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Marburg Deutsche Fußballerinnen begeistern bei der EM
Marburg Deutsche Fußballerinnen begeistern bei der EM
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09:00 30.07.2022
Deutschlands Alexandra Popp (M) bejubelt ihr Tor zum 2:1 gegen Frankreich bei der EM.
Deutschlands Alexandra Popp (M) bejubelt ihr Tor zum 2:1 gegen Frankreich bei der EM. Quelle: Nick Potts/PA Wire/dpa
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Marburg/London

Längst vorbei sind die Zeiten, in denen es Frauen in Deutschland vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) untersagt war, sich im Verein mit Gleichgesinnten zu messen, in denen sie für ihren Erfolg ein Kaffeeservice erhielten – so bei der EM 1989. Der Frauenfußball hat sich in den vergangenen Jahren stark entwickelt.

Nicht nur auf nationaler Ebene können es Vereine wie der FC Bayern München oder VfL Wolfsburg mit den besten Frauenteams Europas aufnehmen, auch die deutsche Fußball-Nationalmannschaft zeigt derzeit bei der Europameisterschaft in England, dass Fußballerinnen die Massen mit ihrer Klasse begeistern können.

Die Chronik der Erfolge

2. Juli 1989: Die deutsche Nationalmannschaft wird im eigenen Land bei ihrer ersten EM-Teilnahme gleich Europameister. Es folgen sieben weitere EM-Titel 1991, 1995, 1997, 2001, 2005, 2009 und zuletzt 2013.

28. September 2000: Bei den Olympischen Sommerspielen in Sydney holen die deutschen Frauen als amtierende Europameisterinnen zum ersten Mal eine Medaille. Ein 2:0 gegen Brasilien bringt Bronze, die das DFB-Team auch 2004 in Athen und 2008 in Peking holt.

12. Oktober 2003: In den USA holt die Nationalmannschaft ihren ersten WM-Titel durch einen 2:1-Sieg nach Golden Goal von Nia Künzer gegen Schweden. Torschützenkönigin Birgit Prinz (7 Treffer) wird zur besten Spielerin des Turniers gekürt. 2007 wird die DFB-Elf in China zum bislang letzten Mal Weltmeister.

19. August 2016: Bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro holt Deutschland erstmals Gold – durch ein 2:1 gegen Schweden.

Dass Alexandra Popp und Co. am Sonntag (31. Juli, 18 Uhr) gegen die Gastgeberinnen um den neunten EM-Titel kämpfen dürfen, liegt aber auch in der Entwicklung begründet. Egal, ob medizinische Betreuung, Trainingsmethodik oder fortschreitende Professionalisierung: Der Frauenfußball in Deutschland hat einen Sprung gemacht. 

Sabine Mammitzsch, DFB-Vizepräsidentin und zuständig für Frauen- und Mädchenfußball, hoffte kürzlich im Interview mit dem Deutschlandfunk darauf, dass die EM-Euphorie mit in den Bundesliga-Alltag schwappt. „Zur Saisoneröffnung haben wir mit Eintracht Frankfurt – Bayern München gleich ein Highlightspiel. Da ist eine fünfstellige Zuschauerzahl das Ziel.“

Sie sind jetzt alle Fans

Ramona Wagner schaute früher nie Frauenfußball – bis Freundinnen sie überredeten, eine eigene Hobbymannschaft zu gründen. „Mittlerweile schaue ich nicht nur die Frauen-EM oder -WM, sondern auch Bundesliga- und Pokalspiele“, erzählt die Roßdorferin, die „begeistert“ ist: von der Dynamik, Schnelligkeit im Passspiel und vom Zusammenspiel – und weil das Spiel „nicht so oft unterbrochen wird“.

Jürgen Klopp ist großer Fan der deutschen Frauen-Nationalmannschaft. In einer Videobotschaft wandte sich der Coach des FC Liverpool vor dem EM-Halbfinale gegen Frankreich ans Team, schwärmte, „dass ich euren Fußball liebe. Den Einsatz, den ihr zeigt, wie ihr euch komplett verausgabt, die Fitness – ihr seht unglaublich frisch aus über das gesamte Spiel, verrückt“, stellte der zweimalige Welttrainer fest.

Klaus Reese verfolgt die  EM intensiv. „Ich sehe keinen großen Unterschied mehr zu den Männern – egal, ob bei Taktik, Technik oder Einsatz. Das Niveau ist in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen“, meint der Kirchhainer, findet es besonders positiv, „dass es beim Frauenfußball keine Rudelbildung gibt“. Reese tippt auf einen Finalsieg der DFB-Elf – allein weil die  Erwartungshaltung bei den Gastgeberinnen groß sei.

Lisa Paus sieht die deutschen Fußballerinnen auch durch ihre Auftritte bei der Europameisterschaft in England als Vorbilder. Gegenüber dem in Berlin  erscheinenden „Tagesspiegel“ bescheinigte die Bundes­familienministerin der Auswahl eine „grandiose Leistung“. „Mit ihrer Leidenschaft, ihrem Können und ihrem Teamgeist sind sie große Inspiration und mitreißende Vorbilder“,  betonte Paus. 

Franz Beckenbauer bescheinigt dem deutschen Frauenfußball eine tolle Entwicklung. Nach eigenen Worten verfolgte der „Kaiser“ alle EM-Spiele der deutschen und englischen Mannschaft im Fernsehen. Gegenüber der „Bild“-Zeitung zeigte er sich jüngst überzeugt: „Unsere Frauen holen den Wembley-Titel.“ Er setzt aufs Elfmeterschießen. „Da gewinnen unsere Frauen, weil sie physisch und nervlich besser sind.“

Von Marcello Di Cicco