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Marburg Die Jogger mit der vollen Mülltüte
Marburg Die Jogger mit der vollen Mülltüte
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00:16 24.07.2018
Beim ersten Marburger „Plogging“-Lauf machten 30 Läufer mit und sammelten 32 Säcke Müll.  Quelle: Heiko Krause / Stadt Marburg
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Marburg

Laufen, stoppen, ­bücken, Müll aufsammeln, eintüten und weiterlaufen: So kann man sich vorstellen, was hinter dem Begriff „Plogging“ steckt. Die Wortschöpfung stammt aus Schweden und ist eine Kombination aus „Joggen“ und „plocka upp“ (schwedisch für aufheben). Der umweltfreundliche Fitnesstrend hat deutsche Großstädte erobert und ist nun auch in der Universitätsstadt Marburg angekommen.

Der passionierte Läufer Sascha­ Christ, den viele als ­Musiker der Band „Oh, Alaska“ oder als Schlagzeuger der Biedenkopfer Schlossfestspiele kennen, hat vor Kurzem damit begonnen, sein Lauftraining ums Müllsammeln zu bereichern. „So trainiert man auch den Rücken – und man tut etwas Gutes für die Umwelt.“

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Der Marburger Sascha Christ „ploggt“ seit einiger Zeit regelmäßig. Seine Beute ist jedes Mal eine volle Mülltüte. Privatfoto

Wie Passanten auf den Jogger mit der Mülltüte reagieren? „Manche schauen erst mal genauer hin, von den meisten bekommt man viel Lob und Anerkennung“, berichtet der 40-Jährige, der mehrmals wöchentlich vom Südviertel aus an der Lahn entlang in Richtung Niederweimar joggt.

Seit Neuestem öfters mit der Mülltüte im Gepäck und Handschuhen an den Fingern. „Man entdeckt so viele Sachen, die man einsammeln könnte, stellenweise könnte man alle zwei Meter stehen bleiben“, erzählt er über seine Erfahrungen mit „Plogging“ in Marburg. „Die Mülltüte wird immer voll. Und die Handschuhe braucht man dringend, um seine Hände zu schützen – nicht nur vor Schmutz, sondern beispielsweise auch vor scharfkantigen Konservendosen.“

Mitstreiter gesucht

Interessiert, gemeinsam mit anderen zu „ploggen“? Sascha Christ nimmt Anfragen entgegen.
Seine Kontakt-E-Mail lautet: marburgplogger@gmx.de 

Von der achtlos weggeworfenen Schokoriegel-Verpackung übers fallengelassene Bonbon-Papier bis hin zur Aluschale ist schon allerhand in Sascha Christs Müllbeutel gelandet. „Neulich habe ich sogar einen alten Ghetto-Blaster entdeckt, der war aber zu schwer, um ihn beim Laufen mitzunehmen.“

Den Müll, den andere rücksichtslos hinterlassen haben, nimmt Sascha Christ mit nach Hause und entsorgt ihn dort. „Das ist eine gute Sache – ich hoffe, dass noch mehr Leute Lust haben, mitzumachen“, sagt der Marburger, der gern ­eine ­„Plogging“-Gruppe gründen oder sich zumindest regelmäßig zum „Ploggen“ verabreden würde.

Erster „Plogging“-Lauf

Denn schließlich nutzt der Trend aus Schweden nicht nur der Umwelt, sondern bringt auch einen Mehrwert für den Körper durch die Beanspruchung weiterer Muskelgruppen beim regelmäßigen Bücken. „Ich bekomme ­ davon keinen Muskelkater, weil ich relativ fit bin“, sagt Sascha Christ schmunzelnd.

Auf seinen Streifzügen hat der Marburger meist noch eine zweite Mülltüte mit dabei, „falls jemand spontan mitmachen will“. Bislang ist das nicht passiert. „Aber es kommt gut an – und ich denke, dass Marburg eine Stadt ist, in der sich viele dafür interessieren könnten. “Darauf deutet auch die Resonanz auf eine erste gemeinschaftliche „Plogging“-Aktion hin. Der Marburger Läufer Jan Waldschmidt hatte sie Anfang Juli organisierte. 

Eine feste Einrichtung?

30 Läufer gingen nach dem Startschuss am Georg-Gaßmann-Stadion links und rechts der Lahn auf die Strecke. Sie sammelten etwa 100 Kilo Unrat und füllten damit 32 Säcke. Mit dabei war auch Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. „Ich freue mich immer, wenn Menschen dazu gebracht werden, sich mehr zu bewegen, denn das ist unglaublich wichtig für die Gesundheit. Wenn von einer Aktion gleichzeitig die Umwelt profitiert, ist das natürlich umso schöner“, sagt das Stadtoberhaupt in einer Pressemitteilung über den „Plogging“-Lauf.

Die Stadt unterstützte die Aktion, indem sie die Teilnehmer mit Papierzangen, Westen und Müllsäcken ausrüstete. Die Mitarbeiter der städtischen Dienstleistungsbetriebe nahmen die gefüllten Säcke ­entgegen.
Mit weiteren „Plogging“-Läufen könnte der Fitnesstrend aus Schweden in Marburg zu einer festen Einrichtung werden. Und vielleicht auch zu einem neuen Gruppenangebot. „Plogger“ ­Sascha Christ wäre jedenfalls ­offen dafür, eine „Plogging“-Gruppe zu gründen.

von Carina Becker-Werner