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Marburg Deutschlands erste „Drive-In“-Praxis
Marburg Deutschlands erste „Drive-In“-Praxis
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21:26 04.03.2020
Dr. med. Ulrike Kretschmann macht einen simulierten Corona-Test am Auto mit Daliah Stein. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg

„Das Virus wird kommen, daran ändert auch das Schönreden nichts“, sagt Dr. Ulrike Kretschmann, Allgemeinmedizinerin mit Praxis in der Bahnhofstraße. Und weil das so ist, haben sich die vier Ärzte in der Gemeinschaftspraxis für ihre Patienten etwas Besonderes einfallen lassen: Alle, die von sich glauben, Corona eingefangen zu haben, werden nach telefonischer Anmeldung vor der Praxis – auf dem Hof, einem Parkplatz vor der Praxis – untersucht.

Die Ärzte und die Helferinnen werden dort den vorgesehenen Abstrich nehmen. „So minimieren wir das Risiko, dass die Praxisräume kontaminiert, andere Patienten angesteckt werden“, sagt sie.

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Vorbild für „Drive-In“-Praxen stammt aus Südkorea

Vorbild ist das Vorgehen von Medizinern in Südkorea, die „Drive-In“-Praxen aufgebaut haben. Hinfahren, im Auto warten, Fenster runterkurbeln, vom Fachpersonal Abstriche machen lassen, nach Hause fahren, Ergebnis erfahren und in Quarantäne bleiben: Nach derselben Logik soll Kretschmanns Corona-Abfangschirm in Marburg funktionieren.

„Es muss schnell, unkompliziert und für alle möglichst gefahrlos sein – nicht zuletzt für uns selbst“, sagt Kretschmann. Und wenn es praktikable Ideen gebe, müsse man „das Rad nicht neu erfinden, sondern die Idee den Gegebenheiten anpassen, weiterentwickeln“.

Selbstschutz für alle Ärzte in der Region ein Thema

Denn: Das Thema Selbstschutz, konkret die Ausstattung mit Schutzkleidung wie Atemmasken und Desinfektionsmittel beschäftigt alle Ärzte in der Region. Die Praxis Kretschmann, Hofacker, Wortmann hat nach eigenen Angaben vor allem für die Mitarbeiter Masken und Co. gekauft – aber zum einen sind auch diese limitiert, nur kurz verwendbar und kaum noch zu bekommen. Umso wichtiger sei es, auch bei der Schutzkleidung „Resourcen zu sparen“.

Die Situation beschwöre aber grundsätzlich ein weiteres Risiko herauf: Wenn die Corona-Welle in Mittelhessen ins Rollen kommen sollte, „drohen plötzlich die Ärzte selbst zu erkranken und so für Tests, Versorgung und Behandlung der Patienten auszufallen“.

Umso wichtiger sei es, dass bei medizinischem Fachpersonal – also auch Arzthelferinnen – „alles dafür getan wird, dass sie nicht in Quarantäne müssen“.

Von Björn Wisker

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