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Marburg Die Devise lautet: Abstand halten
Marburg Die Devise lautet: Abstand halten
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16:48 24.03.2020
Vor dem Einkaufszentrum in Cappel stand am Montag eine lange Schlange an Einkaufswagen. Es war wenig los. Quelle: Fotos: Nadine Weigel
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Marburg

Ruhig war es am Wochenende in der Stadt. Lediglich der Markt im Südviertel war vormittags sehr gut besucht. Von Corona-Krise war da nur wenig zu spüren, der Abstand wurde nur selten eingehalten.

Ein ähnliches Bild bot sich dem Marburger Jan Forge am Sonntag vor der Kirche in seiner Nachbarschaft. Dort hatte sich eine Gruppe Gläubiger eingefunden und redete miteinander. Forge rief die Polizei und veröffentlichte Fotos in den sozialen Medien. „Etwa 100 Leute haben sich gemeldet und sich bedankt, dass ich so reagiert habe“, berichtet er im OP-Gespräch. In einem Video hatte er sich Luft gemacht über die „Verantwortungslosigkeit der Menschen und auch des Geistlichen“. Der kam noch zu ihm, nachdem die Polizei alles aufgelöst hatte, um ihm mitzuteilen, dass es jetzt keine Gottesdienste mehr geben würde, so Forge.

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Derweil hat sich am Montag im Landkreis Marburg-Biedenkopf die Zahl der Personen, die sich mit dem Corona-Virus infiziert haben, auf 65 erhöht, wie der Kreis gestern mitteilte. Bis auf einen Betroffenen, der stationär im Krankenhaus behandelt werde, befinden sich alle Infizierten in häuslicher Isolierung. Ergänzend zu seiner jüngsten Allgemeinverfügung und dem darin aufgeführten Verbot von „Hamsterkäufen“ teilt der Landkreis erläuternd mit, dass es sich bei dem Begriff „haushalts­üblicher Umfang“ um einen sogenannten unbestimmten Rechtsbegriff handelt. Dieser würde auf Basis des Infektionsschutzgesetzes verwendet, „da wir in der Allgemeinverfügung nicht alle im Einzelfall notwendigen Lebensmittel auflisten können. Zudem würden wir den Menschen dann auch vorschreiben, was sie kaufen dürfen und was nicht“, erläutert Landrätin Kirsten Fründt. Es komme also auf den konkreten Bedarf im Einzelfall an und derjenige, der einen größeren Bedarf habe, müsse dies gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel nachvollziehbar darlegen. „Darüber hinaus ist dies auch als Weckruf an die Vernunft und die Solidarität der Menschen zu verstehen. Wir appellieren einmal mehr an den gesunden Menschenverstand. Die Versorgung mit Dingen des täglichen Bedarfs, auch mit Lebensmitteln, ist gesichert. Es besteht also gar kein Grund, sich über das übliche Maß hinaus mit Klopapier oder Nudeln einzudecken“, unterstreicht die Landrätin.

Sie empfinde die sogenannten Hamsterkäufe zudem als extrem unsozial. „Wer für einen größeren Personenkreis einkaufen will, etwa für eine Wohngruppe oder im Rahmen der Nachbarschaftshilfe, muss diesen Bedarf nachvollziehbar darlegen, etwa mit einer entsprechenden Bescheinigung oder Vollmacht des Auftraggebers“, betont Fründt.

Die neuen Einkaufsregeln indes haben die Menschen offenbar überwiegend schnell verstanden. In einer Drogerie in Wetter stattet das Kassenpersonal am Samstag nach dem Kassieren die Einkaufswagen mit Einmalhandschuhen aus. Erst danach darf der nächste Kunde in den Laden. Die Zahl der Kunden wird über die Einkaufswagen geregelt. Die meisten haben Verständnis und weisen sich vor dem Laden gegenseitig auf die Neuerung hin.

Nur einer ist uneinsichtig und schlüpft in den Markt. Er hat aber nicht mit der Aufmerksamkeit des Personals gerechnet. „Heda, Sie mit der Mütze“, schallt es durch den ganzen Laden. „Ohne Einkaufswagen kein Zutritt!“.

Der Missetäter versucht noch ein wenig zu argumentieren, er wolle nur eine Tube Zahnpasta. Aber Kassiererin und Kunden kennen kein Erbarmen. Der Mann verschwindet kleinlaut aus dem Laden.

Andere Lebensmittelgeschäfte im Kreis haben Abstandsmarkierungen auf dem Boden angebracht oder Security am Eingang stehen, damit die Kunden auf den erforderlichen Abstand zueinander achten.

Von Katja Peters

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