnerschaft zwischen Marburg und Marburg.

2012 war Maribor eine europäische Kulturhauptstadt

In dem Buch werden auch die Besonderheiten Maribors erläutert. So gibt es rund um die Industriestadt jede Menge Weinberge und Weinkeller. 2012 war Maribor eine von zwei europäischen Kulturhauptstädten.

Und sportlich gesehen hat Maribor zumindest in Sachen Spitzensport sogar noch mehr zu bieten als Marburg. So spielte der Fußballverein aus Maribor schon einige Male in der Gruppenphase der Champions ­League mit und traf dabei unter anderem auf das Bundesliga-Team von Schalke 04.

Zudem finden am Pohorje­ meistens zum Jahreswechsel Ski-Weltcuprennen der Damen statt. Bei Slalom oder Riesenslalom gerät das Ski-Terrain oberhalb von Maribor werbewirksam in den Fokus der TV-Kameras.

Das Buch „50 Jahre Städtepartnerschaft“ wurde im Auftrag des Freundeskreises Marburg-Maribor zusammengestellt. Es ist während der öffentlichen Feier am 14. September im Marburger Rathaus (siehe „HINTERGRUND“) erhältlich, berichtet Reinhold Drusel.

von Manfred Hitzeroth