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Marburg Lyrikkompanie macht Schluss mit lustig
Marburg Lyrikkompanie macht Schluss mit lustig
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00:15 03.07.2019
Carsten Beckmann (von links), Jürgen Helmut Keuchel und Peter Rollenske hoffen auf „Ein bisschen Frieden“. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Sie haben eigentlich alles durch. Sie haben die Liebe und den Tod besungen, freche Reime gerührt und geschüttelt, Schlager verhohnepiepelt, die Irrungen und Wirrungen der sozialen Netzwerke und des world wide web kritisch beleuchtet, Hit!Hit!Hit! beschworen. Und nun soll Schluss sein? Einfach so?

Jürgen Helmut Keuchel, Peter Rollenske und Carsten Beckmann, drei gestandene Herren jenseits der Midlife-Crisis (die haben sie irgendwann um 2010 mit „Du musst ein Schwein sein“ in die Wüste geschickt) hocken bei Wasser und Apfelschorle im brütend-heißen Büro und sagen allen Ernstes, dass sie Schluss machen. Aufhören. Aus. Vorbei. Ende Gelände.

„Alles hat seine Zeit“, zitiert der Lehrer Peter Rollenske, Saxofonist im Team, sogar die Bibel. Jürgen Helmut Keuchel, Schauspieler, Gründer und Mastermind der Lyrikkompanie ist ein wenig prosaischer: „Irgendwann is’ mal gut“, sagte er. Aber so ohne etwas Neues von ihren vielen Fans verabschieden wollen sich die drei Herren dann doch nicht. 20 oder 22 Programme – so genau weiß es Keuchel auf Anhieb nicht – hat die Marburger Lyrikkompanie seit 1999 auf die Bühne gebracht. Und sie hatte stets Keuchels Motto im Blick: „Es wird zu wenig gelacht.“ Lachen war ihre Medizin, die sie ihrem treuen Publikum im Szenario wohldosiert verabreichten.

Der letzte Paukenschlag wird politisch

Unpolitisch waren sie dabei nie: Auf einen Kalauer folgte schon mal ein linker Haken, um das Publikum wachzurütteln, zum Nachdenken zu bringen. Aber letztlich brachten sie Lyrik auf die Bühne. Schöngeistige, unterhaltsame, traurige, nachdenkliche, vor allem aber witzige. „Das letzte neue Programm wird in vieler Hinsicht anders als unsere bisherigen“, sagte Carsten Beckmann. „Abartig“, meint Keuchel.

„Ein bisschen Frieden“ wird es heißen. „Alle assoziieren damit doch dieses Lied“, sagt Rollenske und ergänzt: „Der Titel deutet an, dass wir einen gewissen politischen Anspruch haben.“ „Liebe, Tod und Teufel, das haben wir doch alles durch“, erklärt Beckmann. Als OP-Nachrichtenredakteur ist er gestählt im politischen Alltagsgeschäft. Er meint: „Wir sind in diesem Land in einer Situation, wo ein politisches Programm einfach einmal dran ist.“ Was sie präsentieren, verraten sie natürlich nicht. Nur: „So viel Politik hatten wir noch nie in einem Programm“, sagt Rollenske. Keuchel, der sich selbst eher links verortet, glaubt: „Im linksversifften Marburg kann das funktionieren.“ Und vorbeugend ergänzt er schon mal: „Das Publikum hat nicht weniger zu lachen, aber es wird todernst.“

In dieser Kernformation – also mit Keuchel, Rollenske und Beckmann – tritt die Lyrikkompanie seit 2002 auf. In der Regel hatte die Kompanie dabei Quartettstärke. In den zurückliegenden Jahren komplettierte Stefan A. Piskorz, ebenfalls Ensemblemitglied des Landestheaters Marburg, das Kleinkunstkollektiv. Er steht allerdings aktuell nicht mit auf der Bühne.

Neues Programm

„Ein bisschen Frieden“ hat am Samstag, 24. August, um 20 Uhr im Kleinkunstkeller Szenario im „Steinweg 1“ (ehemals Auflauf) Premiere. Die zweite Vorstellung ist am Sonntag, 1. September (19.30 Uhr). Reservierungen sind unter der Rufnummer des „Steinweg 1“ möglich: 0 64 21  / 68 13 49. Weitere Vorstellungen sind geplant.

von Uwe Badouin