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Marburg Temperaturrekorde auf der Baustelle
Marburg Temperaturrekorde auf der Baustelle
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20:00 26.07.2019
Am Donnerstag, 25. Juli, wurde der Asphalt auf der Brücke aufgetragen. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Bei einem seiner ersten Arbeitstage zeigte das Außenthermometer minus 16 Grad an. Gestern, nach fast anderthalb Jahren Bauarbeiten an der Weidenhäuser Brücke, arbeitete David Haschke bei gut 40 Grad im Schatten. Das Lachen war ihm trotzdem noch nicht vergangen. „Das liegt nur daran, dass ich heute schon in der Lahn gebadet habe“, sagte der Steinmetz gestern während der Baubegehung durch Mitarbeiter des Fachdienstes Tiefbau sowie des Fachdienstes Straßenverkehr.

Denn die Arbeiten an der Weidenhäuser Brücke neigen sich dem Ende zu. Zumindest was die Straße angeht. Am Donnerstag, 25. Juli, wurde der 200 Grad heiße Guss­asphalt auf einer Straßenseite aufgetragen und am Freitag, 26. Juli, erfolgt dies in Fahrtrichtung Weidenhausen. Denn ab 11. August soll der Verkehr wieder rollen. Bis dahin gibt es noch einiges zu tun.

Die Tiefbauer müssen die Verbindung zur Weidenhäuser Straße noch pflastern, das Geländer auf der Seite Richtung Rudolphsplatz angebracht werden. Außerdem sind die Gehwege auf beiden Seiten noch nicht fertig. Wenn das alles fertig ist, kommt noch einmal die Asphaltmaschine, denn bis zur Buswendeschleife kurz vor der Mensa soll der Asphalt erneuert werden.

Entscheidung für Vollsperrung hat sich ausgezahlt

„Wir sind sozusagen auf der Zielgeraden“, berichtete Wieland Stötzel (CDU) während der exklusiven Baubegehung mit der OP. „Bis zum Fest am 10. August wird zumindest oberhalb alles fertig sein“, versprach Marburgs Bürgermeister und Baudezernent, der zugab, dass ihn die Wetterkapriolen während der Bauzeit doch nicht einerlei waren.

Zu Beginn der kalte Winter und dann genau in dem Zeitraum, als die Brücke trocken gelegt werden sollte, der Starkregen, der in Marburg und Umgebung für Überflutungen gesorgt hatte. „Ich habe nur gedacht: Wenn uns das Wetter jetzt immer so in die Parade fährt, dann wird es kritisch“, gab Stötzel gestern zu.

Auch die Tatsache, dass der eine Bogen in den alten Plänen zehn Zentimeter tiefer eingezeichnet war, hatte kurzzeitig bei Thomas Engelbach, Fachdienstleiter Tiefbau, für Zusatzarbeit gesorgt. „Wir mussten die Planung überarbeiten und die Statik noch einmal komplett neu berechnen“, berichtete er und fügte noch hinzu: „120 Jahre alte Pläne sind halt doch nicht so genau.“

Bürgermeister Wieland Stötzel betonte gestern noch einmal, „dass sich die Entscheidung für die Vollsperrung absolut ausgezahlt hat.“ Ebenfalls ausgezahlt hätte sich die öffentlich gemacht Verkehrs-Arbeitsgemeinschaft. Eigentlich als internes Instrument eingerichtet, wurde sie im Zuge der Baumaßnahme öffentlich zugänglich und um einige Teilnehmer, auch externe, erweitert.

Liebesschlösser wurden teilweise eingeschmolzen 

„Das war wirklich ein positiver und konstruktiver Austausch“, so Harald Schröder, Fachdienstleiter Straßenverkehr. Das Sorgentelefon sowie das extra eingerichtete E-Mail-Postfach wurden hingegen nicht sonderlich genutzt. Für Steinmetz David Haschke war die Baustelle in Marburg schon etwas Besonderes: „Aus Alt mach Neu ist schon was Tolles.“

Wohl jeden Sandstein hat er in den Händen gehabt, denn „was zu retten war, haben wir restauriert, der Rest wurde entsorgt und ersetzt. Und wir konnten sehr viel erhalten. Nur ein geringer Teil musste neu gemacht werden“, berichtete der Handwerker. Auch an den Postamenten legten er und seine Kollegen Hand an. Mit Steinersatzmasse wurden Löcher oder herausgebrochene Teile ersetzt.

„Immer den richtigen Ton zu treffen war nicht so einfach, aber man soll ja auch sehen, dass was neu gemacht wurde“, erklärte David Haschke. Ein Großteil der Liebesschlösser ist übrigens mittlerweile eingeschmolzen worden. Nur 40 von ihnen wurden beim städtischen Dienstleistungsbetrieb abgeholt.

Und auch wenn der Verkehr in gut zwei Wochen wieder rollt, ist die Baustelle noch lange nicht fertig. Denn unterhalb der Brücke werden die Arbeiten noch bis zum Ende des Jahres fortgesetzt. Dazu wird demnächst ein schwimmender Ponton zu Wasser gelassen, auf dem dann die Arbeiter die Brücke von unten weiter sanieren. Zeitweise kann es deswegen auch zu kurzzeitigen einseitigen Sperrungen kommen.

von Katja Peters