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Marburg Der schönste Bauzaun Marburgs
Marburg Der schönste Bauzaun Marburgs
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21:00 05.12.2020
Die Künstlerin Uli Krappen und Markus Biber, Gesamtleiter Montessori-Schulen und stellvertretender Schulleiter der Carl-Strehl-Schule, stehen neben dem Bauzaun, den die Künstlerin gestaltet hat. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg

Blumen ranken sich über einen dunkelblauen Abendhimmel. Oder ist es vielleicht etwas Unterseeisches? Ein Zirkuszelt steht am Boden, die Türen sind einladend geöffnet, jeder kann hinein. Ein blauer Frosch springt durch den Nachthimmel, Fische und ein Seepferdchen schweben durch die Luft (oder das Wasser?), ein blauer Elefant balanciert auf einem Fliegenpilz.

Zu entdecken sind die Motive auf dem Blista-Gelände im Bereich des Neubaus der Montessori-Schule. Dort hat die Marburger Künstlerin Uli Krappen im Auftrag der Blista ein ungefähr 15 Meter langes Transparent bedrucken lassen, das als Bauzaun dient und die Montessori-Baustelle verdeckt. Es ist Marburgs mit Abstand schönster Bauzaun. Auftraggeber war Claus Duncker, Direktor und 1. Vorsitzender der Deutschen Blindenstudienanstalt (Blista), die auch Träger der Montessori-Schule ist.

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Claus Duncker wollte mit einem künstlerisch gestalteten Bauzaun die Vorfreude auf das Schulprojekt deutlich machen, erklärt Imke Troltenier, an der Blista zuständig für Öffentlichkeitsarbeit. Auf dem Blista-Gelände ist die Montessori-Grundschule beheimatet, die derzeit von 84 Kindern besucht wird. Die Schule erhält einen Anbau für eine Sekundarstufe 1. Baubeginn ist voraussichtlich im kommenden Jahr.

Basis des Motivs, das auf eine stabile Folie gedruckt wurde, ist Uli Krappens Gemälde „Sekundenschlaf“ aus dem Jahr 2020, an dem die Künstlerin gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Viktor Boege mehrere Wochen gearbeitet hat. Im Original ist das Gemälde 360 mal 60 Zentimeter groß.

„Viktor war für die eher dunklen und finsteren Figuren wie einen Kraken oder eine böse Blume zuständig. Ich habe eher die heiteren Szenen gemalt“, sagt die Künstlerin. Das Bild sei eine Traumsituation mit Figuren, „die man nicht so recht fassen kann, wenn man aufwacht“.

Uli K., wie sie ihre Arbeiten signiert, hat sich mit ihren witzigen, hintergründigen und farbenfrohen Bildern in den vergangenen 20 Jahren eine große Fangemeinde ermalt. Es ist die Kombination von Farben, Figuren und knappen, meist ironisch-witzigen Bildtiteln, die ihren Arbeiten einen ganz eigenen, unverwechselbaren Charakter geben. Man erkennt einen „Krappen“ oft auf den ersten Blick. Auch die großen Kinderköpfe an der Wand des Marburger Hauses der Jugend in der Frankfurter Straße stammen von ihr.

Uli Krappen wurde 2017 mit dem Otto-Ubbelohde-Preis des Landkreises Marburg-Biedenkopf ausgezeichnet. 2017 wurde sie gemeinsam mit dem Illustrator Mehrdad Zaeri und der Autorin Anja Tuckermann mit dem Bilderbuch „Nusret und die Kuh“ für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Die Künstlerin wurde 1961 in Krefeld geboren und lebt seit 1992 in Marburg. „Ich habe abends, wenn die Kinder im Bett waren, zur Entspannung gemalt“, hat sie der Oberhessischen Presse einmal über ihre Anfänge gesagt.

Ihre Bilder mit dem großen Wiedererkennungswert kamen immer besser an. Die oft großformatigen Bilder verkauft sie heute über Galerien und das Internet. Im Ausflugslokal Dammühle hat sie eine Dauerausstellung. Und viele der meist witzigen, farbenfrohen und fast immer optimistischen Motive der Marburger Künstlerin zieren inzwischen Postkarten, Kaffeetassen, Theaterplakate, Notizblöcke.

In den Sommermonaten zieht es die Künstlerin oft nach Südfrankreich, wo sie arbeitet und stets mit einem Stapel Bilder zurückkehrt nach Marburg. In Marburg betreibt sie derzeit einen sogenannten Pop-Up-Laden in der Oberstadt.

Von Uwe Badouin