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Marburg „Diamant der Hebammen-Akademisierung“
Marburg „Diamant der Hebammen-Akademisierung“
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08:58 25.03.2021
Eine Hebamme untersucht eine Patientin: Die Ausbildung wird akademisiert. Ein entsprechendes Studium in Hessen wird in Marburg, Fulda, Gießen und Frankfurt möglich sein.
Eine Hebamme untersucht eine Patientin: Die Ausbildung wird akademisiert. Ein entsprechendes Studium in Hessen wird in Marburg, Fulda, Gießen und Frankfurt möglich sein. Quelle: Foto: Caroline Seidel
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Marburg

Für Professor Harald Renz, Ärztlicher Geschäftsführer am UKGM Marburg, ist es „ein Meilenstein für die Versorgung von Schwangeren und den Kindern in der Region“: Am Mittwoch gab Hessens Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne) gemeinsam unter anderem mit Renz, der Marburger Uni-Präsidentin Professor Katharina Krause und Professor Karim Khakzar, Präsident der Hochschule Fulda, Details zur künftigen universitären Hebammen-Ausbildung bekannt.

Denn die Ausbildung wird neu geregelt: Sie muss ab 2023 vollständig in Form eines Dualen Studiums angeboten werden. Die Philipps-Universität Marburg kooperiert in diesem Kontext mit der Hochschule Fulda, zudem werden in Frankfurt und Gießen künftig entsprechende Studienplätze zur Verfügung stehen – und zwar insgesamt 140 Stück „und somit 20 mehr, als es in Hessen bisher gab“, erläuterte Angela Dorn. Damit „haben wir unsere Versorgungsstruktur bestmöglich aufgestellt“.

Das Land übernimmt die Finanzierung

„Die Hebammen sind ein sehr wichtiger Berufsstand, die eine hohe Verantwortung auf ihren Schultern tragen“, sagte Dorn. Sie seien gesellschaftlich hoch angesehen, „die Hebamme ist häufig eine Vertrauensperson, die man fast ein ganzes Leben lang behält – mindestens im Herzen“, so Dorn.

Die Hebammenausbildung sei auch jetzt schon hervorragend, doch habe sich die Bundesregierung für eine Vollakademisierung entschieden. „Sie hat zwar bestellt, aber nicht bezahlt“, kritisierte Dorn, „da hätten wir uns ein partnerschaftlicheres Verhalten gewünscht“. So übernehme das Land nun die Finanzierung und hat bis 2027 rund 22 Millionen Euro für die Studiengänge eingeplant.

Ermöglicht werden die Studiengänge durch entsprechende Kooperationen der Hochschulen mit Krankenhäusern: Die Hochschule Fulda – die bereits seit 2012 den Studiengang Hebammenkunde anbietet – arbeitet dazu mit der Philipps-Universität Marburg und dem UKGM Marburg zusammen. „Fulda hat bisher schon eine wahre Pionierarbeit geleistet“, so Dorn.

Die Hochschule habe bereits im vergangenen Wintersemester damit begonnen, Hebammen nach dem neuen gesetzlichen Standard auszubilden. „Damit sind wir bundesweit auf einem sehr guten Stand“, sagte Dorn. Von dieser Pionierarbeit wird künftig nicht nur der Kooperationspartner Marburg profitieren. Denn das Wissen fließt auch an die anderen Standorte: In Gießen kooperieren die Technische Hochschule Mittelhessen, die Justus-Liebig-Universität und das UKGM miteinander. Die Frankfurt University of Applied Sciences richtet den Studiengang gemeinsam mit der Goethe-Universität und der Uniklinik Frankfurt ein.

„Ich freue mich sehr, dass es uns gelingt, die Ausbildung nicht nur mit der Akademisierung auf eine neue Ebene zu heben, sondern auch die Kapazität deutlich zu steigern – denn diese zusätzlichen Fachkräfte werden gebraucht“, erklärte Wissenschaftsministerin Angela Dorn. Und: Die Kooperationen zwischen Unis und Kliniken seien „ein wunderbares Modell, weil sie das Beste aus beiden Welten zusammenbringen“, so die Ministerin.

„Die Hochschule Fulda hat mit der Einführung eines Bachelorstudiengangs vor knapp zehn Jahren die ersten Schritte auf dem Weg zur Akademisierung der Hebammen gemacht“, erklärte dann auch Professor Karim Khakzar. In Kürze würden in Zusammenarbeit mit der Universität Marburg und dem UKGM „mindestens weitere 20 Studienplätze hinzukommen.

Damit ist die Hochschule Fulda in Hessen die größte Ausbildungsstätte, die Hebammen eine hochwertige, akademische Ausbildung anbietet und die zugleich den wissenschaftlichen Nachwuchs sichern wird“.

Für Marburgs Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause lag diese „Kooperation im Viereck“ nahe, um „auf die vorhandene Expertise in Fulda zu bauen, um das, was für die Region so wichtig ist, gemeinsam sicherzustellen: Die Versorgung im Bereich der Geburtshilfe und der Hebammen“.

Renz: „Versorgung wird zukunftsfest gemacht“

Professor Harald Renz ist sich sicher, dass mit dem neuen Angebot „die Versorgung zukunftsfest gemacht wird“. Denn eine gute Betreuung durch Hebammen „führt zu weniger Frühgeburten, zu weniger medizinischen Eingriffen, zu kürzeren Krankenhausaufenthalten und zu längerem und häufigerem Stillen“ – gerade Letzteres sei immanent wichtig für die Kindergesundheit. Jährlich würden im UKGM rund 2 000 Schwangere betreut – Tendenz steigend, „weil viele kleinere Geburtskliniken geschlossen haben“, so Renz.

An der Elisabeth-von-Thüringen-Akademie des UKGM gebe es bereits eine lange Tradition in der Ausbildung von Hebammen. Diese gelte es nun, in die Akademisierung umzuwandeln. „Das eröffnet letztlich das Potenzial zur Entwicklung von wissenschaftlicher Exzellenz“, so Renz. Dies könne man „mit dem Diamanten der Hebammen-Akademisierung noch verstärken.“

Dr. Sylvia Heinis, Kaufmännische Geschäftsführerin des UKGM Marburg, betonte, dass es „hier schon ein besonders partnerschaftliches Modell zwischen den Ärzten und den Hebammen“ gebe, das weit in die Region strahle.

Das neue Modell stärke dies noch, „wir können die lange Tradition in Marburg fortsetzen und sie auf einen neuen und modernen Stand bringen“ – etwa durch den Einsatz von modernen Lehrmethoden mit Simulationsverfahren, so Heinis.

Von Andreas Schmidt

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