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Marburg Deutlicher Abstand zwischen Spies und Bamberger
Marburg Deutlicher Abstand zwischen Spies und Bamberger
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00:18 15.06.2015
Dirk Bamberger (links) von der CDU und Dr. Thomas Spies von der SPD kämpfen weiter um die Gunst der Wähler. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Wenn es nach den Wählern der großen Stadtteile Waldtal und Richtsberg gehen würde, wäre eine Stichwahl nicht nötig: Dort erzielte Dr. Thomas Spies von der SPD die absolute Mehrheit. Doch erwartungsgemäß war das Gesamtbild nicht so eindeutig. Denn bei sechs Kandidaten war es unwahrscheinlich, dass einer gleich im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erhält – schließlich hat keiner einen Amtsinhaber-Bonus. Der amtierende Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) hatte 2011 beim ersten Mal ein traumhaftes Ergebnis von 59,3 Prozent geschafft. Der Abräumer des ges­trigen Sonntags ist Dr. Thomas Spies (SPD) mit 42,8 Prozent. Er gewann vor allem in der Kernstadt eindeutig. Spies ist in den großen Bezirken weit vorne.

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Vom Abschneiden enttäuscht

Sein Herausforderer von der CDU, der Politik-Neuling Dirk Bamberger, kam auf 35,2 Prozent. Er wurde vom bürgerlichen Lager unterstützt. War im Vorfeld noch von einem Kopf-an-Kopf-Rennen die Rede, so ist nun der Abstand zwischen Spies und Bamberger deutlich. Aus dieser Perspektive betrachtet müsste die CDU von Bambergers Abschneiden enttäuscht sein. Die andere Sichtweise: Er erhielt deutlich mehr als die drei bürgerlichen Kandidaten 2011 zusammen: Damals kam Wieland Stötzel von der CDU nur auf 18 Prozent. Kandidaten der FDP und MBL kamen zusammen auf 5,2. In der Oberstadt, wo Bamberger lange wohnte und für deren Belange er sich besonders einsetzte, gewann er nicht.

Eine deutliche Niederlage musste Dr. Elke Neuwohner von den Grünen einstecken, sie konnte das Wählerklientel ihrer Partei offenbar nicht mobilisieren. Neuwohner kam mit 9,7 Prozent auf ein noch mageres Ergebnis als 2011 ihr Parteifreund Bürgermeister Dr. Franz Kahle. Das starke Kommunalwahlergebnis der Grünen von 2011 von fast 23 Prozent erreichte die Ärztin und Stadtverordnete nicht einmal annähernd. Lediglich in der Kernstadt, zum Beispiel in den Wahllokalen in der Oberstadt kam Neuwohner auf zweistellige Ergebnisse.

Auf ein für die Marburger Linke sehr gutes Ergebnis kam Jan Schalauske: In Übereinstimmung mit der OP-Prognose, bekam er rund zehn Prozent und holte offenbar aus allen Lagern Stimmen. Vor vier Jahren hatte der Linke Henning Köster nur 4,4 Prozent erzielt. Am Richtsberg oder in der Altstadt punktet Schalauske noch mehr, in einem Wahllokal der Oberstadt landet er fast auf 20 Prozent. Keine Überraschung ist das miserable Ergebnis des Parteilosen Rainer Wiegand, der als chancenloser Außenseiter galt. Der zweite Außenseiter, der Student Marius Beckmann von der Satire-Partei Die Partei kann mit seinem Ergebnis dagegen zufrieden sein: Mit 2,2 Prozent erreichte er immerhin mehr als der FDP-Kandidat und Kommunalpolitiker Jörg Behlen bei der letzten OB-Wahl.

Spies siehgt in den großen Bezirken

Der nähere Blick auf einige Bezirke: In den Außenstadtteilen war Spies‘ Ergebnis deutlich schwächer als sein Gesamtschnitt: In Ronhausen, wo 2011 SPD-Mann Vaupel haushoch gewann, lag diesmal der CDU-Bewerber vorne. In traditionell „schwarzen“ Stadtteilen wie Schröck kam Bamberger sogar auf mehr als 60 Prozent. Aber Spies gewann eben die großen Bezirke für sich.
Angesichts der für Marburger Verhältnisse geringen Wahlbeteiligung von 42,9 Prozent wird die spannende Frage sein, wie viele bisherigen Nichtwähler das bürgerliche Lager für die Stichwahl mobilisieren kann und ob die Anhänger der Grünen und Linken am 28. Juni wählen
gehen und wenn ja, wen.

von Anna Ntemiris