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Marburg Der ignorierte Kandidat der CDU aus Marburg
Marburg Der ignorierte Kandidat der CDU aus Marburg
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20:39 11.01.2021
Dr. Andreas Ritzenhoff (CDU). Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

In dem Moment, als CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak von einem TV-Journalisten im fernen Berlin gefragt wird, ob es noch weitere Kandidaten für den Parteivorsitz gebe, schaut Andreas Ritzenhoff in Marburg auf sein Handy. Als Ziemiak dann „Nein“ in die Kamera sagt, es in der Vorwoche des Wahl-Parteitags also bei Friedrich Merz, Armin Laschet und Norbert Röttgen bleibe, ist Ritzenhoff baff.

„Ich bin zum Teil von lokalen Partei-Funktionären erbittert bekämpft worden und habe erlebt, was mit der Steigerung Freund-Feind-Parteifreund gemeint ist“, sagt er. Es seien einige Parteifunktionäre, die versuchen, eine Art von „politischer Kleiderordnung“ durchzusetzen. Solche Kämpfe dürfe es gerade in einer christlichen Partei nicht mehr geben.

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Wie schon bei vorherigen Anläufen für die Bundes- oder Kommunalpolitik fühlt sich der Chef der Firma Seidel in Fronhausen speziell von Parteifunktionären „systematisch aus dem Spiel genommen“, wie er sagt. „Da hat man schon ganze Arbeit gemacht.“

Mit der innerparteilichen Demokratie stimme etwas nicht. „Am C, am D und am U müssen wir arbeiten, es gibt dringenden Reformbedarf.“ Die Tatsache, dass Generalsekretär Ziemiak von keiner weiteren Bundesvorsitz-Bewerbung neben jener der drei Polit-Promis wisse, zeuge genau davon.

Die jüngste Aussage etwa des CDU-Kreisvorsitzenden Dr. Stefan Heck, Ritzenhoff bewerbe sich seit Jahren praktisch auf jedes Amt, weißt er indes zurück: „Ich habe genug zu tun und renne sicher nicht neurotisch irgendwelchen Posten hinterher. Ich will als Bürger etwas tun, will handeln und in die nach meiner Überzeugung falschen Weichenstellungen der Politik eingreifen“, sagt er und verweist auf seine Führungserfahrung als Unternehmer.

Das jüngste Handelsabkommen mit China sei so ein folgenschwerer Fehler. Vielmehr müssten die Demokratien des Westens – gerade nach der Wahl Joe Bidens als US-Präsident – mehr denn je das transatlantische Verhältnis stärken.

China sei eine Gefahr, man habe nun – auch auf dem Weg zu den von Ritzenhoff favorisierten „Vereinigten Staaten von Europa“ – unter deutscher und somit CDU-Führung „eine Chance vertan“.

Marburger CDU-Chef: Die Partei hält sich an die Spielregeln

Der Marburger CDU-Vorsitzende und Landtagsabgeordnete Dirk Bamberger weist Ritzenhoffs Kritik zurück. „Nur weil jemand sagt ,Ich will’, heißt das nicht, dass er auch wird“, sagt er. Jeder Kandidat, der sich für den Bundesvorsitz für geeignet halte, brauche laut CDU-Satzung Unterstützer – aus den Reihen der 1001 Delegierten oder eines Verbands. Etwa des Kreisverbands Marburg-Biedenkopf, der sich aber bereits bei dessen ersten Anlauf 2018 gegen einen Vorschlag von Ritzenhoff entschieden habe. „Wir haben das beraten und sind zu dem Schluss gekommen, dass die Kompetenzen einfach bei den anderen Kandidaten liegen.“

Und das würde angesichts der bisher nicht bekannten Kandidatur-Unterstützung des Marburger Unternehmers offenbar mehr als nur der heimische Kreisverband – dem nicht mal eine schriftliche Bewerbung vorliege – so sehen. Mit der relativ kurzen Parteimitgliedschaft Ritzenhoffs habe die Positionierung des eigenen Verbandes aber nichts zu tun, so Bamberger.

Die Partei halte sich jedenfalls an die in der Satzung festgeschriebenen Spielregeln. Neben Ritzenhoff gebe es noch rund 25 weitere Einzelbewerber – auch für sie gelte es, sich im Vorfeld der Abstimmung Ende dieser Woche Unterstützer zu suchen. Solange das nicht geschehen ist, seien Ritzenhoff und Co. nicht offiziell im Kandidaten-Kreis für die bevorstehende Vorsitzendenwahl.

Ritzenhoff selbst sagt, er sei stets gerne bereit gewesen, auch kommunalpolitisch in Marburg-Biedenkopf mitzuwirken. Seine politischen Schwerpunkte lägen aber nun mal eher bei der internationalen Politik. Was er will: „Den Markenkern der CDU als christlich demokratische Partei schärfen.“

Von Björn Wisker