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Marburg Die Kitas sollen wieder voller werden
Marburg Die Kitas sollen wieder voller werden
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12:57 24.05.2020
Anfang kommender Woche soll mehr Klarheit darüber herrschen, wie die Kita-Öffnung in Marburg gelingt. Quelle: Thorsten Richter/Themenfoto
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Marburg

Raus aus der Notbetreuung und rein in den eingeschränkten Regelbetrieb: Nach Ansicht der Verantwortlichen der Stadt Marburg ist dieser von der hessischen Landesregierung für den 2. Juni vorgesehene Schritt schwieriger als gedacht.

„Wir sehen die Not der Eltern und haben größten Respekt davor, dass sie seit Wochen diszipliniert abwarten“, sagte der Marburger Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD). Home-Office mit einem vierjährigen Kind, das permanent zu Hause sei, das stelle in diesen Corona-Zeiten schon eine große Herausforderung dar, sagte Spies.

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Statt wie in normalen Zeiten 3.200 Kindern werden seit Mitte März nur 800 Kinder aus „systemrelevanten Berufsgruppen“ in den 53 städtischen Kindereinrichtungen betreut, erläuterte Spies am Mittwoch, 20. Mai, bei einer Pressekonferenz im Marburger Rathaus, kurz bevor auch Sozialminister Kai Klose (Grüne) neue Landesvorgaben bekanntgab (siehe Kasten). Immerhin liege die Stadt Marburg mit ihrer Quote von 30 Prozent für die Notbetreuung aber deutlich über dem Hessendurchschnitt von 10 Prozent.

So viel Betreuung wie möglich sicherstellen

„Immer häufiger fragen Eltern bei uns nach, ab wann sie ihre Kinder wieder in die Krippe oder Kita bringen können“, machte Spies deutlich. „Wir wollen den Eltern helfen und möglichst schnell viele Betreuungsplätze unter Einhaltung des Infektionsschutzes und natürlich unter sicheren Bedingungen für unsere Erzieherinnen anbieten“, ergänzt Stadträtin und Jugenddezernentin Kirsten Dinnebier. „Unsere Botschaft an die Eltern lautet: Wir werden so viel Betreuung wie möglich sicherstellen, die durch die Landesregierung erlaubt ist“, sagte Spies.

Doch die einzelnen Kindertageseinrichtungen stoßen mittlerweile in Sachen Raum- und Personalkapazität an ihre Grenzen. Derzeit umfassen coronabedingt die einzelnen Kindergruppen nur bis zu zehn Kinder; das ist um die Hälfte weniger als sonst und demzufolge sehr personalintensiv. „Mit mehr Personal und mehr Orten können wir mehr kleine Gruppen anbieten“, sieht Spies einen Ansatz für den Einstieg in den normaleren Kita-Alltag und die Betreuung unter Berücksichtigung der auch von Virologen geforderten Hygienebestimmungen.

Verschiedene Szenarien im Blick

Diese Idee beinhaltet aber unter anderem die vorübergehende Aufhebung der Fachkraftquote. So könnte zusätzlich zu den regulären Erzieherinnen zeitweise auch sozialpädagogisches Zusatzpersonal (beispielsweise Studierende) rekrutiert werden. Das sei aber für eine Ausweitung des Angebots zwingend notwendig, meinen Spies und Dinnebier. Auch die Betriebsgenehmigung für zusätzliche Räume würde demnach wohl für eine Übergangszeit benötigt.

All dieses sei abhängig von den sehr kurzfristig erfolgten Landesvorgaben, beispielsweise dazu, wie groß die Gruppenstärke sein darf. Um möglichst schnell darauf reagieren zu können, seien schon verschiedene Varianten entwickelt worden, betonte Stefanie Lambrecht, Leiterin des städtischen Fachbereichs Jugend, Kinder und Familie.

Expertengruppe begleitet den Prozess

„Jede Kita erstellt einen Umsetzungsplan, der die Situation der Familien und die Personalkapazitäten berücksichtigt“, erklärte Lambrecht. Möglichst detailliert soll geklärt werden, wie viele Kinder in den einzelnen Einrichtungen betreut werden können. Lambrecht machte auch deutlich, dass die Kinderbetreuung zu Coronazeiten in den Einrichtungen für die Erzieherinnen ohne Mundschutz und mit Körperkontakt zu den Kindern eine besondere Herausforderung darstelle.

Der Gesamtelternbeirat, die Träger freier Einrichtungen und eine Virologin der Marburger Universität begleiten in einer Expertengruppe den Prozess der schrittweisen Öffnung.

Stadt informiert per Brief und Hotline

Nicht alle Kinder werden sofort nach Pfingsten gleich wieder in die Kita zurückkehren können. Es sollen aber möglichst verbindliche Kriterien dafür entwickelt werden, welche Kinder zunächst einmal berücksichtigt werden. Spies, Dinnebier und Lambrecht hoffen, dass sie schon ab Anfang kommender Woche mehr Klarheit haben werden, wie der Einstieg in die Kita-Rückkehr in Marburg möglichst für alle Eltern, Kinder und Erzieherinnen ohne allzu große Härten und Hürden gelingt.

Erste Ansprechpartner für die Eltern in allen organisatorischen Fragen sollen dann die Kindertagestätten sein. Zudem gibt es Elternbriefe. Für alle zusätzlichen Fragen soll spätestens ab 25. Mai aber auch eine zentrale Hotline der Stadtverwaltung geschaltet werden, in der die Eltern weitere Hilfestellung erhalten. Die Nummer wird Anfang der Woche bekanntgegeben.

Von Manfred Hitzeroth

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