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Marburg Burger-Test: Fleisch gegen veganen Ersatz
Marburg Burger-Test: Fleisch gegen veganen Ersatz
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00:18 29.05.2019
Küchenchef Eric Althaus (Mitte) beim Burger-Test mit den OP-Redakteuren Björn Wisker und Andreas Schmidt.  Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

Da liegt er also auf einem Teller im Marburger „Aroma“, der gehypte „Wunder-Patty“ des US-amerikanischen Unternehmens „Beyond Meat“. Form und Größe des Fleischklops-Ersatzes erinnern tatsächlich an einen klassischen Burger. Doch von der Optik haben die Pattys zunächst nur wenig mit herkömmlichem Burger-Rinderhack gemein.

Farblich siedeln sie zwischen altrosa und hellbraun an, die Konsistenz ist sehr weich, soll aber angeblich an Muskelfaserfleisch erinnern. Das soll schmecken? Wir sind gespannt. Die Basis des Bratlings besteht aus Erbsenproteinen, ein rauchiges Aroma sorgt für den typisch fleischigen Geschmack.

Die leicht rosa Farbe kommt durch Rote Bete – sie sorgt quasi für die „blutige Optik“. Die Nicht-Fleisch-Patties sind in Deutschland bisher nur im Großhandel oder bei ausgewählten Gastronomen zu bekommen – in Marburg bisher alleine im „Aroma“. Das soll sich jedoch bald ändern: Der Discounter Lidl will die Burger Ende Mai in den Handel bringen.

Eric Althaus, Chefkoch im „Aroma“, ist – wie auch die beiden OP-Redakteure – bekennender Burger-Fan. „Wir haben durch die Presse von dem Produkt erfahren und uns überlegt, ob wir die vegane Alternative unseren Gästen anbieten können“, sagt er. Im Team habe man die fleischlosen Buletten verkostet, „und alle waren begeistert: Das ist genau das Produkt, das zu uns passt.“

Standpunkt

Geschmack – und gut fürs Gewissen
Was der Bauer nicht kennt – man kennt das ja. Letztlich landet man doch allzu oft beim Altbekannten und Altbewährten. Bei Burgern bin ich als bekennender US-Food-Fan zwar experimentierfreudig, aber doch bitte auf Fleischbasis! Zu tief, zu bitter hat sich die Erinnerung an Tofu-Patty und andere Ersatz-Erzeugnisse ins Gedächtnis eingegraben. Und trotz oder gerade wegen solcher Erfahrungsschädigungen ist Beyond Meat ein überraschend positives Produkt: Vegan ohne (zu großen) Gewohnheits-Geschmacksverzicht. Der Burger ist so nicht nur zur Gewissensberuhigung gut.

von Björn Wisker

Freitags ist im Aroma Burger-Tag, „dort findet er sich jetzt, wie der normale Fleisch-Burger, als fester Bestandteil auf der Karte“. Der Küchenchef berichtet, dass die Nachfrage nach fleischlosen Gerichten ohnehin groß sei, „Marburg ist ein gutes Pflaster für den Beyond-Meat-Burger“, sagt Althaus.

Doch genug der Worte: Der Pflanzen-Burger muss jetzt in die Pfanne. Um den Geschmack wirklich zu erleben, wird der Burger nur leicht gesalzen, „danach kommt noch ein wenig grober Pfeffer drauf“, sagt Althaus. Wie bei einem Rinder-Burger, den er ebenfalls zum Vergleich zubereitet, überprüft er auch von der Gemüse-Frikadelle die Kerntemperatur beim Braten.

Dann kommen beide Klops-Arten auf die vorbereiteten Burger-Brötchen, auch hier ganz klassisch: Brötchen, Salat, Tomate, Gurke, Ketchup „und eine leichte Chili-Mayonnaise“, verrät der Küchenchef. Er halbiert die Burger jeweils, die Tester bekommen je einen halben klassischen Burger und die vegane Variante.

Welche Hälfte ist was? Lässt sich auf den ersten Blick im leicht schummrigen Licht des Aroma gar nicht sagen. Denn: Der Rinderburger ist medium-rosa gebraten – das Beyond-­Meat-­Gegenstück hat durch seine Rote Bete aber ebenfalls eine rosa Farbe. Lediglich an der etwas gröberen Textur gibt sich der Fleisch-Bratling zu erkennen.

