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Marburg Die Grippe kommt
Marburg Die Grippe kommt
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14:00 16.01.2020
(Archivfoto) Der Arzt Dr. Markus Heinzinger impft einen Patienten gegen Influenza. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

In den ersten zwei Wochen des Jahres mussten im Landkreis Marburg-Biedenkopf nach OP-Recherchen ungewöhnlich viele Patienten stationär mit einer Influenza (Grippe)-Erkrankung aufgenommen werden. Zudem waren die Verläufe bei nicht geimpften Patienten zum Teil sehr schwer und kritisch.

Auffällig war zudem, dass solche Fälle sowohl im Universitätsklinikum, im Diakonie-Krankenhaus Wehrda und im DRK-Krankenhaus in Biedenkopf auftraten, also alle Kliniken des Landkreises betroffen waren.

Gleichzeitig berichten die Hausärzte, dass sich insgesamt weniger Patienten als im letzten Jahr haben gegen Grippe impfen lassen, Impfstoff steht noch reichlich zur Verfügung.
Während das Gesundheitsamt des Landkreises Marburg-Biedenkopf zu diesem Zeitpunkt der Grippesaison in der Grippesaison 2018/2019 zwei bestätigte Fälle dokumentierte (Hessen: 95), sind es in der aktuellen Saison bereits elf Erkrankungsfälle (Hessen: 373), von denen sogar schon zwei Fälle zum Tode der betroffenen Patienten führten.

Um schwere Komplikationen bei Grippe zu vermeiden, wird die Schutzimpfung besonders Menschen über 60 Jahren, Schwangeren sowie Menschen mit chronischen Erkrankungen empfohlen. Die Impfung schützt aber prinzipiell alle Personen gegen Grippe.

HINTERGRUND

Influenzaviren verändern sich mit hoher Geschwindigkeit. Nach einem Jahr haben sie häufig deutlich veränderte Eigenschaften, weshalb die Grippeschutzimpfung jedes Jahr mit aktuellen Virusstämmen aufs Neue wiederholt werden muss. Vor Kurzem erhobene Untersuchungen des Robert-Koch-Instituts sagen je nach Virustyp eine gute bis sehr gute Passgenauigkeit des diesjährigen Grippe-Impfstoffes voraus, erklären hierzu die Mediziner im Landkreis.

„Wir müssen einen Herdenschutz aufbauen“, verdeutlicht Professor Dr. Harald Renz, Ärztlicher Geschäftsführer am UKGM. Gemeint ist: Je mehr Menschen sich jetzt noch impfen lassen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Grippewelle in diesem Jahr doch glimpflicher abläuft als derzeit befürchtet wird.
Zum jetzigen Zeitpunkt macht eine Impfung auch noch Sinn, da die Wirkung noch früh genug vor dem erwarteten Anstieg der Grippefälle einsetzen wird. Laut Professor Renz dauert es etwa zwei Wochen ab Impfung, ehe der Impfschutz zu einhundert Prozent wirkt.

Da traditionell der Höhepunkt der Grippewelle Anfang Februar einsetzt, ist es jetzt aber höchste Eisenbahn.

Wie Gesundheitsamt, niedergelassene Ärzte und die drei Krankenhäuser im Landkreis in einer gemeinsamen Erklärung betonten, schützt die Impfung nicht vollständig vor einer Infektion, man kann auch trotz einer Impfung an einer Grippe erkranken. In der Regel ist der Krankheitsverlauf dann aber deutlich harmloser als ohne Impfung.
Angesichts dessen und der in den letzten Tagen aufgetretenen sehr schweren Krankheitsverläufe raten die Mediziner im Landkreis dringend, die Impfung beim Hausarzt noch in Anspruch zu nehmen.

Eine echte Grippe wird durch Influenzaviren hervorgerufen und mittels Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen. Die Viren befallen die oberen und unteren Atemwege und können hohes Fieber, schweren Husten und extremes Schwächegefühl verursachen. Die Symptome entsprechen denen einer schweren Lungenentzündung. Anders als bei der bakteriellen Lungenentzündung sind aber Antibiotika gegen Grippeviren unwirksam. Gegen Influenzaviren gerichtete Medikamente (etwa Tamiflu®) helfen nur bei sehr frühzeitigem Einsatz und kommen daher oft zu spät. Den bislang besten Schutz bietet die Impfung, die durch eine Injektion in den Oberarm verabreicht wird. Impfen darf im Übrigen jeder Arzt.