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Marburg Ja zu Alternativ-Ampelpärchen
Marburg Ja zu Alternativ-Ampelpärchen
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20:00 04.09.2019
An Ampeln in der Innenstadt leuchten seit Juni 20 grüne und rote Homo- und Heteropärchen.  Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Gegen die Stimmen der CDU-Fraktion hat das Stadtparlament ein „klares Zeichen für Toleranz“, wie es die SPD-Stadtverordnete Anna Zels nannte, gesetzt. Als einen „Beitrag zur Normalisierung“ bezeichnete es Elisabeth Kula (Linke), die nun aus der Stadtverordnetenversammlung ausgeschieden ist und sich auf ihr Landtagsmandat konzentriert. „So eine Symbolik kann durchaus viel bewirken“, sagt Hans-Werner Seitz (Grüne).

Die CDU warnt hingegen, dass die Alternativ-Ampelsignale Fußgänger irritieren könnten. Sie verweisen auf Regelungen in der Straßenverkehrsordnung, vor allem auf ungeklärte Haftungsfragen, falls es einen Unfall gibt. Und: „Mir fehlt dabei grundsätzlich der Marburg-Bezug. Die einen haben sich für Elvis, andere für Ottifanten entschieden – aber liebende Paare, auch gleichgeschlechtliche gibt es auf der ganzen Welt. Das ist also völlig beliebig“, sagt Jens Seipp, CDU-Fraktionschef.

"Eindeutiges Signal in einer wichtigen Sachfrage"

Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) entgegnet, dass er gar keinen Marburg-Bezug wolle, sondern ein „eindeutiges Signal in einer wichtigen Sachfrage, um eine Haltung der vollständigen Akzeptanz auszudrücken“. Insgesamt 20 rote und 20 grüne Pärchen leuchten seit vergangenem Juni an Ampeln im Stadtzentrum.

Lisa Freitag (FDP) unterstützt die Beibehaltung, da man in einer „bunten, offenen und toleranten“ Stadt leben wolle. Langfristig seien jedoch Ampelfiguren mit einem Marburg-Bezug „wünschenswert“, Sie schlägt die Märchenfiguren der Gebrüder Grimm vor.

Spies kündigte derweil die Einrichtung eines „Queer-Zentrums“ – das anlässlich des CSD im Juni von Aktivisten gefordert wurde – an. Immerhin kämen jedes Jahr 5.000 junge Menschen neu nach Marburg und würden „hier ihre Identität suchen und finden können. Ein neuer Treffpunkt, ein neues Angebot trägt etwas dazu bei“, sagte er.     

von Björn Wisker