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Marburg Erster Optimismus – aber nicht überall
Marburg Erster Optimismus – aber nicht überall
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19:58 30.05.2021
Aperol Spritz und Limo stehen auf einem Tisch zweier Gäste (Themenfoto).
Aperol Spritz und Limo stehen auf einem Tisch zweier Gäste (Themenfoto). Quelle: Annette Riedl/dpa
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Dillenburg

Die heimische Wirtschaft signalisiert Optimismus: In der Frühjahrsumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lahn-Dill überschreitet der Geschäftsklimaindex zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder die 100-Punktemarke und klettert auf 110 Indexpunkte.

Das sind 12 Punkte mehr als noch zu Jahresbeginn. Zum Vergleich: Auf Hessenebene erreicht der Klimaindex 104 Punkte im Durchschnitt (+10 Indexpunkte), auf Bundesebene 101,5 Punkte.

Ein Drittel der Unternehmen schätzt ihre Lage als gut ein

Ein Drittel der Unternehmen schätzt ihre Lage als gut ein, auch bei der Beurteilung der zukünftigen Geschäftsentwicklung ist in der Frühjahrsumfrage mehr Zuversicht spürbar als noch zu Jahresbeginn.

Allerdings bleibe die Stimmung in der Wirtschaft zweigeteilt, erläutert der Konjunkturexperte der IHK Lahn-Dill, Armin Kuplent: „Dass ein Drittel unserer Unternehmen die aktuelle Geschäftslage zum zweiten Mal in Folge positiv beurteilt, haben wir vor allem unserem starken Industriestandort zu verdanken. Das Verarbeitende Gewerbe verzeichnet steigende Auftragseingänge und hat gute Exportaussichten.

Hilfsprogramme weiter wichtig

Sorgen bereiten aber nach wie vor insbesondere das Gastgewerbe, die Veranstaltungs- und Reisewirtschaft sowie der stationäre Non-Food-Handel, die seit einem halben Jahr oder länger kaum auskömmlich wirtschaften konnten. Hier werden für einzelne Branchen Hilfsprogramme weiterhin notwendig bleiben“, so Kuplent weiter.

Die Lagebeurteilung im heimischen Einzelhandel hat sich zum vierten Mal in Folge verschlechtert – im Vergleich zur Vorumfrage um 11 Prozentpunkte auf minus 14 Prozent. Katastrophale Rückmeldungen kommen aus der Gastronomie- und Beherbergungsbranche.

Haschker: „Öffnungsschritte zu spät“

Nahezu alle Betriebe sprechen hier von einer schlechten Geschäftslage: „Die derzeitigen Öffnungsschritte kommen für viele von uns zu spät: Wer die vergangenen Monate überlebt hat und jetzt wieder Gäste empfangen darf, dem fehlt nun das Personal“, erklärt André Haschker, Wirtschaftsjunior und Geschäftsführer vom B&B Hotel Wetzlar.

„Viele Mitarbeiter in der Gastronomie haben sich spätestens mit dem Ausfall des Ostergeschäfts in anderen Branchen Arbeit gesucht oder wurden von anderen Branchen abgeworben. Das Gastgewerbe liegt teilweise am Boden. Sowohl für die Unternehmen als auch für die Mitarbeiter waren die Hilfsprogramme zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel.“

19 Prozent rechnen mit sinkenden Zahlen

Das Klima in der Wirtschaft spiegelt sich auch in den Beschäftigungsaussichten wieder. Sie haben sich gegenüber der Vorumfrage deutlich verbessert: 81 Prozent der Unternehmen planen mit gleichbleibendem oder steigendem Personalbestand, 19 Prozent gehen von sinkenden Zahlen aus. Doch auch hier zeigt sich die Zweiteilung: Vor allem in der Industrie hat sich das Pendel aus Richtung Personalabbau in Richtung Personalaufbau bewegt, der Einzelhandel geht von rückläufigen Beschäftigtenzahlen aus.

Als Belastung für einen breiten Wirtschaftsaufschwung kristallisieren sich hohe Preise und Knappheiten bei Energie und Rohstoffen heraus, die als Geschäftsrisiko im Vergleich zur Vorumfrage von 32 auf 50 Prozent sprunghaft angestiegen sind.

Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung

Die Material- und Energiebeschaffung ist nach den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen die neue Nummer zwei bei den Geschäftsrisiken: „Lieferengpässe, Handelsrestriktionen und eine hohe globale Nachfrage führen bei Metallen, Kunststoffen und Baumaterialien wie Holz aktuell zu stark steigenden Preisen. Zwar haben die Steigerungen schon vor etwa einem halben Jahr begonnen, doch seit Februar explodieren die Preise geradezu“, erklärt Professor Johannes Weg, Geschäftsführer Hailo Wind Systems und Mitglied des Industrieausschusses der IHK Lahn-Dill.

Die Preisanstiege hätten Unternehmensberichten zufolge in Kombination mit sehr schlechter Verfügbarkeit ein bisher nicht gekanntes Niveau erreicht.

Von unseren Redakteuren

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