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Marburg Betriebe konkurrieren um Azubis
Marburg Betriebe konkurrieren um Azubis
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19:26 26.07.2019
Ein Auszubildender beim Gasschweißen. Wer noch eine Ausbildungsstelle sucht, hat gute Karten. Quelle: Sebastian Kahnert
Marburg

„Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt ist immer noch gut“, sagt Gerhard Wenz, Bereichsleiter bei der Agentur für Arbeit Marburg. Es gebe noch ungefähr 500 freie Stellen – „wer also noch einen betrieblichen Ausbildungsplatz sucht, hat gute Chancen. Er sollte sich dann bei uns melden“, sagt Wenz.

Und: Selbst, wenn auf den ersten Blick vielleicht nicht das Passende dabei sei – ob örtlich oder fachlich–, könne man dennoch derzeit „noch sehr gut Alternativen gemeinsam mit dem Jugendlichen erarbeiten und ihn unterstützen“, so Wenz.

Doch der Bereichsleiter verdeutlicht auch: „Der Ausbildungsmarkt ist mittlerweile ein Bewerbermarkt.“ Zwar gebe es in diesem Jahr leicht weniger Bewerber, als im Vorjahr – nämlich 1.532 statt 1.609. „Gleichzeitig ist die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen auch noch leicht gestiegen“, sagt Wenz – nämlich von 1.571 auf 1.596. „Das dokumentiert, dass sich das Verhältnis beinahe deckt – rein rechnerisch müsste also jeder einen Job finden.“

Chancen für Bewerber " so gut wie lange nicht mehr"

Die Chancen stünden für Bewerber also „so gut wie schon lange nicht mehr“. Ziel sei es, möglichst bis zum 30. September „gemeinsam mit den Berufsberatern und dem Arbeitgeberservice dafür zu sorgen, mit einem Endspurt möglichst wenige unversorgte Bewerber zu haben.“

Astrid Heydecke, Teamleiterin der Berufsberatung in der Agentur für Arbeit Marburg, sagt: „Wir schauen natürlich schon, welche Alternativen es gibt. Denn es kann ja auch sein, dass ein Bewerber abgelehnt wurde, weil er für seinen Traumberuf nicht geeignet ist.“

Aber vielleicht sei ja jemand, der sich für das ­Berufsfeld der Bankkaufleute interessiert, „dann können wir zunächst bei den weiteren kaufmännischen Berufen schauen“, erläutert sie. Und wenn dabei nichts sei, „dann ziehen wir den Fokus weiter auf, schauen nach Interessen, um etwas Passendes zu finden“. 

Gerhard Wenz verdeutlicht: „Wenn es am Ort scheitert, ist es natürlich schwer, etwas zu erreichen.“ Wer aber gerne mit Zahlen sowie mit Kunden im Dienstleistungsbereich arbeite, sich mit Zahlen gut auskenne, für den könne ja beispielsweise auch das Thema Steuerfachangestellter passend sein. „Denn der ­Beruf ist attraktiver, als es die Berufsbezeichnung vermuten lässt“, so Wenz.

Arbeitgeber sollten nicht nur auf die Noten schauen

Die Betriebe würden immer stärker um die weniger gewordenen potenziellen Azubis konkurrieren. „Es gibt durchweg noch Chancen. Ob es natürlich immer der Wunschberuf ist, oder ob wir gemeinsam Alternativen erarbeiten können, das zeigt sich immer im Einzelfall“, sagt Tanja Siegert, Teamleiterin des Arbeitgeberservices.

Es ­gebe aber auch vielfältige Gründe, warum Bewerber scheiterten, „wenn beispielsweise die Bewerbungsunterlagen aussehen, als hätten sie schon auf der Straße gelegen – und man bewirbt sich im Lebensmittelhandwerk“, erklärt sie. Manchmal würden Arbeitgeber zu sehr auf Noten schauen, „vielleicht lässt sich eine einmalig schlechte Note in Mathe aber auch ­damit erklären, dass da gerade Geometrie dran war, die einem nicht liegt. Das heißt aber nicht, dass ein Bewerber schlecht im Prozentrechnen ist“, sagt Siegert.

Und fügt hinzu: „Da leisten wir bei den Arbeitgebern dann auch Überzeugungsarbeit, den jungen Leuten eine Chance zu geben.“ Prinzipiell könne beispielsweise ein Praktikum im Vorfeld weiterhelfen und schlechte Noten wettmachen – und wenn ein Arbeitgeber sich für einen Azubi entscheide und sich Probleme abzeichneten, gäbe es beispielsweise die „ausbildungsbegleitende Hilfe“ der Agentur.

„Wer noch eine Ausbildungsstelle sucht, der sollte sich melden“, rät Gerhard Wenz. Und: „Auch Arbeitgeber, denen ein sicher geglaubter Azubi noch abgesprungen ist, weil er beispielsweise mehreren Stellen zugesagt hatte, können wir noch helfen.“

  • Kontakt für Jugendliche: Telefon 0 64 21 / 605-153, Email: Marburg.151-U25@­arbeitsagentur.de
  • Kontakt für Ausbildungsbetriebe: Telefon 0 64 21 / 605-701, E-Mail: Marburg.Arbeitgeber@arbeitsagentur.de

von Andreas Schmidt