Standpunkt

Vegane Bulette hat überzeugt
Für mich gibt es eigentlich keine Kompromisse: Gutes Rinderhack, rauchig medium-rare gegrillt – der perfekte Burger. Da kann doch keine Gemüse-Bulette mithalten, oder? Naja, Beyond Meat kommt immerhin aus den USA, und dort wissen sie, wie man Burger zelebriert. Ich muss zugeben: Hätte mir niemand gesagt, dass sich auf meinem Burger kein Fleisch befindet, ich hätte es nicht gemerkt. Der Burger ist eine leckere Alternative. Ich würde dafür keine Dutzenden Kilometer fahren – doch stünde der Beyond-Meat-Burger auf der Karte, würde ich bedenkenlos zugreifen.

von Andreas Schmidt

Der erste Biss in die Fleisch-Variante: Lecker – so muss ein frischer Burger schmecken! Zarte Textur, Röst-Aromen, ein leicht rauchiges Aroma – da kommt doch so eine Gemüse-Frikadelle nicht mit, oder? Also der direkte Vergleich, der Biss in die Be­yond-Meat-Hälfte. Moment mal, was ist denn hier los? Zarte Textur, Röst-Aromen, ein leicht rauchiges Aroma – haben wir etwa nur Fleisch-Burger bekommen? 

Nein. Auch die Variante von Beyond Meat hat all das, was einen klassischen Burger ausmacht. „Im Abgang, da ist die Rote Bete zu schmecken“, sagt Björn Wisker und bekommt ein zustimmendes Nicken von Küchenchef Eric Althaus.
Doch die einhellige Meinung: Würde man nicht wie die OP-Tester intensiv auf den Geschmacksunterschied achten, käme man kaum darauf, dass da kein Fleisch zwischen den Brötchenhälften liegt.

Und das Sättigungsgefühl? Angenehm und anhaltend. Der Burger – ohne Vorspeise, Beilage oder Nachspeise verzehrt – ließ ein Bauchgrummeln für mehr als fünf Stunden bis in den Abend hinein nicht zu. Da die Aroma-Köche für den OP-Test einen Burger zu viel brieten, wanderte dieser später in den Gaumen einer Redakteurs-Gattin. Einer Nichtsahnenden. Das Urteil der bekennenden Burger-Liebhaberin: „Was, das ist kein Fleisch? Wow, hätte ich nie vermutet.“

Auch Küchenchef Eric Althaus gibt im OP-Gespräch zu: „Ich war zunächst sehr skeptisch. Aber: Die Patties werden behandelt wie die von einem herkömmlichen Burger – sie müssen gleich gewürzt werden, das Bratverhalten und die Konsistenz sind gleich – der Burger hat die Chance, auch hier durch die Decke zu gehen“, sagt der Chefkoch. Und fügt dann lachend hinzu: „Aber mit zwei Scheiben Bacon und etwas Käse …“

von Andreas Schmidt und Björn Wisker

Veggie-Klopse kommen in Supermarkt-Regale

Die Fleisch-Alternative von Beyond Meat steht auch an der Börse hoch im Kurs: Zum Börsenstart vor drei Wochen rissen sich die Anleger um die Aktien des Unternehmens. Der Kurs der erstmals an der New Yorker Nasdaq gehandelten Papiere schoss im frühen Handel zeitweise auf über 60 Dollar in die Höhe – das entspricht einem Plus von 140 Prozent gegenüber dem Ausgabepreis.

Die Aktie erfreut sich weiterer Beliebtheit: Zuletzt pendelte das Papier sogar um 92 US-Dollar. Das von Prominenten wie Microsoft-Mitgründer Bill Gates oder Hollywood-Star Leonardo DiCaprio unterstützte Unternehmen erlöste beim Börsengang rund 240 Millionen Dollar und wurde dabei insgesamt mit knapp 1,5 Milliarden Dollar bewertet.

In Deutschland hat sich nun der Discounter Lidl die exklusiven Rechte zum Verkauf des Burgers gesichert. „Wir beobachten Foodtrends und Innovationen sehr genau und freuen uns, dass wir unseren Kunden als erster Lebensmittelhändler in Deutschland den beliebten Beyond-Meat-Burger anbieten können“, so Jan Bock, Geschäftsleiter Einkauf bei Lidl Deutschland.

Ab dem 29. Mai soll es die pflanzlichen Bratlinge zu kaufen geben – zunächst nur als Aktionsware und „solange der Vorrat reicht“ zum Preis von 4,99 Euro im Doppelpack.

von Andreas Schmidt