Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg „Die Linke“ ist gegen Maximalplan
Marburg „Die Linke“ ist gegen Maximalplan
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:00 29.03.2022
Claudia Onkel und Matthias Koch-Schirmeister vom Vorstand der Bürgerinitiative „Rettet den Hohnes“ warben vor der Stadtverordnetenversammlung gegen die Aufnahmen einer 33 Hektar großen Fläche als Industriegebiet bei Moischt.
Claudia Onkel und Matthias Koch-Schirmeister vom Vorstand der Bürgerinitiative „Rettet den Hohnes“ warben vor der Stadtverordnetenversammlung gegen die Aufnahmen einer 33 Hektar großen Fläche als Industriegebiet bei Moischt. Quelle: Gianfranco Fain
Anzeige
Marburg

Leicht geändert sowie ergänzt und mit den Stimmen der sogenannten Klimakoalition mehrheitlich beschlossen ist seit Freitagabend (25. März) die Stellungnahme der Stadt Marburg zum Entwurf des Regionalplans, der in seiner Endfassung die Entwicklungsmöglichkeiten der Kommunen in Mittelhessen in den nächsten zehn Jahre vorgibt.

Vor der Evangeliumshalle in Wehrda nutzten Bürger aus Michelbach sowie Vertreter der Moischter Bürgerinitiative (BI) „Rettet den Hohnes“ die letzte Möglichkeit, um die Stadtverordneten auf ihre Abneigung des Regionalplanentwurfs oder auch Änderungswünsche aufmerksam zu machen. Vergeblich, wie die folgende Aussprache und auch die Abstimmung zeigte. „Über die Erforderlichkeit oder gar Vertretbarkeit weiterer großformatiger Flächenversiegelung wurde kaum noch ein Wort verloren. So konnte das Ergebnis der Abstimmung nicht überraschen“, urteilte Matthias Koch-Schirrmeister, Vorsitzender der BI.

„Linke“ vermissen Analyse und Bedarfsplan

Dem Standpunkt der Plan-Gegner, umstrittene Flächen gar nicht erst in den Regionalplan aufzunehmen, damit sie irgendwann nicht doch noch zu Gewerbe- oder Baugebieten werden, folgte nur die Fraktion der Partei „Die Linke“. Deren Sprecher vermissen eine Analyse und einen Bedarfsplan, bevor großflächige Gebiete für eine potenzielle Nutzung reserviert werden.

Tanja Bauder-Wöhr warf dem Oberbürgermeister vor, den Inhalt der sozial-ökologischen Wende nicht verstanden zu haben, wenn er davon spreche, einfach die Straße um acht Zentimeter zu erhöhen, damit in einem Hochwasserschutzgebiet Gewerbe angesiedelt werden könne. Tanja Bauder-Wöhr verwehrte sich auch gegen den Vorwurf, „Die Linke“ sei erneut eine Nein-Sager-Partei: „Wir benennen Versäumnisse der Koalition und wollten deshalb nicht mit Euch regieren.“ Man habe Zustimmung signalisiert, auch kritisiert und ferner Vorschläge gemacht, wie zum Beispiel das Aufstocken von Gebäuden, ergänzte „Die Linke“-Vertreterin.  

Die CDU/FDP-Fraktion verweigerte ebenfalls das „Ja“ zur Stellungnahme. Nicht weil zu viel weitere Flächen im Entwurfsplan ausgewiesen sind, sondern weil der Magistrat das Regierungspräsidium dazu auffordert, über die überregionale Verkehrsanbindung des Pharmastandortes Görzhäuser Hof nachzudenken. Das wertete der Christdemokrat Walter Jugel als Versuch, „die eigene Untätigkeit zu verbergen“ und äußerte die Befürchtung, dass die bereits bewilligte Studie zur Anbindung über eine Westumgehung oder den Behringtunnel nicht stattfinden und das Thema im MoVe35-Konzept untergehen werde.

„Schritt in die richtige Richtung“

Die Vertreter der Koalition vertraten wie auch im Bauausschuss ihre Positionen, dass der Regionalplan Möglichkeiten eröffne, was umzusetzen sei, aber in Marburg entschieden werde. Von einem „Schritt in die richtige Richtung“ sprach Christian Schmidt. Man gedenke nicht, die Flächen auszuschöpfen, fügte der Fraktionsvorsitzende der Grünen an, sondern wolle den Herausforderungen des Klimawandels und der Entwicklung gerecht werden. Deshalb stimme man für eine Verkleinerung der Fläche am Hasenkopf zu, verzichte darauf, die Lahnaue zum Gewerbegebiet deklarieren zu lassen, und beantrage eine verkleinerte Fläche bei Moischt.

Salomon Lips, Fraktionsvorsitzender der Klimaliste, wertete das Signal des RP als ein fatales „weiter so“, weshalb Einwände aus Marburg wohl nicht akzeptiert würden. Am Ende entscheide aber Marburg, welche Flächen genutzt würden, womit man am Ende der Utopie näher komme, dem Verändern der Qualität statt der Quantität. Lips nannte das Verringern der Wohnfläche pro Kopf, das Stärken von regionalem Handwerk und Wirtschaftskreisläufen sowie dem Überflüssigmachen von 50 Prozent des Autoverkehrs.

Steffen Rink meinte, er habe inhaltlich wenig gehört. Der SPD-Fraktionschef zählte auf, worum es gehe: günstigen Wohnraum schaffen, ebenso gute, qualifizierte Arbeitsplätze und Klimaschutz. Es handele sich um eine Stellungnahme für eine „gute Entwicklung der Stadt, die Möglichkeiten eröffnet“.   

Von Gianfranco Fain

Marburg Gala zu Marburg800 - Happy Birthday, Marburg!
11.04.2022
Marburg Internationales Suppenfest - Maissuppe belegt den ersten Platz
28.03.2022