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Marburg Arbeit für Körper und Geist
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10:58 24.07.2021
Florian Horst (Friedhofsgärtner, links) und Eric Simon (Azubi zum Friedhofsgärtner, rechts) gestalten ein Übungsgrab.
Florian Horst (Friedhofsgärtner, links) und Eric Simon (Azubi zum Friedhofsgärtner, rechts) gestalten ein Übungsgrab. Quelle: Lucas Heinisch
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Marburg

Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern und Ruhe liegt in Luft. Für Florian Horst und Eric Simon ist es eine besinnliche Atmosphäre. Sie sind Friedhofsgärtner bei der Gärtnerei Link aus Marburg. Mit Scheren machen sie sich an die Pflanzen und Sträucher auf einem von acht Übungsgräbern, die auf dem Friedhof Rotenberg in Marburg zu finden sind.

Für die Gestaltung eines Grabes kann man sich an verschiedenen Dingen orientieren. „Der Standort, der Stein und die Farbe“ seien die ersten Anhaltspunkte für Horst, wenn er eine Grabstelle gestaltet. Man könne beispielsweise auch Formen und Gestaltungselemente des Grabsteins wie Rundungen durch die Bepflanzung aufgreifen und darstellen. Sein Kollege Simon fügt hinzu, dass die Gestaltung eines Grabes immer unterschiedlich verläuft. „Es ist nie das gleiche Vorgehen“, sagt er.

Kreativität und menschlicher Umgang sind wichtig

Insgesamt betreut die Gärtnerei Link, die seit 1948 existiert, aktuell um die 1700 Gräber. Sowohl handwerklich als auch menschlich ist der Beruf als Friedhofsgärtner anspruchsvoll, wie Christina Hoell, Chefin der Gärtnerei, und Bernd Naumann, Obergärtner bei der Gärtnerei, erzählen. Vom Kontakt zum Steinmetz für die gestalterische Abstimmung, über die Bepflanzung und Pflege des Grabes auch in Hinsicht auf die Jahreszeiten, bis hin zum Kundenkontakt und individuelle Beratung hat der Beruf viel zu bieten. Beim Pflegen und Gestalten von Grabstätten sind zum Beispiel auch Trends und Entwicklungen zu beobachten, erklärt Hoell, „Bienenfreundliche Blumen sind derzeit sehr beliebt“, sagt sie.

Obergärtner Naumann erzählt, dass es auch noch auf andere Faktoren bei der Grabgestaltung ankommt. „Kreativität ist gefragt“. Man versuche als Friedhofsgärtner „seine Gedanken zum Ausdruck zu bringen“, erklärt Naumann. Hinzu komme der individuelle Geschmack des Kunden und Gärtners. Dabei könne man auch auf die Lieblingsfarben und -pflanzen der Verstorbenen oder des Verstorbenen eingehen. „Es ist ein sehr persönlicher Beruf“, so Naumann. Bei der Gestaltung eines Grabes könnten zwischen zwei und fünf Stunden vergehen.

Doch wie kommt man dazu, eine Ausbildung zum Friedhofsgärtner zu beginnen? „Die ganze Zeit im Büro rumsitzen wollte ich nicht“, erzählt der 37-jährige Simon. Es sei nicht die erste Berufsausbildung für ihn. Studiert habe er auch schon. Richtig erfüllend sei es jedoch nicht gewesen, meint er.

Ein Beruf, der statt Büro Natur und Chancen bietet

Die Ausbildung zum Friedhofsgärtner gefalle ihm. „Der Gärtnerberuf ist ein schöner Beruf“, sagt er mit einem Lächeln im Gesicht. Dem stimmt auch sein Kollege Horst zu. Simon hat sich deshalb gegen einen Bürojob und für einen Beruf im Freien entschieden. „Ein Friedhof und die Atmosphäre kann auch schön sein“, sagt er. Man sei immer draußen und sei vielleicht auch ausgeglichener, ergänzt Naumann.

Dass Azubis vor ihrer Ausbildung zum Friedhofsgärtner bereits eine andere Ausbildung absolviert oder studiert haben, sei nicht ungewöhnlich, wie Hoell aus ihrer Erfahrung als Chefin der Gärtnerei berichtet. „Leute, die vorher was anderes gemacht haben, das ist häufig der Fall“. Bei der Entscheidung für eine Ausbildung zum Friedhofsgärtner spiele auch die Kreativität im Beruf eine Rolle.

„Man möchte etwas gestalten“, meint Hoell, und vielleicht nicht nur drinnen sitzen. Für Hoell ist auch die Arbeitsumgebung ein wichtiger Aspekt. „Der Friedhof ist wie ein Parkanlage“, sagt sie.

Unterschiedliche Fachkenntnisse sind gefragt

Aber was sich auf den ersten Blick idyllisch anhört, ist nicht immer einfach. Der Beruf als Friedhofsgärtner sei „kein leichter Beruf“, wie Simon sagt. Neben allgemeinen Fächern wie Mathematik und Deutsch, würden noch andere Fächer in der Berufsschule behandelt. Dazu gehörten zum Beispiel Botanik, Bodenkunde oder Pflanzenschutz.

„Ein breites Wissen ist gefordert. Pflanzenkenntnisse sind gefragt. Es ist ein wirkliches Handwerk“, erklärt Franz Link, Senior-Chef der Gärtnerei. Die Anforderungen seien hoch und gute schulische Leistungen seien wichtig. Der 24-jährige Horst hat seine Ausbildung zum Friedhofsgärtner bereits bestanden. Simon steht noch vor diesem Schritt. Er hat vor Kurzem die Zwischenprüfung seiner Ausbildung absolviert.

„Peu à peu wird man herangeführt“, berichtet Simon aus eigener Erfahrung. Nach seiner Ausbildung könne sich der Azubi vorstellen, den Beruf weiterzumachen. Er sei „gut für Körper und Seele“ und man habe immer Bewegung.

Ausbildung zum Friedhofsgärtner

Die Ausbildung zum Friedhofsgärtner dauert in der Regel drei Jahre. Mit einer bereits abgeschlossenen Berufsausbildung oder einem höheren Schulabschluss (Abitur oder Fachhochschulreife) kann die Ausbildung auf zwei Jahre verkürzt werden. Die praktische Ausbildung findet im anerkannten Ausbildungsbetrieb statt. Der Berufsschulunterricht findet tages- oder blockweise statt. Zudem gibt es auch überbetriebliche Lehrgänge. Nach der Ausbildung kann bei Interesse eine Weiterbildung zum Meister oder Techniker angeschlossen werden. Ein Studium im Gartenbau oder in der Landschaftsarchitektur ist anschließend ebenfalls möglich.

Ausbildungsinhalte sind unter anderem: Bepflanzungen anlegen und pflegen, Kundenberatung und -betreuung, Grabstätten gestalten und Kultivierung von Pflanzen. Als Voraussetzung für eine Ausbildung zum Friedhofsgärtner sollte man verschiedene Fähigkeiten und Interesse mitbringen. Dazu gehören zum Beispiel: Spaß an Natur und Pflanzen, Kreativität und handwerkliches Geschick, Teamfähigkeit und Einfühlungsvermögen.

Von Lucas Heinisch

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