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Marburg Feuerwehrleute fordern Trainingszentrum
Marburg Feuerwehrleute fordern Trainingszentrum
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00:19 16.04.2019
Flashover-Übungen, wie hier im landeseigenen Brandcontainer, könnten zukünftig auf dem Trainingsgelände in Cappel regelmäßig stattfinden. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

„Die Geräte sind es nicht, die den Brand löschen, sondern die Menschen, die sie bedienen“, betont Andreas Brauer, stellvertretender Leiter der Feuerwehr Marburg. Deswegen hofft er auf den Bau eines Trainingszentrums. Die 540 Mitglieder müssen auf einem guten Ausbildungsstand sein, neue Mitglieder Einsatzsituationen immer wieder üben können. Derzeit ist das nur mit viel Verwaltungsaufwand möglich und ehrenamtlich kaum mehr zu stemmen.

Vor 15 Jahren ist die Idee so eines Zentrums schon entstanden. Seitdem kämpft Andreas Brauer hartnäckig um die Umsetzung. Ursprünglich am alten Feuerwehrhaus in Cappel geplant, würde sich jetzt der neue Standort am ehemaligen Flüchtlingscamp viel besser eignen. Auch dafür hat Brauer ein Konzept. Die Hochbauabteilung der Stadtverwaltung muss dieses noch zu Papier bringen, zusammen mit den Kosten. Liegt das dem Magistrat vor, kann er entscheiden.

"Wenn sie jetzt nicht bauen, wann dann?"

Und Brauer hofft auf einen positiven Entscheid. „Wenn sie jetzt nicht bauen, wann dann?“, fragt er. Schließlich würde die Stadt viel Geld sparen können, wenn sie das Trainingszentrum zusammen mit dem Gerätehaus der Feuerwehr Cappel bauen würde. Versorgungsleitungen, Bodenplatte, Außengelände – all das könnte jetzt gemeinsam geplant werden. „Ansonsten wird es Flickschusterei“, ist sich Andreas Brauer sicher.

Allein das Gießen der Bodenplatte würde zu einem späteren Zeitpunkt 300.000 Euro zusätzlich kosten. Auch könnte Geld durch die obsolet werdende Sanierung des Turmes an der Hauptwache eingespart werden. Über eine halbe Million Euro hätte die Stadt demnächst am Erlenring investieren müssen. „Geld, welches in dem neuen Trainingszentrum besser angelegt wäre“, sagt Andreas Brauer.

Die geschätzten Kosten für das Zentrum liegen bei zwei Millionen Euro. „Dann hätten wir zumindestens einen Startschuss“, sagt der stellvertretende Leiter der Feuerwehr Marburg. Dass sich das Trainingszentrum in den kommenden Jahren weiterentwickeln müsste, stehe außer Frage. Aber auch das wäre an der Umgehungsstraße in Cappel möglich, da das Gelände der Stadt Marburg gehört.

Prause: Trainingszentrum ist eine notwendige Investition

Marc Prause, Sprecher der Ehrenamtlichen Kräfte, sieht das Trainingszentrum als notwendige Investition in die Sicherheit der Einwohner und der ehrenamtlichen Kräfte: „Elektroautos, Photovoltaikanlagen, Biogasanlagen, Windräder oder Niedrigenergiehäuser stellen unsere Kräfte im Einsatzfall vor immer neue Herausforderungen und Schwierigkeiten. Von einer Seilbahn oder einem Tunnel will ich noch gar nicht reden“, betont er im OP-Gespräch. „Schon der kleinste Fehler könnte verhängnisvolle Folgen haben.“

Ihm ist bewusst, dass die Stadt aufgrund des Investitionsstaus der vergangenen Jahre derzeit viel Geld in die Ausstattung der Feuerwehr investieren muss. „Aber damit wir diese auch im Einsatz richtig nutzen können, braucht es nicht nur eine erstklassige Ausbildung, sondern auch Trainingsmöglichkeiten“, stellt er klar. Durch Studenten herrsche eine hohe Fluktuation in der Feuerwehr Marburg. Will heißen, dass es zwar viele neue junge Kräfte gibt, die aber auch dementsprechend geschult werden müssen.

Immer weniger Privatleute stellen ihre Häuser oder Rohbauten für Übungszwecke zur Verfügung. Genau solche Löschvorgänge könnten in dem Trainingszentrum aber simuliert werden. Ebenso das Helfen in Höhen und Tiefen, wie beispielsweise auf Baustellen mit Kränen oder Gruben. Im Moment kann dies nur sehr vereinzelt geschehen.

Synergien mit anderen Rettungsdiensten denkbar

Gleiches gilt für das Üben der Wasserentnahme aus der Lahn. Bevor ein Schlauch in den Fluss gehalten werden darf, müssen etliche Genehmigungen eingeholt werden. Ähnlich sieht es bei Löschübungen mit Schaum aus, da dieser nicht ins Ökosystem einer Kläranlage gelangen darf. Selbst eine einfache Ölspur darf für Simulationszwecke nicht einfach überall ausgebracht werden. All das könnte ein Trainingszentrum gewährleisten, nicht nur für die Feuerwehren in Marburg. Synergien mit anderen Rettungsdiensten oder Wehren aus dem Landkreis sind durchaus denkbar.

Andreas Brauer und Marc Prause wissen, dass die Investitionssumme hoch ist. „Bürgermeister und Brandschutzdezernent Wieland Stötzel hat zugesagt, dass alle im Bedarfs- und Entwicklungsplan aufgeführten Maßnahmen genauso umgesetzt werden und die finanziellen Mittel bereitgestellt werden“, erinnert Marc Prause die Politik an ihr Versprechen. Sollte sie es brechen, „werden wir notfalls auf die Barrikaden gehen“, sagt der Moischter kämpferisch. Und Andreas Brauer betont noch einmal: „Ehrenamt ist zwar unentgeltlich, das heißt aber nicht, dass es kein Geld kostet.“

von Katja Peters